Dreispitz
BVB hat kein Geld für Bahnanschluss beim neuen Werkhof

Als öV-Unternehmen wollen die BVB die Leute dazu bewegen, vom Auto aufs Tram umzusteigen. Die Schienen für die Trams werden in Zukunft aber nicht etwa mit dem Zug, sondern mit LKWs nach Basel geliefert. Ein Bahnanschluss ist den BVB zu teuer.

Moritz Kaufmann
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So soll der neue Werkhof dereinst aussehen. Vorne fährt zwar die S-Bahn durch, doch für einen Anschluss ans Areal hat es nicht gereicht.

So soll der neue Werkhof dereinst aussehen. Vorne fährt zwar die S-Bahn durch, doch für einen Anschluss ans Areal hat es nicht gereicht.

Zur Verfügung gestellt

Der Rauch hat sich vorläufig verzogen bei den BVB. Nach den vorweihnachtlichen Skandalen ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Doch obwohl das Topkader in die Wüste geschickt wurde, ist der Ärger über das damalige Management noch nicht verflogen. So erhebt Marcel Hanekop, der ehemalige technische Einkäufer bei den BVB, gegenüber der bz schwere Vorwürfe an den Verwaltungsrat.

Kein Bahnanschluss trotz Gleisen

Konkret geht es um den neuen BVB-Werkhof im Dreispitz. Seit November wird auf dem ehemaligen Frigosuisse-Areal gebaut. Bis 2015 soll der Komplex fertig sein. Kosten tut er 27,5 Millionen Franken. Doch etwas fehlt: Das Areal hat keinen Bahnanschluss für Güter. Das bedeutet, dass die tonnenschweren Tramschienen von den Produktionswerken in ganz Europa nicht mehr mit dem Zug nach Basel geliefert werden können. Dies, obwohl praktisch vor der Haustüre des neuen Werkhofs an der Münchensteinerstrasse S-Bahn-Gleise durchführen.

«Verrat an der eigenen Sache»

«Es ist ein Witz: Die BVB als öV-Unternehmen müssen sich die Schienen mit dem Lastwagen liefern lassen», sagt Hanekop. Dass dem so ist, liege in der Verantwortung des inzwischen geschassten VR-Präsidenten Martin Gudenrath. Dieser habe den Bahnanschluss abgeschmettert - mit dem Einverständnis des gesamten Verwaltungsrats. Hanekop hat eine klare Meinung: «Das ist Verrat an der eigenen Sache», sagt er dazu, dass die BVB, die selbst 65,7 Kilometer Schienen betreiben, auf LKW setzen. Er habe mehrmals darauf hingewiesen, aber keine Antwort erhalten.

Lieber 16 LKW statt 1 Zug

Die Verkehrsbetriebe räumen ein, dass es eine unschöne Situation ist: «Die BVB haben sich den Entscheid nicht leicht gemacht», sagt Mediensprecherin Dagmar Jenny. Dass man den Bahnanschluss auf dem neuen Werkhof nicht wollte, hat einen einfachen Grund: Er war den BVB zu teuer. «Ein eigener Werkgleisanschluss hätte trotz der unmittelbaren Nähe zum Bahnareal Kosten von gegen einer Million Franken zur Folge», sagt Jenny.

Für den Schienennachschub seien laut den BVB pro Jahr nur gerade ein bis zwei beladene Bahnlieferungen nötig - zu wenig, als dass sich ein Bahnanschluss rechnen würde. Die gleiche Menge Schienen liessen sich mit 15 bis 16 Lastwagen-Fahrten nach Basel transportieren.

Bahnschluss immer noch möglich

Der ehemalige BVB-Angestellte Hanekop findet zwar auch, dass der Bahnanschluss teuer geworden wäre. Er glaubt aber trotzdem: «Man hat schlecht mit den SBB verhandelt.» Aufseiten der BVB argumentiert man mit der Verantwortung: «Als öffentliche Unternehmung sind die BVB gehalten, mit ihren finanziellen Mitteln haushälterisch umzugehen.» Laut der BVB-Sprecherin ist es zudem nicht bewiesen, dass Züge einen «eindeutig verifizierbaren Umweltvorteil bezüglich CO-Bilanz» hätten.

Im Vordergrund steht aber das Geld. Immerhin: «Sollte sich an der Wirtschaftlichkeit eines Bahnanschlusses etwas ändern, so steht eine Erstellung zu einem späteren Zeitpunkt offen», sagt Jenny. Vorderhand gilt aber für die BVB: Lieber Strasse statt Schiene.