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BVB-Busregime in der Kritik: «Eine Ohrfeige für alle Gehbehinderten»

Trotz dem Stock wird Wydler nicht als gehbehindert erkannt.

Trotz dem Stock wird Wydler nicht als gehbehindert erkannt.

Jahrelang sass Christoph Wydler selbst im BVB-Verwaltungsrat, nun ist er auf einen Gehstock angewiesen und enttäuscht von der Leitung.

Wenn Christoph Wydler morgens von zu Hause zur Therapie ins Felix Platter Spital fährt, überlegt er sich neuerdings genau, wo er in den Bus einsteigt. Seit einem Hirnschlag im Juli dieses Jahres ist der ehemalige EVP-Grossrat und BVB-Verwaltungsrat nämlich auf einen Gehstock angewiesen. «Ich nehme immer die mittlere Tür und versuche dann möglichst schnell zu einem Sitzplatz zu kommen, bevor der Bus losfährt», sagt Wydler.

Das gelänge ihm allerdings nicht immer, denn häufig würden die Chauffeure den Bus an der Haltestelle nicht absenken. Dadurch sei das Einsteigen für ihn mühsamer und dauere viel länger. Ausserdem seien die für gehbehinderte Menschen reservierten Plätze im Viererabteil zu weit weg von den Türen. Die Einzelsitze und der Zweier-Sitz direkt neben der Tür würden sich für gehbehinderte viel besser eignen.

Christoph Wydler

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Christoph Wydler

Die Zeit beim Aussteigen ist oft zu knapp

Ins Felix Platter Spital fährt Wydler dreimal in der Woche, um wieder ruhiger und gleichmässiger laufen zu lernen. Auch seinen rechten Arm kann er momentan nicht richtig verwenden. Er trägt ihn in einer Schlinge. Bis jetzt konnten die Ärzte noch nicht konkret feststellen, was der Grund für die Lähmung in seinem Arm ist. Wenn Wydler mit dem 36er Bus an der Haltestelle ankommt, steht er erst auf, sobald der Bus gehalten hat. Erst dann kann er sich sicher im Bus fortbewegen. Nun muss er sich beeilen, um rechtzeitig zur Tür zu kommen, bevor diese wieder schliesst. «Kürzlich musste ich meinen Gehstock im letzten Moment zwischen die Türen halten, damit sie nicht wieder schliessen, bevor ich draussen bin», erzählt er.

Sein Gehstock ist eigentlich ein alter Skistock, er ist rot, gut sichtbar. Trotzdem würden die meisten Chauffeure nicht erkennen, dass er gehbehindert ist. Zumindest würden sie nicht dementsprechend reagieren. Wydler bringt das in Situationen, in denen er sich unsicher fühlt, Situationen, die er bis vor ein paar Monaten, als er noch gesund war und gut gehen konnte, nicht kannte. Dennoch möchte Wydler nicht die einzelnen Buschauffeure anprangern. Das betont er immer wieder. Die Verantwortung sieht er hingegen bei leitenden Personen. «Ich möchte nicht das Personal ins Visier nehmen. Von ihm darf man keine Bemühungen erwarten in einer Sache, die der Chefetage offensichtlich egal ist.»

In der Leitung der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) war Wydler jahrelang selbst unter den Entscheidungsträgern. Von 1992 bis 2005 war er im Verwaltungsrat, später im Ausschuss und zuletzt als dessen Präsident tätig. Damals, als er es in der Hand gehabt hätte, stand die Barrierefreiheit für Wydler aber keineswegs im Fokus. «Ich kann mich nicht erinnern, dass das jemals ein Thema gewesen wäre», sagt er heute.

Gehbehinderte verhindern schnellen Fahrgastwechsel

Als die ersten Niederflurtrams eingeführt wurden, habe man freudig festgestellt, dass sich der Fahrgastwechsel so beschleunigen lässt, erzählt Wydler. Allerdings sei auch aufgefallen, dass durch den neuen ebenerdigen Einstieg vermehrt ältere und gehbehinderte Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzten. Eine Personengruppe, die aus mangelnder Barrierefreiheit zuvor häufig auf den ÖV verzichtet hatte. Dieser Faktor wurde als eher negatives Gegengewicht zu dem beschleunigten Fahrgastwechsel gewertet. Einige der Verwaltungsratsmitglieder seien der Meinung gewesen, ältere und gehbehinderte Personen sollten vorrangig die Tixi Taxis, ein Behindertentransportdienst, benutzen anstatt den öffentlichen Verkehr.

Auch die Einführung der ausklappbaren Rampen für Rollstuhlfahrer, sei im Verwaltungsrat kritisch besprochen worden. Da Wydler heute, da ihn diese alltäglichen Probleme tangieren, weder im Verwaltungsrat noch im Grossen Rat sitzt, wendete er sich mit seinen Beschwerden per E-Mail an BVB-Direktor Bruno Stehrenberger. Darin spricht er das seltene Absenken der Busse und die neuen hohen Haltekanten an, die ihn häufig zu mühsamen Umwegen zwingen, und fordert: «Pragmatische Lösungen im Interesse der Gehbehinderten sollten für jede Haltestelle gesucht werden».

Die Antwort erhält Wydler von der Sachbearbeiterin der BVB. Die Anweisung die Busse an allen Haltestellen abzusenken, seien intern bereits diskutiert worden. Aus Verhältnismässigkeitsgründen sei davon allerdings abgesehen worden, da das «dauernde Absenken auch Nachteile mit sich bringt, erhöhter Energieverbrauch und Zeitbedarf für das Abheben auf Fahrniveau». Die Buschauffeure seien angehalten, das Absenken bei Bedarf oder im Falle von sehr niedriger Bordstein-Haltestellenkante vorzunehmen.

Für Wydler sind diese Antworten keineswegs zufriedenstellend. Das Auf- und Absenken der Busse würde ungefähr gleich lange dauern, wie das verzögerte Einsteigen, wenn der Bus nicht abgesenkt ist, gibt er zu bedenken. Ausserdem solle seiner Meinung nach der Energiebedarf «den Behinderten eher nicht entgegengehalten werden». Diese Aussage empfindet er als «Ohrfeige für alle Gehbehinderten», so Wydler.

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