Auf den letzten Drücker einzutrudeln erweist sich wie immer als schwierig: Schon lange vor 21 Uhr ist das Rheinbord proppenvoll. Auch die traurigen Nachrichten aus den Medien vermögen die Freude nicht zu trüben: Das Festival «Im Fluss» ist mittlerweile vom Basler Stadtsommer nicht mehr wegzudenken und bleibt dem lockeren Rahmen ohne Absperrungen und Einlasskontrollen treu. Einziger Unterschied zu den vergangenen Jahren: Das neue Biozentrum verdeckt ein wenig die Abendsonne.

Während die Zuschauer an ihrem Dosenbier nippen, werden die Musiker mit den Weidlingen zum Kulturfloss gebracht. Zur Eröffnung macht sich die vierköpfige Kölner Weltmusik-Band «Bukahara» auf der Bühne bereit. Dabei umschreibt die viel verwendete Etikette «Balkan» ihre Musik wohl nicht vollumfänglich: Die Gruppe bewegt sich irgendwo zwischen Jazz Manouche nach Django Reinhardt, Klezmer, arabischen Klängen, Reggae-Anleihen und Folk mit einem Hauch Irland.

Sound für WG-Partys

Die vier jungen Männer sind allesamt Multi-Instrumentalisten. Einst lieferten sie den Sound für so manche WG-Party, mittlerweile sind sie nicht das erste Mal in anderen Gefilden auf Achse. Ihr Jazz-Hintergrund sticht immer wieder hervor: Posaunist Max von Einem legt etwa bereits im ersten Stück ein feuriges Solo hin. «Megaschön, dass wir auf dieser schwimmenden Bühne spielen dürfen — das erste Mal für uns», begrüsst er freudig das Publikum. Es folgt ein ruhigeres Folkstück mit der rauchigen Stimme von Soufian Zoghlami, der auch Gitarre und Bassdrum spielt.

Bald schon fallen die ersten Tropfen. Während sich ein paar Zuhörer davon abschrecken lassen, bleiben die meisten beständig am Rheinufer. «Es regnet — deshalb spielen wir den Rest des Abends Tanzmusik», animiert Max von Einem das Publikum. Dabei wechselt der Posaunist auch mal zum Schlagzeug oder Sousaphon, um manchen Stücken den soliden Boden zu geben.

Daniel Avi Schneider, Violinist mit Schweizer Wurzeln, überzeugt ebenfalls: Mit der Geige sorgt er für schön melancholische und schluchzende Einstiege in die Stücke, die sich dann in hitzige Tanzmusik verwandeln.

Da bei «Bukahara» unterschiedliche Stimmen im Spiel sind, wechseln auch die Sprachen. Die meisten Lieder sind auf Englisch. Auf einmal tauscht aber Ahmed Eid den Bass gegen eine Darbuka aus und beginnt, auf Arabisch zu singen. Auch deutsche Texte fehlen nicht: Daniel Avi Schneider greift zur Mandoline, stimmt «Ich möchte gern ein Vogel sein» an. «Eyes Wide Shut» beginnt wieder ruhiger mit der Stimme von Soufian Zoghlami, um dann in schnellen Polkarock weiterzugehen.

Zu den rasanten Balkan-Beats der letzten paar Songs erheben sich manche Zuhörer auf dem Rheinbord, um auch auf knappem Raum und im Regen zu tanzen. Einzelne springen noch spontan ins Wasser. Wie so oft ist bei «Im Fluss» leider dann Schluss, wenn alles so richtig in Fahrt kommt — pünktlich um 22 Uhr. Kulturfloss-Kapitän Tino Krattiger ist aber zufrieden mit dem Eröffnungskonzert inklusive Abkühlung: «Die frische Partyband hat dem ersten Abend gutgetan.»

Im Fluss: Bis 13.8., je 21 Uhr, Mittlere Brücke, Basel. www.imfluss.ch