Öffentlicher Verkehr

BVB: «Tragen des Namensschildes ist ab sofort freiwillig»

Das Namensschildchen dürfen sie abnehmen: BVB-Mitarbeitende bei der Präsentation der neuen Uniformen 2015.

Das Namensschildchen dürfen sie abnehmen: BVB-Mitarbeitende bei der Präsentation der neuen Uniformen 2015.

Die BVB-Chefetage kippt die Namensschild-Pflicht für die Fahrdienstmitarbeitenden. Die Betroffenen frohlocken.

Das Fahrpersonal der Basler Verkehrs-Betriebe kann die Schildchen an den Uniformen abnehmen – wenn es das will. Die BVB-Unternehmensleitung hat den Mitarbeitenden mitgeteilt, das Tragen der Namensschilder sei nur noch fakultativ. Titel des Schreibens, das am Donnerstagabend raus ging: «Tragen des Namensschildes ist ab sofort freiwillig». Gezeichnet ist der Brief von Susanne Bolliger, Leiterin Personal und Mitglied der Geschäftsleitung.

Beim Personal kommt die Neuerung gut an. Christoph Steinmann, Geschäftsführer des Personalverbands städtische Verkehrsbetriebe (PSVB) sagt: «Das sind erfreuliche Nachrichten, auf jeden Fall.» Das Schild sei stets ein Grund gewesen, sich zu enervieren. «Wenn Sie angeschrieben sind, kann Sie jede und jeder anschwärzen – man wusste ja Ihren Namen.» Er selber habe zwar keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es seien jedoch Kolleginnen und Kollegen angegangen worden, sagt Steinmann. «Nicht wenige drehten das Schild in der Sekunde um, in der die Pause begonnen hatte.»

Auch der Arbeitnehmerverband FEME («Für Euch – mit Euch») schreibt, man habe die Aufhebung der Tragepflicht «erfreut zur Kenntnis genommen». Ob der Persönlichkeitsschutz besser würde, es also weniger rasch zu Belästigungen oder Ähnlichem komme, «können wir nicht beurteilen». Auf den Namensschildern sei lediglich der Nachname ausgeschrieben. Rückschlüsse auf den Wohnort lasse das nicht zu.

Die beiden Personalverbände waren in die Entscheidungsfindung nicht mit einbezogen. Der Brief sei aus heiterem Himmel gekommen, sagt PSVB-Geschäftsführer Steinmann: «Erst vor ein paar Wochen hiesse es noch, die Tragepflicht bleibe.» FEME schreibt, man kenne die Beweggründe für den Schritt nicht, «da dies nicht mit den Verbänden diskutiert wurde.»

BLT geht anderen Weg: «Schilder sind Standard»

Die BVB schreibt im Brief ans Personal, der Entscheid sei «aufgrund von Rückmeldungen von Fahrdienstmitarbeitenden und einer Diskussion in der Personalkommission» gefällt worden. Die Geschäftsleitung übertrage den Mitarbeitenden «gerne die Kompetenz», darüber zu bestimmen, das Schild zu tragen oder nicht. Aber: «Wir freuen uns darüber, wenn Sie Ihr Namensschild öffentlich tragen.»

Auch bei der Baselland Transport AG (BLT) gibt es Namensschilder. An ihnen halte man fest, sagt Direktor Andreas Büttiker: «Namenschilder sind mittlerweile Standard in der ÖV-Branche. Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind alles Menschen, und die haben einen Namen.» Diese Praxis sei transparent und habe einen persönlichen Touch. «Wenn man fliegt, stellt sich der Pilot ja auch mit dem Namen vor.»

Die BLT habe die Schildchen vor rund zehn Jahren eingeführt. Von Belästigungen oder Verleumdungen von Mitarbeitenden sei ihm nichts bekannt, sagt Büttiker. Er wolle aber auch nicht kritisieren, wenn andere Unternehmen die Angelegenheit nicht gleich handhaben würden wie die BLT. «Matchentscheidend ist doch das grosse Ganze, also die Firmenkultur, die man pflegt und die man vorleben muss.» Beim Kontrolldienstpersonal jedoch habe man auf die Namenschilder verzichtet, sagt Büttiker: «Bei ihnen wollen wir vorbeugen.»

Die BVB führte die Tragepflicht am 1. Oktober 2015 ein, zusammen mit den neuen Uniformen. Christoph Steinmann sagt, das Personal freue sich auch, dass die lästigen Tragekontrollen enden. Einige Teamleiter seien äusserst pingelig gewesen. Auch der FEME berichtet von «leidigen Zurechtweisungen».

Keine Verwarnungen wegen Verstössen

Ernsthafte Konsequenzen drohten bei Verstössen keine. Die BVB-Medienstelle schreibt, bei Nichteinhaltung seien Mitarbeitende zwar auf die Pflicht hingewiesen worden – aber: «Zu Verwarnungen oder Kündigungen kam es deswegen nicht.»

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