Am Ende ging es ganz schnell. Am Dienstagnachmittag fand bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) eine Krisensitzung statt. Thema: Die Gleise am Bankverein. Nach der Sitzung war klar: Das Ganze duldet keinen Aufschub mehr. Bereits Mittwoch Abend wurde die Kreuzung für sämtliche Trams gesperrt. Seither werden die maroden Gleise im Schichtbetrieb verstärkt. So sollen sie bis zu den Herbstferien durchhalten, wenn sie wie geplant ausgetauscht werden.

Der Entscheid der BVB kam so kurzfristig, dass eine vernünftige Information der Fahrgäste kaum möglich war. Selbst der Partnerbetrieb Baselland Transport AG erfuhr erst am Mittwochmorgen, dass wenige Stunden später ihre Trams umgeleitet werden müssen. Dabei sind die akuten Gleis-Probleme am Bankverein seit mehreren Wochen bekannt.

Eine Kombination aus drei Faktoren habe die Situation verschärft, so die Version der BVB. Der schlechte Zustand der alten Tramgleise, der Untergrund, der sich als weniger tragfähig erwies als erwartet und die Bauarbeiten rund um den Bankverein. Unter dem St. Alban-Graben wird zurzeit das Kunstmuseum-Parking erstellt. Ausserdem schliessen die IWB am Bankverein die UBS ans Fernwärmenetz an.

Zu Punkt 1: Dass die Gleise am Bankverein in einem sehr schlechten Zustand sind, ist seit längerem bekannt. Bereits vor zwei Jahren erwähnten die BVB in ihrem Netzzustandsbericht die Probleme am Bankverein und schrieben von einer hohen Dringlichkeit. Gleichzeitig wurden ebendiese Netzzustandsberichte immer wieder als beschönigend kritisiert. Möglich, dass die BVB hier zu optimistisch waren.

An antike Vasen wurde gedacht

Auch der von den BVB angebrachte Zusammenhang mit den laufenden Baustellen wirft Fragen auf. Denn während die BVB offenbar von den Auswirkungen der Baustellen völlig überrascht wurden, waren diese im Vorfeld der Arbeiten bei den Involvierten ein Thema.

So enthält die Baubewilligung für das Parking rund ein Dutzend Auflagen zum «Schutz» des Antiken- und des Kunstmuseums, etwa durch einen Stromausfall oder bei Erschütterungen. Auch die angrenzenden Banken UBS und CS haben entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Dass dabei Auswirkungen auf die Gleise offenbar gar nicht in Betracht gezogen wurden, ist schwer nachvollziehbar.

Zudem: Sowohl Implenia als verantwortliches Unternehmen beim Parking wie auch die IWB sehen keinen Zusammenhang zwischen ihren Bauarbeiten und den Problemen der BVB. Dabei berufen sich die Unternehmen auf Messungen, die sie vorgenommen haben.

Wiedergutmachung gefordert

Auch politisch sorgt der neuste Vorfall für Unverständnis und Missmut. «Von Seiten BVB hören wir regelmässig, dass man das Schienennetz im Griff habe und dann kommt die nächste Hiobsbotschaft», sagt Raphael Fuhrer, Präsident der Kommission für Umwelt, Verkehr und Energie. «Wenn man so überrascht wird, fehlen offenbar wichtige Grundlagen.» Die BVB würden nicht vorausblickend handeln, sondern den Problemen hinterherrennen, so der Grünen-Grossrat. «Das ist umständlich, teuer und vergrault die öV-Kunden.»

Auch SVP-Parlamentarier Joël Thüring findet, dass die BVB nun handeln müssen. Nach Bekanntwerden des neusten Vorfalls hat er einen Vorstoss formuliert. Die Regierung als Eigner der BVB soll prüfen, in welcher Form diese den öV-Kunden etwas zurückgeben können, etwa in Form von Gutscheinen oder einem Rabatt auf das U-Abo.