Sie seien nicht grundsätzlich gegen den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, betonten am Freitag die Vertreter von CVP, LDP, FDP und SVP an einer Medienkonferenz, die sich gegen das neue 1,2 Kilometer lange Tram Erlenmatt wehren, über das aufgrund ihres Referendums am 18. Mai abgestimmt wird.

«Die 68 Millionen Franken Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen der Tramlinie», sagte FDP-Grossrats-Fraktionspräsident Andreas Zappalà. Der Kostendeckungsgrad von maximal 23 Prozent sei unterdurchschnittlich. «Im Moment sind es auf der dortigen Buslinie 30 gerade mal elf Prozent.» Dass der Kostendeckungsgrad auf dem ganzen Tramnetz sechzig Prozent beträgt, unterstreiche die ungenügende Wirtschaftlichkeit des Erlenmatt-Trams. Zappalà stellte klar, nicht gegen die öV-Anbindung des Erlenmatts zu sein. Die bestehende Buslinie sei dafür aber ausreichend.

65,7 statt 15 Millionen Franken

CVP-Grossrats-Fraktionspräsident Remo Gallacchi widersprach den Befürwortern, wonach das Erlenmatt-Tram ein Kernstück für weitere Projekte im Tramnetz 2020 darstellt. «Das Tram Erlenmatt spielt darin eine untergeordnete Rolle.» Wichtige Tramlinien über die Johanniterbrücke oder das Roche-Tram seien auch ohne das Erlenmatt-Tram möglich.

Dass auch das 21er-Tram zum Novartis Campus eher tief ausgelastet ist, bestätigt Gallacchi in seiner Meinung, dass die 68 Millionen für das Tram Erlenmatt in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Die bürgerlichen Grossräte machten unmissverständlich klar, dass dieser für sie viel zu hohe Betrag den Abstimmungskampf dominieren wird. Heiner Fischer (LDP) enervierte sich förmlich, als er die Kostenrechnung des Trams detailliert erläuterte. Dass die Befürworter von 15 Millionen sprechen, die das Tramprojekt als solches kosten soll, und alles andere nur «Beigemüse» sei, erzürnt den LDP-Grossrat. «Das Tram kostet in Wirklichkeit 65,7 Millionen Franken!»

Um die Behauptung der Befürworter zu entkräften, zeigte Vischer den Ratschlag mit der Nummer 13.0601.01 des Regierungsrates an den Grossen Rat und erklärt: «27,2 Millionen verschlingen unter anderem alleine der Gleisbau, die Fahrleitung, die Fahroberfläche und die Haltestellen. 17,8 Millionen kosten die Strassenarbeiten in Folge des Tramneubaus, 14,7 Millionen Franken sind nötig für die Verstärkung des Schwarzwaldtunnels, da darauf das Erlenmatt-Tram fahren soll und 4,3 Millionen kostet das Entwicklungskonzept Badischer Bahnhof.»

Dass die Tram-Befürworter diese Kosten nicht im direkten Zusammenhang mit dem Erlenmatt-Tram sehen, könne er nicht akzeptieren. «Die gesamten 68 Millionen Franken machen rund einen Fünftel des gesamten öV-Fonds aus. Dieses Geld kann man für andere, wichtigere Tramprojekte besser gebrauchen.»

«Kein Haus ohne Küche und Bad»

Weiter ist für Heiner Vischer klar, dass das Erlenmatt-Quartier auch ohne das Tram kommen wird. Und ein Versprechen an die Quartierbewohner sei gar nie erst vorgelegen. «Es wurde gesagt, das Tram werde geprüft. Es ist aber absurd, mit den nun vorliegenden Zahlen das Tram zu realisieren.» SVP-Grossrat Joël Thüring unterstützte die Rechnung von Heiner Vischer. «Niemand baut ein Haus ohne Küche und Bad. Das gehört einfach dazu. Genauso wie die aufgezeigten Kostenstellen des Trams.»