Unverhofft kommt Basel zum Handkuss. Denn normalerweise führt das traditionelle Ständeratsreisli in den Heimatkanton des Ratspräsidenten. Normalerweise. Aber nicht in diesem Jahr: «Ich habe Basel gewählt, weil mich die Entwicklung der Stadt und insbesondere städtebauliche Fragen interessieren», bestätigt die St. Galler Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter Recherchen der bz.

Das Reiseziel hat aber auch geografische Gründe. Denn im Gegensatz zu St. Gallen ist Basel von Bern aus mit dem öV in nur einer Stunde erreichbar. Gleichzeitig aber hätten die zwei Städte auch einige Gemeinsamkeiten – beide seien exportstark und lägen in einer Grenzregion. Und: «Für viele Parlamentarier sind beide Regionen oft unbekannt», begründet die Freisinnige, die bereits als Nachfolgerin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann gehandelt wird, der soeben seinen Rücktritt angekündigt hat.

Doch nicht nur der Ständerat wird Basel beehren. In diesem Jahr findet auch die alljährliche Botschafter- und Aussennetzkonferenz im Stadtkanton statt. Für vier Tage werden im August rund 300 offizielle Vertreter der Schweiz ins Kongresszentrum strömen, sagt Tilman Renz vom Aussendepartement. Neben Botschaftern aus aller Welt sind das Generalkonsule oder Vertreter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA. In den vergangenen Jahren trat zudem jeweils der Aussenminister eines europäischen Staates als Gastredner auf. Für dieses Jahr steht das Programm allerdings noch nicht.

Nebenbei: Die Tradition der Botschafter- und Aussennetzkonferenz geht auf das Jahr 1887 zurück. Der damalige Bundespräsident Numa Droz hatte das Treffen mit den Chefs der damals fünf Missionen angeregt: Paris, Wien, Rom, Berlin und Washington.

«Ausgezeichnete Plattform»

«Ich freue mich sehr, dass Basel in diesem Jahr viel Besuch aus Bern und damit eine ausgezeichnete Plattform erhält», kommentiert Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Und Sabine Horvath kündigt an, dass noch weitere Anlässe bevorstehen. Welche, verrät die Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing aber noch nicht. Für sie habe das allerdings nichts damit zu tun, dass Bundesbern Basel neu entdeckt habe. «Vielleicht aber tritt Basel heute etwas selbstbewusster und lauter auf.»

Natürlich wolle der Kanton die Gelegenheit nutzen und den Gästen aus der ganzen Schweiz die Qualitäten und Herausforderungen der Region konkret vor Augen führen, betont Ackermann. Im stetigen Verteilkampf um Bundesgelder könnte sich das dereinst in barer Münze auszahlen.

So sollte jede Möglichkeit genutzt werden, «um unsere Anliegen verständlich und mehrheitsfähig zu machen», sagt Horvath. Und Ackermann ergänzt: «Wichtig ist die stetige Sensibilisierung dafür, was Basel als schweizweit wachstumsstärkste Region für das Land leistet und wo wir die Unterstützung aus Bern benötigen, um auch in Zukunft unseren Anteil am Wohlstand des ganzen Landes beitragen zu können.»