Sparprogramm

BVB-Direktor: «Es gibt keine Entlassungen»

BVB-Direktor Erich Lagler will beim Unternehmen massiv sparen und den Service trotzdem ausbauen.

BVB-Direktor Erich Lagler will beim Unternehmen massiv sparen und den Service trotzdem ausbauen.

Der Margarethenstich sei nicht der Grund für das Sparprogramm der BVB, sagt Direktor Erich Lagler im Interview zu den Sparplänen des Unternehmens.

Herr Lagler, wie steht die BVB finanziell da?

Erich Lagler: Gut. Wir werden einen Jahresabschluss mit einer schwarzen Null erreichen.

Das bedeutet auch, Sie konnten im vergangenen Jahr die Million einsparen, welche Ihnen die Basler Regierung vorgeschrieben hat?

Ja, wir konnten eine Effizienzsteigerung im Rahmen von einer Million Franken realisieren. Allerdings weisen wir im kommenden Budget momentan einen Verlust von rund vier Millionen Franken aus. Das wird der Verwaltungsrat nicht akzeptieren.

Wie kommt dieses Minus zustande?

Einerseits haben wir höhere Abschreibungen. Das sind Investitionen in Trams und Busse sowie in die Infrastruktur. Andererseits macht schon allein der Lohnstufenanstieg 1,2 Millionen Franken aus. Da die Mehreinnahmen aus Tariferhöhungen dem Kanton zugutekommen, kann die BVB auch davon nicht profitieren.

Ein Gewerkschafter gab letzte Woche Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels die Schuld an den finanziellen Problemen der BVB. Er habe beim Margarethenstich schlecht verhandelt. Wie sehen Sie das?

Das ist haltlos. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die BVB steht voll hinter dem Projekt und dem vorgesehenen Betriebskonzept. Hier ziehen BVB, das Bau- und Verkehrsdepartement und BLT am gleichen Strick. Und: Das Effizienzsteigerungsprogramm mussten wir auf jeden Fall starten, ob mit oder ohne Margarethenstich.

Wie gehen Sie mit dem Minus um?

Unter anderem um diesen Effekten entgegenzuwirken haben wir Ende 2015 das Effizienzsteigerungsprogramm ins Leben gerufen. Aber wir müssen auch mit dem Kanton diskutieren, wie wir mit dem Minus umgehen.

Sie wollen die Vorgabe der Regierung, in den nächsten Jahren jeweils eine Million zusätzlich einzusparen, noch übertreffen. Ihr Ziel: Bis 2020 Einsparungen von 20 Prozent, was 20 Millionen Franken entspricht. Ist das noch realistisch?

Sehr realistisch. Wir machen aber nicht einfach einen Kostenschnitt und streichen einen Fünftel, sondern wir analysieren die Prozesse im Unternehmen und schauen, was wir optimieren können. So etwas braucht Zeit.

Bis jetzt sieht man von den 20 Prozent noch nicht viel. Faktisch sind Sie momentan auf dem Spar-Level, das Ihnen die Regierung vorgibt.

Sie können sich vorstellen, dass so etwas Zeit braucht. Wir machen nicht einfach Sparvorgaben von oben, sondern erarbeiten die Einsparungen in vielen Workshops zusammen mit den Mitarbeitenden. Das Ziel ist, dass der Prozess für den Mitarbeitenden einfacher, sicherer und qualitativ besser wird. Ein Beispiel ist die kürzlich erfolgte Gleiserneuerung in der Klybeckstrasse. Wenn wir das nach dem alten System bei laufendem Betrieb und Verkehr gemacht hätten, hätte dies 35 Wochen statt nur zwölf Wochen gedauert. Auch die Sicherheit war durch die Sperrung deutlich höher. Und unter dem Strich kostete das Ganze 20 Prozent weniger.

Trotzdem: 20 Prozent alleine über Prozessoptimierungen einzusparen, scheint sehr viel. Wenn ich 20 Prozent abnehmen will, reicht es auch nicht, auf das Nutella-Brot am Morgen zu verzichten.

Ein gutes Beispiel: Wenn Sie so viel abnehmen wollen, geht das auch nicht in kurzer Zeit. Es braucht Zeit und verschiedene Massnahmen. Die Ernährung umstellen, mehr Bewegung.

Dann komme ich auf fünf Kilo. Um beim Bild zu bleiben: Für zwanzig Prozent braucht ein normaler Mensch ein Magenband, anders gesagt: ein drastischer Eingriff.

Wichtig ist: Wir wollen nicht einfach Geld einsparen und riskieren, dass die Qualität leidet. Zum Beispiel können wir nicht ewig mit alten Trams weiterfahren. Ein anderes Beispiel ist die Tramlinie 8. Der 8er ist notorisch verspätet. Aktuell planen wir einen zusätzlichen Kurs, um Verspätungen aufzufangen, was Mehrkosten zur Folge hat. Wir wollen aber den umgekehrten Weg gehen. Deshalb analysieren wir zur Zeit intensiv, wie wir mit vielen kleinen Massnahmen die Pünktlichkeit auch ohne teure Zusatzkurse verbessern können.

Inwiefern wird auch beim Personal gespart? Das Magazin «Bilanz» titelte letzten Freitag: «Jobs bei den BVB in Gefahr».

Es wird keine Entlassungen aus Spargründen geben. Das kann ich garantieren. Was es geben wird, sind Veränderungen in den Arbeitsinhalten. Ein altes Tram hat viel Mechanik drin. Also brauchte man Mechaniker. Die heutigen Trams sind komplexe, fahrende Systeme. Da braucht es eher einen IT-Ingenieur, um Fehler zu beheben.

Im Geschäftsbericht 2015 stand, die Sparmassnahmen würden nicht auf dem Buckel der Angestellten vollzogen. Trotzdem sollen offenbar Stellen abgebaut werden.

Auch da ein Beispiel: Früher brauchten wir sechs Personen, um die über 400 Billettautomaten zu betreuen. Sie haben in einem festen Turnus alle Automaten, egal wie voll sie waren, geleert. Heute überprüfen wir per Computer, wie voll die Münzkassetten sind und leeren nur noch die vollen Kassetten. Dadurch können wir drei Stellen einsparen. Generell klären wir in solchen Fällen: Stehen Pensionierungen an oder haben die Mitarbeitenden Potenzial, um sie intern weiterzubilden.

Pensionierungen stehen vor allem in den Bereichen Betrieb und Technik an. Genau dort ist aber immer zu hören, dass man bereits am Anschlag ist.

Bleiben wir beim Beispiel Billettautomaten: Einer der drei Mitarbeiter wurde im Verlauf von diesem Jahr pensioniert und zwei nehmen im Unternehmen neue Aufgaben wahr. Andere Mitarbeitende können wir zum Beispiel auch zum Fahrdienstpersonal umschulen. Klar ist aber: Gerade im Bereich Fahrdienst werden wir in den nächsten Jahren mehr Mitarbeiter brauchen.

Die Trämmler klagen schon länger über zu viele Schichten und zu kurze Pausen.

Auch hier arbeiten wir an Verbesserungen. Wir haben heute eine hohe Absenzquote. Diese wollen wir reduzieren. Daran arbeiten wir intensiv. Wir haben zum Beispiel rund zwei Millionen Franken in moderne Diensträume investiert.

Eine Frage ist, wie man Sparmassnahmen intern durchführt. Eine andere, was dies für die BVB-Kunden bedeutet.

Unser Ziel ist: den Service weiter ausbauen, die Qualität steigern, die Sicherheit verbessern und zusätzlich in die Nachhaltigkeit investieren. Ich bringe nochmals die Baustelle Klybeckstrasse. Unsere Bauweise unter Vollsperrung war günstiger und sicherer. Die Themen hängen zusammen. Wenn wir die Sicherheit erhöhen, haben wir weniger Ausfälle. Dem Mitarbeitenden geht es besser und das Unternehmen ist leistungsfähiger, was sich auf die Qualität und den Service für unsere Kunden positiv auswirkt.

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