Die Zukunft von Martin Gudenrath als Präsident des BVB-Verwaltungsrats liegt in der Hand der Basler Finanzkontrolle. Diese untersucht die Tragweite einer möglichen Günstlingswirtschaft. Der Verdacht: Sowohl die Söhne des Verwaltungsratspräsidenten Gudenrath wie des Direktors Jürg Baumgartner als auch des Vizedirektors Franz Brunner hätten zu vergleichsweise hohen Löhen «Praktika» bei der BVB absolviert; dem Direktor mit Wohnsitz Zürich sei eine Basler Absteige mitfinanziert worden, und die Dienstwagenvergabe entspreche nicht dem Spesenreglement.

Eine besondere Pointe erzählt man sich in der BVB-Belegschaft, wie die mutmassliche Begünstigung der Direktoren-Söhne aufgeflogen sei: Ein Cousin eines dieser Söhne hatte auf ordentlichem Weg ein Praktikum erhalten und musste im Gespräch unter Cousins feststellen, dass er eklatant weniger Lohn erhielt.

Anfang August waren die Vorwürfe Thema einer hitzigen Verwaltungsratssitzung, die von Regierungsrat Hans-Peter Wessels persönlich geleitet wurde, wie es heisst. Und dies, obwohl Wessels dem Führungsgremium gar nicht angehört. Die «Basler Zeitung» machte die Vorhaltungen anschliessend publik. Die BVB beschwichtigten, es könnten in einer ersten Beurteilung keine Verstösse erkannt werden. Als Vorwärtsverteidigung erklärten sie zudem, die Finanzkontrolle werde beauftragt, die Vorwürfe abzuklären. Wessels hatte die staatliche Revisionsstelle bereits vorinformiert.

Allerdings erst an diesem Donnerstag hat die Finanzkontrolle den schriftlichen Auftrag zur Untersuchung erhalten. Dies sagt Daniel Dubois, Leiter der Finanzkontrolle, auf Anfrage. Der BVB-Verwaltungsrat habe die Fragen, die zu prüfen seien, überarbeitet, weitere seien dazugekommen, sagt Dubois. Wann der Bericht fertig sei, hänge auch davon ab, ob die Informationslage umfassend sei oder ob weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssten.

Doch auch für Dubois ist klar: Der Bericht der Finanzkommission muss vorliegen, bevor die Regierung Martin Gudenrath für eine weitere Amtszeit wählt, die 2014 beginnt. Der Präsident ist einer von drei Verwaltungsräten, die durch die Regierung gewählt werden. Regierungssprecher Marco Greiner sagt: «Die Regierung kann sich bis Ende Jahr Zeit nehmen.»

Gudenrath steht unter Druck. Auf die Frage, ob er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe, erklärt er: «Ich bin gerne bereit, dieses anspruchsvolle Mandat weiterhin wahrzunehmen.» Die Vorwürfe an die BVB und an seine Person seien jedoch nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er hält sich einen Hinterausgang offen: «Meinen persönlichen Entscheid habe ich noch nicht gefällt.»

Dabei hatte sich die Ära Gudenrath gut angelassen. Als der chaotische Selfmade-Mann kurzerhand aus der gemeinsam mit den BLT beschlossenen Trambeschaffung ausstieg und eine eigene Ausschreibung erfolgreich durchführte, applaudierte das ganze BVB-Personal. Doch nach diesem Höhenflug verlor er offenkundig den Bodenkontakt.

Assistiert von seinem aus Zürich geholten neuen Direktor Jürg Baumgartner und dem zum Vize beförderten Finanzchef Franz Brunner wollte Gudenrath die BVB neu erfinden: Je weniger das Neue jedoch zum Glänzen kam (und die Fahrgastanzeigen etwa blind blieben), desto abschätziger urteilte das Quartett über die alte BVB. In Folge sank die Stimmung der Belegschaft auf Rekordtief. Eine Angstkultur kehrte ein.

Die übrigen Verwaltungsräte, so ist aus diesen Kreisen zu vernehmen, werden mit Informationen an der kurzen Leine gehalten und seien ausserstande, den verordneten «Kulturwandel» ihres Präsidenten kritisch zu hinterfragen. Entsprechend stehen sie nun selbst in der Kritik. Gudenrath, umgeben von externen Beratern, kommt allerdings zu einer ganz anderen Einschätzung seiner vier Jahre: «Es ist uns insbesondere gut gelungen, die Rollenteilung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung klar zu handhaben.»