Ärger und Enttäuschung sind gross. Basler Museumsdirektoren fühlen sich vom Bund benachteiligt, sehen aber ihre Hände gebunden: So wird das Haus der elektronischen Künste keine Beschwerde gegen den Entscheid des Bundesamts für Kultur (BAK) einreichen, stellt Direktorin Sabine Himmelsbach klar. «Wir schätzen die Chancen, rechtlich dagegen vorzugehen, als zu gering ein.»

Ähnlich tönt es vom Schweizer Architekturmuseum: «Eine Beschwerde ist nur dann zielführend, wenn wir Formfehler nachweisen könnten», sagt Sprecherin Elena Fuchs. Gespräche mit dem BAK hätten ergeben, dass die Chancen auf eine erfolgreiche Anfechtung gering seien, sagt auch Hans-Dieter Gerber vom Schweizer Sportmuseum. Externe Experten hätten die fachliche Beurteilung vorgenommen – und ein Richter würde wohl deren Kompetenz stützen.

Ende Juli hatten die drei Basler Häuser dicke Post erhalten: Weil das BAK sein Fördermodell geändert hat, erhalten das Architekturmuseum und das Sportmuseum künftig keine Bundesgelder mehr. Ihre Existenz ist bedroht. Auch das Haus der elektronischen Künste (HEK) muss einen Rückschlag hinnehmen. Es verbleibt zwar auf der Liste der subventionierten Museen, der jährliche Beitrag wird aber bis 2020 von 420'000 auf 250'000 Franken zusammengestrichen.

Kritik an Kriterien

Der Bund hat die Schraube damit kräftig angezogen. Neu müssen selbst angestammte Museen ihre Daseinsberechtigung nachweisen. Das betrifft nicht nur inhaltliche Punkte wie eine national bedeutsame Ausstrahlung oder eine innovative Vermittlungsarbeit. Auch strenge finanzielle Kriterien sind zu erfüllen. Der Bund zahlt nur noch, wenn sich Stadt oder Kanton in gleicher Höhe beteiligen – mit mindestens 250'000 Franken.

Weil sie nicht von vorneherein kleinbeigeben wollten, haben die drei Häuser alle eine beschwerdefähige Begründung verlangt. Demnach erfülle das Architekturmuseum «inhaltliche Kriterien» wie Einzigartigkeit und Bedeutung der Sammlung oder die Vermittlungsarbeit nicht genügend, sagt Fuchs.

Gerade dort hat das HEK eigentlich sehr gut abgeschnitten. Anders sieht es aus bei Kriterien wie Ausstrahlung und Qualität. Diese wurden anhand von Zahlen zu Besuchern oder Online-Nutzern bewertet. Damit aber ist HEK-Direktorin Himmelsbach gar nicht einverstanden: «Hier stellt sich für uns die Frage der direkten Vergleichbarkeit so unterschiedlicher Häuser wie etwa dem HEK, dem Freilichtmuseum Ballenberg oder dem Luzerner Verkehrshaus – hinsichtlich Grösse und inhaltlicher Ausrichtung.»

Das sieht man beim Schweizerischen Sportmuseum genau gleich. Bei der Bewertung von Ressourcen wie Budget und Personalbestand würden kleinere Häuser benachteiligt: «Es scheint, dass damit eine Art ‹Champions League› der Museen geschaffen wurde», kommentiert der interimistische Co-Leiter Gerber. So sei das Sportmuseum direkt mit dem Verkehrshaus als besucherstärkster Institution mit 128 Vollzeitstellen und einem Jahresaufwand von über 20 Millionen Franken verglichen worden.

Regeln während Spiel geändert

«Eine bedeutende Sammlung zu besitzen, reicht nicht aus und ihr Potenzial wird nicht berücksichtigt», kommentiert Gerber. Es gehe nur darum, was das Haus im Moment des Förderantrags mit der Sammlung leisten könne. «Um unterstützungswürdig zu sein, muss eine Institution in diesem Bewertungsverfahren eine gewisse kritische Grösse bei Budget und Personalbestand erreichen», sagt Gerber. «Thematische Kriterien waren in diesem Verfahren bewusst nicht vorgesehen.» Dieser Punkt wird auch von Himmelsbach kritisiert: «Das HEK hat schlichtweg einen zu niedrigen Gesamtetat», sagt die Direktorin. «Es wäre wünschenswert gewesen, von dieser Regelung früher zu erfahren, denn dann wären die Auswirkungen des neuen Verfahrens von Anfang an klar gewesen.» Das sei aber wohl erst während des Verfahrens selbst entschieden worden.

Ob Basel-Stadt für den Bund in die Bresche springt, ist noch völlig offen – und auch umstritten. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann lässt sich nicht in die Karten blicken. Es liefen Gespräche mit dem Kanton, heisst es von Architekturmuseum und Sportmuseum unisono. Auch werde mit möglichen Sponsoren gesprochen. Das Sportmuseum will bis Anfang 2018 einen Aktionsplan und eine Neuorientierung erarbeiten und sich so eine neue Finanzierungsgrundlage schaffen. Auch beim Architekturmuseum hat man längst nicht aufgegeben: «Hoffnung gibt es immer», sagt Fuchs, «auch für das Architekturmuseum.»