Auf den ersten Blick ist es zumindest ein Achtungserfolg. Der erstmals durchgeführte bürgerliche Schulterschluss bilanziert das beste SVP-Resultat im Regierungskampf, alle Sitze verteidigt, einen davon gar im ersten Anlauf neu besetzen können. Dennoch: Die SVP verlor den Zweikampf gegen die Klein-Partei Basta, den Regierungssitz verpasste sie deutlich. Und ausser den Liberalen haben alle Parteien rechts der Mitte Wähleranteile hinnehmen müssen. Am härtesten traf es die FDP. Wenig erstaunlich mehren sich die Stimmen, welche das Zusammengehen mit der SVP kritisieren. Deutlich wird etwa alt Grossrat Elias Schäfer: «Die bürgerliche Zusammenarbeit hat der FDP geschadet. Die Unterschiede zwischen den Parteien wurden verwischt, unsere Partei musste dies am meisten ausbaden.» Er sei nicht alleine. «Es gibt mehrere – zugegeben eher neue – Parteimitglieder, die sich gegen die SVP aussprechen.»

Es rumort in der FDP

Einer davon ist Boxtrainer Angelo Gallina, der wohl prominenteste Neuzugang: «Wäre die Zusammenarbeit mit der SVP schon damals Thema gewesen, hätte ich mir meinen Betritt zur FDP sicher genauer überlegt.» Für die FDP ist dies vor allem aus einer Sicht ein Problem: Die Freisinnigen kranken an mangelndem Personal. Im Gegensatz zur LDP konnten sie weniger bekannte Gesichter auf ihre Listen hieven. Frischer Wind ist deshalb unabdingbar. Präsident Luca Urgese steht damit vor einem Dilemma: Er muss seine Partei in das bürgerliche Konkordat einbinden und gleichzeitig eine Verjüngungskur durchführen. Keine leichte Aufgabe für den jungen Präsidenten.

Von der bürgerlichen Allianz ist und bleibt Urgese jedoch überzeugt: «Es ist uns aber noch zu wenig gelungen, aufzuzeigen, warum es eine bürgerliche Wende braucht. So selbstkritisch müssen wir sein.» Anstelle von politischen Inhalten habe man den Fokus vielleicht zu sehr auf die Einigkeit zwischen den vier Parteien gelegt.

Diese Kritik ist auch aus den freisinnigen Reihen zu hören. Ein ehemaliger Amtsträger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat im Wahlkampf vor allem Inhalte vermisst: «Es ist zu wenig gelungen, aufzuzeigen, warum es eine bürgerliche Wende braucht. Ich weiss ja selber nicht mehr, was die Themen waren.» Auch hätte er sich ein wenig angriffigere Herausforderer gewünscht. «Die bürgerlichen Kandidaten waren zu brav, haben sich zu stark ans Kollegialitätsprinzip gehalten», findet er. «Im Wahlkampf braucht es aber mehr.» SP-Regierungsrätin Eva Herzog oder Parteikollege Hans-Peter Wessels hätten da weniger Bisshemmungen gezeigt – zu Recht.

Diese Kritik kann SVP-Grossrat Joël Thüring nachvollziehen: «Wir hätten die inhaltlichen Unterschiede noch mehr herausstreichen und weniger brav sein dürfen», räumt der Wahlkampfleiter des bürgerlichen Vierertickets ein. Auch seien die Wahlkampfthemen wie die Verkehrspolitik vielleicht zu wenig städtespezifisch gewesen. «Künftig sollten wir stärker auf Themen setzen, welche die Stadtbevölkerung noch mehr beschäftigen.» Thüring spricht etwa die laufend steigenden Krankenkassenprämien oder die Wohnbaupolitik an. Allerdings sei auch zu konstatieren, dass in Basel-Stadt derzeit schlicht und einfach nicht der «allergrösste Wechselwille» bestehe. Auch die CVP wird über die Bücher gehen. Grossrat Oswald Inglin galt lange als SVP-Kritiker, befürwortete aber auch das Viererticket. «Der Entscheid, die SVP einzubinden, war richtig, wurde aber vom Wähler nicht goutiert.» Präsidentin Andrea Strahm will noch keine abschliessende Beurteilung vornehmen: «Wir werden dies im Wahlkampf-Team analysieren.» Sie stellt aber in Aussicht, dass die CVP den eingeschlagenen Weg weiter begehen will.

Zu den Wahlverlierern gehört auch der Gewerbeverband, der das Viererticket stets befeuert hat. Die Kampagne «Feuer und Flamme fürs Gewerbe» erlebte eine kalte Dusche: Von den unterstützten Neu-Kandidaten schaffte mit Pascal Messerli (SVP) gerade mal einer den Sprung ins Parlament. Der Verbands-Politologe Patrick Erny (FDP) belegt den 15. Platz. Zusammen mit der verpassten Wende im Regierungsrat eine magere Ausbeute für einen «hohen fünfstelligen Betrag», den der Wirtschaftsverband eingesetzt hat.