Basel

Bund ermittelt wegen zu tiefen Oldtimer-Überflügen über Basel Tattoo

Es gebe Hinweise, dass das historische Flugzeug Ju 52 zu tief flog, sagte eine Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). (Symbolbild)

Es gebe Hinweise, dass das historische Flugzeug Ju 52 zu tief flog, sagte eine Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). (Symbolbild)

Tiefflüge des Propeller-Oldtimers Ju 52 über das Basel Tattoo sind heuer ein Highlight für die Besucher. Indes gibt es Zweifel, dass dabei alle Vorschriften eingehalten wurden. Die Basler Polizei hat nun das BAZL um Abklärungen ersucht.

Es gebe Hinweise, dass das historische Flugzeug zu tief flog, sagte eine Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). Einer der Hinweise stammt von der baselstädtischen Kantonspolizei, wie deren Sprecher am Mittwoch nach einer Anfrage vom Dienstag zur Nachrichtenagentur sda sagte.

Flüge von mindestens 300 Metern über Grund brauchen in der Schweiz keine Bewilligung, sofern man lokale Vorgaben wie Anflugschneisen oder Militärsperrzonen respektiert. Flüge darunter hingegen brauchen eine Bewilligung. Über dicht besiedeltes Gebiet erteilt das zuständige BAZL laut dem Sprecher sicherheitshalber grundsätzlich keine Tiefflugbewilligungen.

200 Meter Tiefflughöhe abgelehnt

Auch die Tattoo-Verantwortlichen hatten die beantragte Bewilligung für Flüge in 200 Metern Höhe nicht bekommen. Die Polizei hatte ihre Zustimmung dazu zurückgezogen, als sie von der BAZL-Haltung erfuhr. - Nebenbei: Für Fallschirmspringer-Landungen in der Kasernen-Arena im Kleinbasel hatte die Polizei dem Tattoo eine Bewilligung erteilt.

Die dreimotorige Junkers 52 aus den 30er-Jahren mit ihrer charakteristischen Wellblech-Beplankung von Kabine und Flügeln hat knapp 30 Meter Spannweite und eine Reisegeschwindigkeit von nur 180 km/h. Sie kann so viel langsamer fliegen als aktuelle Passagierjets mit ähnlicher Spannweite wie der Airbus A320 (34 Meter, 840 km/h).

Die täglichen spektakulären langsam-tiefen Überflüge am frühen Abend erfreuen wohl das Militärmusikfestival-Publikum mehr als die fluglärmsensible Stadtbevölkerung. Reklamationen wegen der Ju 52 hätten sich aber in Grenzen gehalten, heisst es bei der Polizei; für die Einhaltung der Flugvorschriften sei das BAZL verantwortlich.

Flugdaten werden ausgewertet

Das BAZL betrachtet die Anfrage der Polizei formell als Anzeige und will sich nun alle greifbaren Daten besorgen. Unter anderem wird laut dem BAZL-Sprecher von Skyguide der «Flight Track» (Radar-Daten) der JU 52 eingefordert. Aufgezeichnet werden ferner auch die Dialoge zwischen Pilot und Tower - hier des Flughafens Basel-Mülhausen.

Wann die relevanten Daten vorliegen und das BAZL entscheidet, konnte der Sprecher nicht sagen. Falls der Pilot tatsächlich die 300-Meter-Limite unterschritten hat, kann er bestraft werden. Der mögliche Strafrahmen des Amtes reicht von Verweisen über Bussen bis zum Entzug der Pilotenlizenz in sehr schweren Fällen.

Das Tattoo feiert mit dem weiträumig-lärmigen Programmpunkt Ju 52 übrigens das 100-jährige Bestehen der Schweizer Luftwaffe. Die Schweizer Armee baut jeweils die Tattoo-Arena mit rund 8000 Plätzen auf und ab. Insgesamt besuchen rund 120'000 Militärmusikfans jährlich das Basel Tattoo. Das Festival läuft noch bis Samstag.

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