Vor Gericht

BVB-Überwachungskamera bringt Sex-Täter ins Gefängnis

Die vor drei Jahren eingeführte Videoüberwachung in Basler Trams und Bussen bringt immer mehr Fahndungserfolge: Gestern hat das Strafgericht einen 35-jährigen Türken der sexuellen Nötigung schuldig gesprochen.

Die Strafgerichtspräsidentin hat die Urteilsverkündung mit einem Loblied auf Big Brother eröffnet: «Wären am 14. Mai 2011 keine Überwachungskameras in diesem Tram der Linie 3 installiert gewesen, wären die Delikte möglicherweise nie aufgeklärt worden.» (Die bz berichtete)

Eine junge Frau wurde an diesem Tag nach fünf Uhr morgens auf dem Heimweg von einem 35-jährigen Türken sexuell angegriffen. Zuvor sind die beiden Tram gefahren. Die Basler Staatsanwaltschaft veröffentliche zwei Wochen später ein Bild der Videoaufnahme. Der Arbeitgeber des Türken meldete sich sofort bei der Kriminalpolizei.

DNA-Datenbank liefert Hinweise

Ein weiteres modernes technisches Untersuchungsmittel führte dazu, dass damit gleich eine Serie aufgedeckt wurde: Mit einem DNA-Abgleich stiessen die Fahnder in der DNA-Datenbank auf drei ältere Fälle. Sie ereigneten sich in den Jahren 2007, 2008 und 2010. Bei allen handelt es sich um Anzeigen von jungen Frauen – zwei waren sogar minderjährig –, die nachts von einem Mann mit gleicher DNA nach ähnlichem Muster sexuell angegriffen wurden. Von hinten rempelte er sie brutal an, sie fielen zu Boden oder er zerrte sie in ein Gebüsch. Alle wurden sexuell belästigt, aber nicht vergewaltigt.

Die Strafgerichtspräsidentin bezeichnet die Beweislast als erdrückend. Unabhängig voneinander machten die vier Frauen glaubwürdige Aussagen. Der Angeklagte hingegen verstrickte sich in Widersprüche. So leugnete er in der Hauptverhandlung Aussagen, die er im Ermittlungsverfahren gemacht hat. Das Strafgericht bezeichnete ihn deshalb als unglaubwürdig. Den Aussagen der Opfer schenkte es hingegen uneingeschränkt Glauben. Der Türke, der vor 17 Jahren in die Schweiz eingereist ist und bis zu seiner Verhaftung ständig gearbeitet hat, erhält eine teilbedingte Strafe. 12 Monate sind unbedingt, 18 bedingt.

Seit 2008 Kameras installiert

Seit die BVB 2008 in Trams und Bussen Kameras installiert haben, leisten sie der Staatsanwaltschaft wertvolle Dienste. 2009 stellte sie ein Video von zwei Schlägern in einem Bus ins Internet. Schon am nächsten Tag war der eine Täter gefasst.

Wie im aktuellen Fall sind aber oft Aufnahmen hilfreich, die gar nicht die eigentliche Tat abbilden. Bei einem Vergewaltigungsfall bestritten zwei Angeklagte, die Tat gemeinsam begangen zu haben. Die Kamera am Eingang zeigte jedoch, dass sie die Bahnhofstoilette zusammen betreten und verlassen hatten. Das überzeugte das Gericht vor wenigen Wochen. «Wichtig sind für uns Kameras vor allem an Brennpunkten wie Parkhäusern und Tramhaltestellen», sagt Staatsanwältin Eva Eichenberger, die beide Fälle betreut hat. Videokameras, die einen Überblick über einen ganzen Platz bieten – dafür setzte sich Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass erfolglos ein – seien für die Fahndung hingegen kaum hilfreich, da keine Gesichter erkennbar wären.

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