Zoe Scarlett, worüber plaudern wir?

Über Fans.

Sie gehören seit mehr als einem Jahrzehnt zu den erfolgreichsten Burlesque-Tänzerinnen und Pin-Up-Models weltweit. In dieser Zeit hat sich sicher eine anständige Fanbase entwickelt.

Oh ja! Es gibt zwar keinen offiziellen Fanclub, aber insbesondere auf Social Media doch die eine oder andere Gruppe.

Gibt es Fans, die jeden Ihrer Auftritte besuchen?

Das ist gar nicht möglich, da ich international unterwegs bin. Aber wenn ich in Basel auftrete, ist stets dieselbe Gruppe mit dabei. Die sind mittlerweile auch untereinander befreundet, echt herzig.

Wer ist Ihr grösster Fan?

Das will ich nicht werten. Es gibt solche, die extrem sind, auf positive Art. Einer hat sich mein Konterfei auf den Oberschenkel tätowiert. Und als ich in Montreal, Kanada, aufgetreten bin, hat mir ein Fan erzählt, dass er eine 12-stündige Autofahrt auf sich genommen habe, um mich zu sehen.

Ist man da nicht peinlich berührt?

Nein, gerührt. Eine Frau hatte an einer Show in Deutschland einen Heulkrampf, als ich den Zuschauern die Hand schüttelte. Sie konnte es nicht fassen, dass sie mir plötzlich so nah war. Das sind ganz besondere Momente. Und diese Zeit nehme ich mir gerne mit den Fans. Auch, wenn ich auf der Strasse angesprochen werde.

Hatten Sie auch schon mal einen Fan, der es mit der Bewunderung übertrieben hat? Der Sie gestalkt hat?

Es gab vor ein paar Jahren einer, der legte mir jeden Tag ein Präsent vor die Haustüre. Das war spooky. Als ich ihn antraf, habe ich mich bedankt, aber gesagt, dass ich das nicht möchte. Dann hat das aufgehört. Ich denke, solche Episoden gehören zum Berühmtsein dazu.

Zoe Scarlett plaudert aus unserem Nähkästchen.

Zoe Scarlett plaudert aus unserem Nähkästchen.

Sie treten im 30er- bis 50er-Jahre-Stil auf, sind ein Fan dieser Zeit. Was gefällt Ihnen an diesem Stil?

Die Lebenseinstellung von damals sagt mir sehr zu – da war alles möglich. Mein Motto ist: es gibt immer einen Weg, ein Nein akzeptiere ich nicht. Auch der Kleiderstil ist toll, sehr feminin, auch elegant. Ich könnte niemals mit Rüeblihosen rumlaufen. Und mir gefällt es, mich zurechtzumachen.

Wie lange dauert das jeweils morgens?

Eine halbe Stunde, nicht länger.

Mit Schminken und allem?

Ja. Übung macht den Meister. Gerade, was den perfekten Lidstrich anbelangt. Wenn man das jahrelang übt, hat man irgendwann den Bogen raus. Ich bin übrigens auch nicht eitel; in meiner Wohnung finden sich nur sehr wenige Spiegel.

Treiben Sie Sport?

Eher unregelmässig, weil es meine Agenda nicht anders erlaubt. Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins Fitnesstraining.

Achten Sie auf Ihre Ernährung?

Nur beschränkt. Ich esse gerne gut und gesunde Sachen, aber nicht, weil ich muss. Man kann mir mit einem Gemüseteller eine Riesenfreude machen. Aber auch mit einer Pizza. Ich bin ein Pizzamonster! Und ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut. Das ist gut für die Ausstrahlung.

Keinen einzigen Komplex?

Doch! Meine Füsse, also meine Zehen, die sind hässlich. Wenn ich die operieren könnte, würde ich das sofort machen.

Für Sie kämen Schönheitsoperationen also infrage.

Ja. Ich mache auch kein Geheimnis draus, dass ich mir mit 18 die Brüste hab machen lassen. Ich war ziemlich flach und fand, zu einer richtigen Frau gehören schöne Brüste. Und falls ich mit 60 in den Spiegel schaue und nicht happy bin, dann würde ich etwas machen lassen. Heute haben wir die Möglichkeiten.

In den 1950er-Jahren war das nicht möglich. Gibt es eigentlich auch Dinge aus der Zeit, die Sie nicht goutieren?

Ich sehe nicht ein, wieso ich Hausfrau sein soll und warten, bis mein Mann nach Hause kommt... Ich ertrage Menschen nicht, die mich von oben herab behandeln. Ich würde das niemals tun, mich als etwas Besseres fühlen. In einer Theatergruppe etwa kann ich mich gut unterordnen. Ich bilde mir nichts auf meinen Erfolg ein.

Gibt es einen Mann in Ihrem Leben?

Ja klar, meinen Vater, meinen Bruder...

...okay, anders gefragt: Sind Sie in einer Beziehung?

Nein.

Ihnen fehlt wohl die Zeit.

Ich denke, wenn der Mister Right kommt, nimmt man sich die Zeit. Es ist eine Frage des Willens.

Über Ihr Privatleben weiss man eigentlich nicht viel.

Das ist kein Zufall. Meine Familie ist mein Rückzugsort, da kann ich einfach mal sein, werde nicht an anderen gemessen, beurteilt oder gar verurteilt. Mein Königreich.

Gibt es Zoe Scarlett im Gammellook?

Ja, ich gammle gerne rum, das hat dann aber trotzdem Stil (lacht). Es kommt auch vor, dass ich in Jeans, Turnschuhen und ungeschminkt aus dem Haus gehe, etwa, wenn ich ins Fitness gehe. Da macht es keinen Sinn, die Stöckelschuhe zu montieren.

Am 7. und 8. Dezember werden Sie sich sicher herausputzen: Dann treten Sie mit anderen Künstlern anlässlich Ihrer Burlesque Christmas Show im Häbse Theater auf. Können Sie uns ein Zückerchen zum Programm geben?

Es wird vielfältig, mit Akrobatik, Gesang, mit witzigen, speziellen Dingen. Und ich werde eine alte Nummer auf die Bühne bringen, die Glas-Show im überdimensionalen Whisky-Tumbler.

Wird da echter Whisky drin sein?

Vielleicht... Sie können es ja probieren kommen (lacht).

Burlesque ist die Kunst, sexy zu sein. Verraten Sie uns dazu einen Trick?

Ich denke, es fängt alles mit einem Lächeln an. Seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu haben. Das macht schon viel aus.

Hatten Sie selber auch ein Vorbild?

Nein. In der Zeit, als ich Burlesque entdeckt habe, etwa vor 15 Jahren. war das eine sehr kleine Szene. Ich habe mir vieles mit dem Lesen von Büchern beigebracht. Aber der Sex Appeal von Marilyn Monroe oder Marlene Dietrich hat mich immer schon sehr fasziniert.

Waren Sie niemals Fan eines Schauspielers, einer Sängerin oder so?

Hardcore-mässig nie. Aber es gab diesen Fan-Moment mit Herzklopfen, als ich an einer Gala mit Barbara Eden und Larry Hagman am Tisch sass, den Darstellern von «Bezaubernde Jeannie». Das war als Kind meine Sendung, ich habe meinen ganzen Mut zusammen genommen und die beiden gefragt, ob ich ein Selfie machen dürfte. Das war der Hammer!