Da verlor sogar Strahlemann Anton Lauber die Contenance: Dass die Aargauer Regierung am vergangenen Freitag, ohne sich mit den Nachbarkantonen abzusprechen, entschied, «auf die Bemühungen für ein Bundesasylzentrum zu verzichten», passte dem Baselbieter Finanzdirektor überhaupt nicht. «Dieses Verhalten entspricht nicht dem regionalen Gedanken», sagte er in der «Schweiz am Wochenende». Auch wenn Lauber betonte, dass sich Baselland nicht unter Druck setzen lasse, ist genau das passiert. Mit dem Rückzug des Aargaus aus der Standortsuche ist klar: Baselland muss dem Bund ein Areal für ein dauerhaftes Ausreisezentrum mit rund 250 Plätzen anbieten. Denn die weiteren Kantone der Asylregion Nordwestschweiz, Basel-Stadt und Solothurn, planen bereits fix ein Zentrum. Nur mit deren drei kann die Bundesvorgabe von 840 Plätzen erreicht werden.

Und Baselland übernimmt Verantwortung. Schon im Mai machte die bz publik, dass der Kanton dem Staatssekretariat für Migration (SEM) ein paar Grundstücke zur Vorsondierung weitergereicht hat. Wo diese liegen, blieb geheim. Gestern nun präzisiert Asylkoordinator Rolf Rossi auf Anfrage: «Bund und Kanton stehen mit einem Grundbesitzer in den Schlussverhandlungen.» Um wen es sich handelt und wo das Areal im Kanton liegt, möchte Rossi mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht offenlegen. Auch das SEM schweigt.

«Sobald der Standort bestimmt ist und die entsprechenden Vereinbarungen unterzeichnet sind, werden wir selbstverständlich darüber informieren», sagt Sprecher Daniel Bach. Diese Zurückhaltung ist verständlich, sind doch Bundesasylzentrums-Projekte im Baselbiet auch schon gescheitert, bei denen die Planungen bereits viel weiter waren – Hölstein und Liestal lassen grüssen.

Pratteln ist ideal gelegen

Recherchen der bz zeigen allerdings: Im Fokus steht Pratteln, wie mehrere Quellen bestätigen. Aber auch schon alleine die Kriterien des SEM, die ein Standort erfüllen muss, sind klar auf die Agglomerationsgemeinde zugeschnitten. Gefordert ist etwa eine gute Verkehrsanbindung, aber auch eine gewisse Nähe zum Bundesasylzentrum mit Verfahrensfunktion Bässlergut beim Zoll Weil-Otterbach in Basel. Dies, um Transporte zu vereinfachen. Ein Kriterium, das dann viele andere Gemeinden ausscheiden lässt, ist die geforderte Grösse des Areals: Rund 6000 Quadratmeter müssen es sein.

In Pratteln gibt es solche Flächen. Das bestätigt auch der fürs Asylwesen zuständige Gemeinderat Emanuel Trueb ganz grundsätzlich. Von den laufenden Verhandlungen wissen aber weder er noch Gemeindepräsident Stephan Burgunder etwas. Allerdings: «Im Sommer suchte der Kanton das Gespräch mit uns, um am Beispiel eines bestimmten Areals zu sondieren, wie unsere Haltung zu einem Bundesasylzentrums-Standort ist», sagt Trueb. Der Gemeinderat habe daraufhin seine Haltung dargelegt. «Wir haben mögliche Vorbehalte aufgeführt, die es gegen ein solches Projekt geben kann, was nicht heisst, dass wir dagegen waren.» Trueb mahnt zu besonderer Vorsicht: «Die Bevölkerung darf nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sonst sticht man in ein Wespennest.»

Salina Raurica kommt nicht infrage

Ausschliessen kann man das wichtigste Baselbieter Entwicklungsgebiet überhaupt, Salina Raurica: «Dort wollen wir hochwertige Arbeitsplätze und Wohnraum schaffen – sicher kein Asylzentrum», sagt Burgunder. Zudem sei das Areal noch länger nicht überbauungsreif. Auch wenn die «Schlussverhandlungen» bereits laufen, drängt die Zeit: Am 1. März 2019 tritt das neue Bundesasylgesetz in Kraft, das die drei Zentren in der Nordwestschweiz vorgibt. Bis dann wird freilich in Pratteln kein Bundesasylzentrum stehen. Dank der verlängerten Nutzung des Bundesasylzentrums Feldreben in Muttenz bis Herbst 2020 ist das aber auch nicht nötig. Rossi sagt dennoch: «Wir wollen in den nächsten sechs Monaten alles unter Dach und Fach bringen.»