Tramnetz 2030
Die Stimmbevölkerung soll über die neuen Tramlinien entscheiden

Die Regierung will das Tramnetz ausbauen. Bei den Bürgerlichen stossen die Pläne auf Skepsis, Ablehnung und Widerstand.

Jonas Hoskyn
Merken
Drucken
Teilen
Beim Wettsteinplatz soll künftig die Linie 1 auf neuen Gleisen direkt zum Claraplatz geführt werden.

Beim Wettsteinplatz soll künftig die Linie 1 auf neuen Gleisen direkt zum Claraplatz geführt werden.



Kenneth Nars

Es war eine geballte Ladung: Das Tramnetz 2030, das diese Woche die Basler Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller zusammen mit ihrem Baselbieter Kollegen Isaac Reber und den beiden Direktoren von BVB und BLT vorstellte. Bis 2030 soll das Tramnetz entflochten und die Innenstadt von der «grünen Wand» entlastet werden. Möglich machen sollen dies eine Reihe neuer Tramgleise, etwa durch den Claragraben, den Petersgraben, eine neue Verbindung durchs Klybeck oder die Margarethenverbindung – Kostenpunkt jeweils ein zweistelliger Millionenbetrag.

Während sich die linken Parteien über die «Meilensteine in der ÖV-Förderung» (Grüne) und «wichtige Grundlage» (Basta) freuen, zeigen sich die bürgerlichen Parteien skeptisch. Vor allem gegenüber der Margarethenverbindung, die nichts anderes ist als der 2017 von der Baselbieter Stimmbevölkerung deutlich abgelehnte Margarethenstich. Zwar war bekannt, dass die Basler Verkehrsplaner die Verbindung trotz dem Nein nicht abgeschrieben haben, dass diese bereits jetzt wieder neu aufgelegt wird, überrascht aber doch.

Neuauflage des Margarethenstichs

Der Clou: Basel-Stadt könnte die Tramverbindung auch ohne die Baselbieter bauen – obwohl in erster Linie das Leimental davon profitieren würde. Und weil das Baugesuch nie zurückgezogen wurde, liegt mittlerweile sogar schon das Placet des Bunds vor. Auch die Tramhaltestelle Dorenbach wurde wie geplant umgebaut, sodass sie für den Margarethenstich genutzt werden könnte. Unklar ist aber, wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Um ein erneutes Nein im Baselbiet zu umgehen, könnte Basel-Stadt sich bereit erklären, den Betrag zwischen 8 und 15 Millionen Franken alleine zu stemmen.

Doch auch in der Stadt gibt es Skepsis gegenüber der Neuauflage des Margarethenstichs:

«Ich finde es fragwürdig, nicht einmal fünf Jahre nach einem klaren Nein wieder mit dem gleichen Projekt zu kommen»,

sagt André Auderset von der LDP. Und auch die SVP will die Verbindung nicht weiter verfolgen: «Die Anbindungsmöglichkeiten in die Innenstadt und den Bahnhof sind ausreichend», sagt Parteipräsident Eduard Rutschmann. Langfristig sei ein S-Bahn-Anschluss die bessere Variante fürs Leimental.

SVP kündigt Referendum an

Die SVP hält grundsätzlich wenig vom vorgestellten Tramnetz 2030. «Teure neue Projekte für Tramverbindungen sind nicht zeitgemäss», sagt Rutschmann. Mit Blick auf die sinkenden Passagierzahlen sollten zukunftsfähigere Mobilitätsformen in Betracht gezogen werden. «Zu Spitzenzeiten können Elektrobusse eingesetzt werden.» Die geplanten Strecken Petersgraben und Claragraben lehne die SVP aus diesen Überlegungen ab. Und: «Zu derartigen Projekten würde die SVP die Bevölkerung zuerst befragen und abholen wollen.» Im Klartext: Die Partei kündigt schon jetzt das Referendum an.

Aus der Wirtschaft allerdings gibt es Rückenwind für die Tram-Pläne. Die Handelskammer beider Basel unterstützt die Tramausbaupläne der beiden Basler Kantone. «Für einen prosperierenden Wirtschaftsstandort ist eine gute Erreichbarkeit von zentraler Bedeutung», sagt Direktor Martin Dätwyler. Wesentlich sei vor allem die Anbindung der Entwicklungsgebiete, meint er mit Blick aufs Klybeck und die im Baselbiet geplanten Verbesserungen in Allschwil und Salina Raurica. «Die Verkehrserschliessung kann Impulse für deren Entwicklung auslösen.»