Nur dank Aufnahmen einer Videokamera waren die Ermittler dem 35-jährigenTürken auf die Schliche gekommen. Sein letztes Opfer hatte sich nämlich nach der Tat im Mai 2011 daran erinnert, dass es ihn schon vor der Tat in einem Tram gesehen hatte. Die junge Frau war um fünf Uhr morgens sexuell attackiert worden. Zwei Wochen später veröffentlichte die Staatsanwaltschaft Videobilder aus dem Tram. Der Arbeitgeber des Türken erkannte ihn wieder und meldete sich.

Der Mann wurde festgenommen und es stellte sich heraus, dass seine DNA mit drei bis dahin noch ungeklärten Fällen aus den Jahren 2007, 2008 und 2010 überein stimmt. Bei allen waren junge Frauen im Alter von 17 bis 22 Jahren - zwei minderjährig - nachts von einem Mann nach ähnlichem Muster sexuell angegriffen worden. Er hatte sie erst von hinten brutal angerempelt, so dass sie zu Boden fielen. Dann zerrte er sie in ein Gebüsch. Alle wurden sexuell belästigt, aber nicht vergewaltigt.

Der Täter stritt die Vorwürfe zunächst ab, dann legte er ein Teilgeständnis ab, das er vor dem Strafgericht zurücknahm. Dieses bewertete seine Aussagen als unglaubwürdig und stützte sich auf die Aussagen der Opfer. Bei diesen handelte es sich um junge Frauen. Sie gaben an, dass sie nachts oder am frühen Morgen von hinten angefallen wurden. Der Täter wollte sie zu Sex zwingen. Er liess nicht von ihnen ab, auch wenn sie um Hilfe schrien. Er flüchtete erst, als Drittpersonen eingriffen. Die Opfer waren zwischen 17 und 22 Jahre alt.

Das Gericht sprach den 35-Jährigen der mehrfachen sexuellen Nötigung schuldig. In zwei Fällen sah das Gericht lediglich einen Versuch. Er erhielt 30 Monate Freiheitsstrafe, davon 12 Monate unbedingt. Die restlichen 18 Monate sprach das Gericht bedingt aus, verbunden mit der Weisung, sich einer ambulanten Psychotherapie zu unterziehen. Die Probezeit betrug vier Jahre.

Seit Mitte 2011 sass der Verurteilte in Haft. Das Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt ordnete im März 2012 seine Wegweisung aus der Schweiz an. Dagegen legte er eine Beschwerde ein und ging bis vors Bundesgericht. Dieses hat seine Beschwerde nun abgelehnt. In seiner Begründung hält es zwar fest, dass die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich seit längerer Zeit in der Schweiz aufhält «nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden» soll. Doch das sei bei wiederholter beziehungsweise schweren Delikten selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Täter in der Schweiz geboren und sein ganzes Leben hier verbracht hat.

Gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten bestehe eine erhebliche Gefahr, so das Bundesgericht weiter, dass der Verurteilte wieder gleiche Straftaten verübe. Die Bestätigung eines Psychiaters, er werde keine solchen Übergriffe mehr ausüben, sei mit Vorsicht zu bewerten. Bei seinen Taten handle es sich um schwere Vergehen. Es bestehe ein erhebliches öffentliches Interesse daran, ihn aus der Schweiz zu entfernen.

Zudem sei der Türke trotz seiner langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz - er wuchs in der Türkei auf und kam als 18-Jähriger in die Schweiz - sprachlich nicht gut integriert sei und über seine Familie hinaus keine weitergehenden sozialen Kontakte in der Schweiz habe. Auch sei eine «berufliche und soziale Integration» in der Türkei möglich und zumutbar.

Seine Ehefrau und seine Töchter sind vom Urteil des Bundesgerichts nicht direkt betroffen. Sie müssen also nicht ausreisen. Die Ehefrau sei mit gut 17 Jahren in die Schweiz eingereist und lebe seit 15 Jahren hier, sei aber der deutschen Sprache nicht mächtig. Das aber ist kein Grund, als dass ihr Mann deshalb hierbleiben dürfte. Für die Ehefrau sei eine Rückkehr mit ihrem Mann zumutbar, argumentiert das Bundesgericht.

Bei den beiden älteren Töchtern - sie sind nicht mehr in einem anpassungsfähigen Alter - liege zwar ein gewichtiges Interesse für einen Verbleib des Beschwerdeführers vor. Das Bundesgericht vergleicht dann aber die Situation der Kinder mit jenem von Auswanderern. Falls sie mit dem Vater in die Türkei zurückreisen würden, befänden sie sich in einer vergleichbaren Situation wie viele andere Kinder, die mit ihren Eltern in ein anderes Land auswandern. Falls sie in der Schweiz bleiben würden, könnte der Kontakt zum Vater durch Ferienaufenthalte aufrechterhalten werden.