Basler Verkehrsbetriebe

BVB ohne Kommunikationschef: Christian Ginsig hat das Unternehmen bereits im November verlassen

Jahrelanges Auf und Ab: Die Basler Verkehrs-Betriebe. (Archivbild)

Jahrelanges Auf und Ab: Die Basler Verkehrs-Betriebe. (Archivbild)

Bereits im November verliess der neue Kommunikationschef Christian Ginsig die Basler Verkehrs-Betriebe. Bemerkt hat das ausserhalb des Unternehmens niemand. Denn Ginsig hatte kaum Zeit, sich zu etablieren, er hatte die neue Stelle erst im Sommer 2019 angetreten. Der als Kommunikationsprofi für die Schiene bekannte Ex-SBB-Kadermann hat allerdings bereits ein neues Engagement in Aussicht.

Er gilt als Top-Mann in der Kommunikationsbranche, als Sprecher für die schwierigen Fälle und als ausgewiesener Spezialist für alles, was auf Schienen verkehrt. Jetzt aber ist der Ex-SBB-Sprecher Christian Ginsig auch Ex-Sprecher der Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Im Sommer 2019 hatte der Solothurner die Stelle als Kommunikationschef der BVB übernommen, bereits im November verliess er den Betrieb wieder. Gegenüber der bz bestätigt BVB-Mediensprecherin Sonja Körkel: «Grund dafür sind unterschiedliche Auffassungen in der strategischen wie operativen Ausrichtung der Unternehmenskommunikation.» Über den Weggang wurde nicht öffentlich informiert. Die Trennung sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt.

Ginsigs Anstellung datierte noch in die Zeit von Ex-BVB-Direktor Erich Lagler, der im Juni 2019 den Betrieb nach scharfer Kritik seitens Politik verliess. Laglers Abgang war ein Bericht der Basler Geschäftsprüfungskommission vorausgegangen, der nicht nur erneut auf den desolaten Zustand der Schienen hinwies, sondern auch Führungsprobleme bis auf Direktionsstufe kritisierte.

Anfangs Juli teilten die BVB mit, dass mit Bruno Stehrenberger der bisherige Leiter Verkehr zum Direktor bestimmt wurde. Seither änderte sich der Kurs der Geschäftsleitung merklich: Das Unternehmen bemüht sich zum Beispiel aktiv darum, den Personalmangel, der zu einer Häufung von Kursausfällen geführt hatte, zu beheben und kommuniziert dies seither auch verhältnismässig aktiv. Zudem ist die Krisenberichterstattung in den Basler Medien ebenfalls merklich zurückgegangen.

Dass Ginsigs Abgang von aussen während knapp zweier Monate kaum bis gar nicht bemerkt wurde, hat zum einen damit zu tun, dass er in der kurzen Zeit bis auf einige Social-Media-Posts kaum in Erscheinung treten konnte, zum anderen aber auch damit, dass die bestehende Medienstelle mit den Sprechern Benjamin Schmid und Sonja Körkel zuverlässig alle redaktionellen Fragen auffängt.
Ginsig, der auch als Oltner GLP-Lokalpolitiker eine aktive Präsenz auf Twitter pflegt, nutzte die Zeit nach der Trennung, um auf der Schiene zu reisen. Ein neues Engagement stehe in Aussicht, wie er sagt, vollends spruchreif sei dies aber erst in einigen Tagen.

Kommunikationskonzept wird jetzt überarbeitet

Mit der Suche nach der Nachfolge lassen sich die BVB Zeit. «Die Vorbereitung für den Stellenbesetzungsprozess hat intern gestartet. Bis die Nachfolge geregelt ist, leitet Marion Gross-Schmid die Abteilung Unternehmenskommunikation interimistisch», sagt Sprecherin Körkel. Gross-Schmid wirkt zurzeit als Stabschefin der BVB. In dieser Funktion ist sie in beratender Form Mitglied der Geschäftsleitung. Die Leitung der Unternehmenskommunikation ist somit ohnehin ihr unterstellt.

Zudem arbeitet das in der vergangenen Dekade immer wieder von Krisen geplagte staatsnahe Unternehmen daran, wie es zukünftig generell kommunizieren will. «Das Kommunikationskonzept befindet sich aktuell in Überarbeitung», sagt Körkel. Dort sollen nun die von Direktor Stehrenberger im August 2019 definierten «Handlungsfelder» einfliessen.

Diese umfassen laut Mitteilung von damals ein breites Angebot: «Ein starker Service public für die trinationale Region, eine verbesserte Mitarbeitendenzufriedenheit zu Gunsten der Fahrgäste und gleichzeitig ein haushälterischer Umgang und zielgerichteter Einsatz der finanziellen Mittel aus der öffentlichen Hand.» Kurzum: Die BVB sollen künftig mehr Wert auf das politische Fingerspitzengefühl legen. Dieses wurde unter Stehrenbergers Vorgängern von der Politik deutlich vermisst, wie Grossräte von linker, aber auch von bürgerlicher Seite regelmässig beklagten. Zu einer unrühmlichen Reminiszenz an frühere Zeiten kam es vergangene Woche: Drei frühere BVB-Kadermitarbeiter werden wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung angeklagt – das Verfahren hält nun schon sechs Jahre an. Einer davon ist der frühere Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath, bei den beiden weiteren Angeklagten dürfte es sich um den früheren Direktor Jürg Baumgartner und dessen Vize Franz Brunner handeln.

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