Wahlen Basel-Stadt
Bürgerliches Viererticket war kein #Uffbruch sondern ein #Schiffbruch

Die bürgerliche Zusammenarbeit ist gescheitert – Baschi Dürr und Lorenz Nägelin enttäuschen bei den Wahlen.

Benjamin Rosch
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Begonnen hatte alles mit einem Sprung in den Rhein. Unter «#Uffbruch» wollten die bürgerlichen Vier den Umschwung in der Regierung herbeitwittern.

Begonnen hatte alles mit einem Sprung in den Rhein. Unter «#Uffbruch» wollten die bürgerlichen Vier den Umschwung in der Regierung herbeitwittern.

Kenneth Nars

War es Voraussicht? Oder nur die Vorbereitung auf den geplanten grossen Auftritt? Fest steht: Als Staatsschreiberin Barbara Schüpbach punkt 12 Uhr die Resultate der brieflich Stimmenden verkündete, glänzten die vier bürgerlichen Regierungskandidaten mit Abwesenheit. An einem geheimen Ort trafen sich Baschi Dürr (FDP), Conradin Cramer (LDP), Lukas Engelberger (CVP) und Lorenz Nägelin (SVP) und harrten der Resultate. Während sich Cramer und Engelberger über ihre guten Ergebnisse freuen durften, war schnell klar: Baschi Dürr und Lorenz Nägelin gehören zu den grossen Verlierern des Wahlsonntags. Erst zur Verkündung der Schlussresultate trudelten die bürgerlichen Vier ein.

Ein enttäuschter Justizdirektor

Dass Dürr in den letzten, unglaublich entscheidenden Tagen noch so viele Wähleranteile verlieren würde, darf als Überraschung bezeichnet werden. Mit 21 090 Stimmen verpasste Dürr das Absolute Mehr um über 2300 Stimmen. Gar der viel gescholtene Hans-Peter Wessels erklomm noch einen Rang vor ihm. Im Rennen um das einst sicher geglaubte Regierungspräsidium hinkt der Sicherheitsdirektor der neu gewählten Elisabeth Ackermann (Grüne) mit gegen 3500 Stimmen hinterher. Es ist die Quittung für die negativen Schlagzeilen, die den Freisinnigen im schwierigen Sicherheitsdepartement begleiteten – und sich in den vergangenen Tagen noch gehäuft hatten.

«Klar hätte es besser laufen können», sagte ein sichtlich enttäuschter Dürr im Wahlforum. Die Gründe macht er zum einen am Amt selbst fest: «Es ist wohl nicht ganz zufällig, dass der Sicherheits- und der Baudirektor in den zweiten Wahlgang müssen.» Allerdings sei es auch «billig», nur dies als Grund anzuführen, sagte Dürr, und gestand auch Fehler ein. Für den zweiten Wahlgang zeigt er sich zuversichtlich: «Ich habe für mich die Möglichkeit nie ausgeschlossen, dass ich die Wiederwahl im ersten Anlauf nicht schaffe, entsprechend bin ich auf die Fortführung des Wahlkampfs vorbereitet.»

Nägelin: Schuld sind die Medien

Nägelin hatte sich in Umfragen noch in Schlagdistanz zu Elisabeth Ackermann befunden. Die Grüne liess den SVPKandidaten deutlich hinter sich. Rang neun nur für den Kandidaten der zweitgrössten Partei. Dass Nägelin, mitgetragen von allen grossen Parteien von rechts bis Mitte gar hinter der Ultralinken Heidi Mück (Basta) landen könnte – damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Genau dies traf aber ein. Nägelin macht unter anderem die Medien verantwortlich: Die Wahlumfrage der bz und der «Tageswoche» habe das linke Lager zusätzlich mobilisiert. «Dazu hat eine NegativKampagne gegen die Bürgerlichen stattgefunden.» Als weiteren Grund führt Lorenz Nägelin an, dass die Zusammenarbeit der vier Parteien von Mitte bis rechts noch sehr neu sei: «Das muss sich erst noch einspielen.»

17 269 Stimmen holte Nägelin. Das sind rund 4000 weniger als Dürr erreichte. Dies zeigt: Der bürgerliche Schulterschluss ist im ersten Anlauf hinter den Erwartungen zurückgeblieben. CVP, LDP und FDP haben es nicht geschafft, ihre Basis vollständig von der Wählbarkeit eines SVP-Kandidaten zu überzeugen. Wahlkampfleiter Joël Thüring sieht dies anders: «Das Viererticket hat funktioniert. Nägelin hat deutlich besser abgeschnitten als die vorgängigen SVPKandidaten.» Im zweiten Wahlgang sei alles noch offen.

Sportlich zeigten sich indes die Wirtschaftsverbände, die den Gewählten in einer Mitteilung zur Wahl gratuliert – auch wenn sie ihre Enttäuschung über das schlechte Abschneiden von Dürr und Nägelin nicht zu verbergen vermochten. Insbesondere der Basler Gewerbeverband hatte kräftig die Werbetrommel für das Viererticket gerührt.