Abbau
BVB planen den Automaten-Kahlschlag

Jeder dritte Fahrkarten-Automat der BVB soll gestrichen werden, das geht aus internen Unterlagen hervor. Die Pläne sind politisch heikel.

Jonas Hoskyn
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Bei der Haltestelle Kunstmuseum könnte gemäss den internen BVB-Unterlagen bald ein Automat weniger stehen.

Bei der Haltestelle Kunstmuseum könnte gemäss den internen BVB-Unterlagen bald ein Automat weniger stehen.

Roland Schmid

Die Basler Verkehrsbetriebe haben ein Problem – und dies gleich in 450-facher Ausführung. Die Billettautomaten des Unternehmens erreichen in absehbarer Zukunft ihr Verfallsdatum. So kommunizieren sie etwa über das 2G-Mobilfunknetz, welches 2020 abgeschaltet werden soll. Auch ein Grossteil der restlichen Technik steht zwei Jahre später vor dem Aus.

Entsprechend weit oben auf der Traktandenliste ist das Thema beim öV-Unternehmen. Zumal es um viel Geld geht: Rund 35 000 Franken kostet ein neuer Automat. Hochgerechnet ergibt dies schnell einen zweistelligen Millionenbetrag. Geld, welches dem laufenden Effizienzsteigerungsprogramm einen dicken Strich durch die Rechnung machen würde.

Die Automaten sind nach wie vor der grösste, gleichzeitig aber auch ein teurer Vertriebskanal für die öV-Billette. Neben der Anschaffung schlagen sich auch Unterhalt, Wartung und die regelmässige Münzentleerung in der Rechnung nieder. Da scheint es nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen versuchen, den Ticketverkauf via App zu forcieren. Doch der Verkauf per Smartphone steckt noch in den Kinderschuhen. Bei den Einzelbilletten liegt der Anteil bei unter 10 Prozent.

Als die bz BVB-Direktor Erich Lagler vergangene Woche die Frage stellte, ob Billettautomaten abgebaut werden sollen, antwortete dieser: «Wir haben im Moment mit der BLT ein Projekt, wie es weiter gehen soll.» Es stelle sich die Frage, ob man die Automaten modernisieren oder neue beschaffen solle. «In diesem Zusammenhang machen wir uns selbstverständlich Überlegungen, wo und wie viele Automaten wir in Zukunft noch brauchen.»

Widerspruch zum Service public

Interne Unterlagen, die der bz vorliegen, zeichnen aber ein anderes Bild: Rund ein Drittel der Automaten sollen bis 2020 gestrichen werden, also rund 150. So wollen die BVB der Digitalisierung nachhelfen. Das Ziel: Bis in drei Jahren sollen 80 Prozent der Tickets auf dem digitalen Weg verkauft werden.

Um die Kunden zum Umsteigen zu bringen, erachten die Verantwortlichen aber einen starken Rückbau der Automaten für notwendig. Gemäss den Unterlagen werden zurzeit alle Standorte auf ihre Entbehrlichkeit hin untersucht. Falls sich Gelegenheiten für einen schnellen Abbau bietet, sollen diese sofort realisiert werden.

Auf Nachfrage wiegeln die BVB ab: «Ein allfälliger Automatenabbau wird derzeit zusammen mit unseren Partnern diskutiert.» Ein genauer Plan liege noch nicht vor, es sei noch nichts entschieden. Und weiter: «Fast alle Haltestellen in Basel sind mit zwei Automaten ausgerüstet – je einer pro Fahrtrichtung.»

Dabei gebe es Geräte, die mehr Kosten verursachen, als dass sie Einnahmen generieren. Die BVB würden nun Standort für Standort in Bezug auf Frequenzen und Einnahmen untersuchen. «Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung erachten wir es als legitim, einen moderaten Abbau in den nächsten Jahren ins Auge zu fassen.»

Die Zurückhaltung des öV-Unternehmens ist nachvollziehbar. Denn die Pläne sind politisch hochbrisant: Ein Abbau in einem solchen Ausmass dürfte im Widerspruch stehen zur Eignerstrategie des Kantons und zum Leistungsauftrag. Als Service-public-Erbringer müssen die BVB auch einen diskriminierungsfreien Zugang zum öV garantieren.

Für rund 38 Millionen Franken werden deshalb seit Jahren Fahrzeuge und Haltestellen behindertengerecht umgebaut. Diese Massnahmen könnten sich im Zusammenhang mit dem geplanten Automatenabbau nun als schwierig erweisen. Denn die hohen Trottoirs verunmöglichen einen schnellen Wechsel auf die andere Strassenseite.

Auch mit Blick auf die ältere Generation sind die Abbaupläne nicht unproblematisch. Es stellt sich die Frage, ob gerade ältere Personen nicht diskriminiert werden, wenn man als voraussetzt, dass jeder Kunde ein Smartphone zur Verfügung hat und auch in der Lage ist, dieses entsprechend zu bedienen.

Dazu kommen weitere Aspekte wie etwa Probleme für Touristen oder Messebesucher. Aber auch die Besucherparkkarte für Pendler, welche sich an den Automaten lösen lässt, macht deutlich weniger Sinn, wenn der Autofahrer keinen Automaten mehr findet.

«Die Dienstleistungen der BVB sollen auch künftig für alle einfach und unkompliziert, sprich diskriminierungsfrei zugänglich sein. Dazu gehört auch der Billetterwerb», schreibt die Medienstelle auf Anfrage und verspricht: «Die BVB wird einen Automatenrückbau genau prüfen und nur dort umsetzen, wo dieser zumutbar ist und für alle Kundengruppen vertretbare Alternativen vorhanden sind.»

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