Basler Verkehrs-Betriebe
BVB-Präsident ist Thema im Wahlkampf um Personalvertreter-Sitz

Vertreter von drei Arbeitnehmerverbänden liefern sich einen Machtkampf um den Sitz des Personalvertreters im Verwaltungsrat der Basler Verkehrs-Betriebe. Gewählt wird dieser am 12. November.

Iso Ambühl und Valentin Kressler
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BVB-Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath: Bleibt er oder muss er gehen?

BVB-Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath: Bleibt er oder muss er gehen?

Martin Töngi

Martin Gudenrath (52), Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), beschwört im Jahresbericht 2012 die Solidarität: «Einer für alle und alle für einen!». Im Wahlkampf für den Sitz eines Personalvertreters im achtköpfigen BVB-Verwaltungsrat wollen jedoch nicht alle Bewerber diesem Leitspruch aus der Musketier-Romantrilogie von Alexandre Dumas folgen.

«Die negativen Schlagzeilen müssen aufhören»

Ganz im Gegenteil. Christoph Steinmann zum Beispiel, Kandidat des Personalverbands städtische Verkehrsbetriebe Basel PSVB, ist es leid, sich ständig mit negativen Schlagzeilen zur BVB «aus unserer Teppichetage» auseinandersetzen zu müssen. Steinmann sagt, dass Gudenrath ein «hemdsärmliger» Typ sei, der anecke und zu wenig Fingerspitzengefühl zeige. «Suboptimal» sei auch sein Verhältnis zur Baselbieter BLT. Seit Mai ist Gudenrath zum Beispiel auf ein Gesprächsangebot der BLT nicht eingegangen. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt BLT-Präsident André Dosé.

Die BVB-Spitze ist aber auch mit Vorwürfen der Vetternirtschaft konfrontiert. Die Söhne von Gudenrath, des Direktors und des Vizedirektors sollen zu überhöhten Löhnen «Praktika» absolviert haben. Die Finanzkontrolle hat eine Untersuchung eingeleitet. Gudenrath steht auch wegen der Probleme mit den Haltestellen-Anzeigetafeln in der Kritik. «Die negativen Schlagzeilen müssen aufhören», sagt Steinmann. Er will sich dafür und für optimale Bedingungen für das Personal einsetzen.

Ganz andere Töne schlägt Mario Weissenberger, Kandidat der Gewerkschaft VPOD, an. Er sitzt seit 17 Jahren als Personalvertreter im BVB-Verwaltungsrat. Er will eine weitere vierjährige Amtsperiode anhängen. Weissenberger äusssert sich äusserst positiv zum Verwaltungsrat unter Gudenrath. Mit den Tram- und Busbeschaffungen, gesicherten Finanzen, positiven Jahresabschlüssen und einem guten öV-Angebot sieht er die BVB auf Kurs.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung müssten zwar für Kritik offen sein, sagt er und ergänzt: «Die Medienschelte wird uns aber sicher nicht vom Kurs abbringen.» Er sei sicher, dass die veröffentlichte Meinung der Medienleute «nur zum Teil der Meinung unserer Kunden entspricht». VPOD-Sekretär Matthias Scheuer sagt, dass er persönlich hinter Gudenrath stehe, «der für die BVB kämpft».

«Neue Kraft angezeigt»

Bei den anderen zwei Kandidaten kommt Weissenberger allerdings selbst in die Kritik. Die lange Zeit im Verwaltungsrat und die Tatsache, dass sich Weissenberger neu als operativer Leiter der BVB-Netzservices in einer Kaderposition befinde, bezeichnen Steinmann wie Urs Meienhofer, Kandidat der Feme, als «nicht optimal». «Ich bin der Meinung, dass jetzt eine neue Kraft ohne gewerkschaftliche Bindung angezeigt ist», sagt Feme-Präsident Meienhofer. Und Steimann betont, dass der BVB-Kadermann nicht mehr fürs Personal reden könne.

Dem widerspricht der bisherige BVB-Verwaltungsrat mit Honorar von 12 000 Franken im Jahr. Er sieht sich immer noch gut im Kontakt mit dem BVB-Fussvolk: «Den Puls der Front hole ich bei den Fahrdienstkollegen im direkten Gespräch auf der Strasse, also bei ihrer Arbeit», sagt Weissenberger. Meienhofer, Vertreter der basisorientierten, erst 2010 gegründeten Feme («Für Euch, mit Euch») will sich auf die Probleme des Personals konzentrieren. Es sei nicht seine Aufgabe, zu beurteilen, «wie Gudenrath seine Zukunft im Verwaltungsrat sieht». Er werde mit allen Personen im VR zusammenarbeiten.

Am 12. November erfolgt die Wahl des Personalvertreters. Gestützt auf die Mitgliederzahlen hätte Steinmann vom PSVB (319 aktive Mitglieder) vor Weissenberger vom VPOD (geschätzte 200 Mitglieder) und Feme (149 Mitglieder) die grössten Chancen. Steinmanns Wahl wäre gegen Gudenrath gerichtet.