Der Tag der Entscheidung bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) steht unmittelbar bevor. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» befindet sich die Untersuchung der Finanzkontrolle zu den Vorwürfen der Vetternwirtschaft an der Spitze der BVB in der Endphase, die Fakten liegen auf dem Tisch.

Die Finanzkontrolle sei mit ihren Prüfungsaufgaben «im Zeitplan», bestätigt Leiter Daniel Dubois. In wenigen Tagen also wird klar sein, ob die Regierung am umstrittenen Verwaltungsratspräsidenten Martin Gudenrath festhält oder ihn durch den bisherigen Verwaltungsrat Paul Blumenthal ersetzt. BVB-interne Wetten liegen bei 50:50. Die Frage ist nur noch, wann genau der verantwortliche Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) den Entscheid kommuniziert.

Unterdessen wird die Situation für Gudenrath und dessen Direktor, den Zürcher Jürg Baumgartner, immer ungemütlicher. Ihr Verbündeter, die Gewerkschaft VPOD (Verband des Personals öffentlicher Dienste), geht geschwächt aus den Personalwahlen hervor.

Nach einem erbitterten Kampf der drei Arbeitnehmerverbände VPOD, Feme (Für Euch, mit Euch) und PSVB (Personalverband städtische Verkehrsbetriebe) verlor der VPOD nicht nur den Sitz des Personalvertreters im achtköpfigen Verwaltungsrat. Mario Weissenberger, seit 17 Jahren im Amt, wurde durch Feme-Präsident Urs Meienhofer ersetzt. Das Resultat ist eine Ohrfeige für den VPOD. Aus dem offiziellen Wahlprotokoll, das der «Schweiz am Sonntag» vorliegt, geht hervor, dass Meienhofer Weissenberger um über 100 Stimmen distanzierte.

Gudenrath und der VPOD hatten Glück, dass sich die Medien bisher kaum für die Wahl interessierten. Denn gemäss Recherchen fiel die «Schlappe» («Onlinereports») für die Gewerkschaft noch heftiger aus. Auch bei der Wahl in die Personalkommission musste der VPOD das Feld Feme überlassen. Feme gewann vier der acht Sitze, der VPOD zwei. Ein Sitz ging an einen Unabhängigen. Feme kann sogar die absolute Mehrheit in der Kommission erreichen. Im Wahlkreis «Verwaltung und Markt» hat im ersten Wahlgang kein Kandidat das absolute Mehr erzielt. Roger Burkhard (VPOD, bisher) und Richard Lütolf (Feme) trennen nur 13 Stimmen.

Mit der Gruppierung Feme, die es erst seit rund drei Jahren gibt und die national bei den Angestellten Schweiz organisiert ist, muss sich künftig vor allem Direktor Baumgartner arrangieren. Dieser steht vor einer grossen Herausforderung. Feme hat nicht mit Kritik an der BVB-Spitze gespart und sich das Image eines unbequemen und zu Alarmismus neigenden Verbands erarbeitet.

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» gibt sich der neue BVB-Verwaltungsrat Meienhofer nun betont zurückhaltend. Auf die Frage, ob Gudenrath im Amt bleiben solle, meint er, das müsse dieser «selber wissen». Meienhofer sagt, er wolle vor allem die «Anliegen des Personals» einbringen. «Die BVB befinden sich im Wandel. Dabei muss man auch an das Personal denken.» Was die Zusammenarbeit mit der BVB-Spitze anbelangt, schlägt er versöhnliche Töne an. Bei aller Kritik habe sich Feme stets bemüht, sachlich zu bleiben und korrekt zu informieren, sagt er. «Wir haben keine Internas ausgeplaudert.» Er appelliert aber auch an die BVB-Spitze: «Das Wahlresultat ist ein Zeichen, dass die Mitarbeiter eine Veränderung wünschen.»

Dem VPOD wirft Meienhofer eine «gewisse Sättigung» vor. Der VPOD hat laut Beobachtern aber auch einen taktischen Fehler begangen. Indem sich die Gewerkschaft explizit hinter den umstrittenen Gudenrath stellte, wurde die Wahl zum Plebiszit über den BVB-Präsidenten hochstilisiert. Würde Wessels das Votum der Mitarbeiter ernst nehmen, bliebe ihm gar nichts anders übrig, als Gudenrath zu ersetzen.

Seit dieser Woche steht Wessels unter zusätzlichem Druck. Er muss eine Fusion der BVB mit der BLT prüfen. Der Grosse Rat hat am Mittwoch einen Anzug von SP-Fraktionschef Stephan Luethi gutgeheissen. Auch dies eine Niederlage für den VPOD, der den Vorstoss im Vorfeld als «Unsinn» abgetan hatte. Feme-Präsident Meienhofer zeigt sich hier offener. Er sei einer Zusammenlegung von BVB und BLT «persönlich nicht abgeneigt», sagt er. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre eine solche Lösung vernünftig. «Es gilt dabei aber auch zu bedenken, dass BVB und BLT zwei total unterschiedliche Konstrukte mit zwei total unterschiedlichen Kulturen sind.»