Öffentlicher Verkehr
BVB und BLT setzen nun auf eine «verstärkte Partnerschaft»

Die Regierungen beider Basel rücken von der Idee eines gemeinsamen Transportunternehmens ab. Statt einer echten «Fusion» soll es eine «verstärkte Partnerschaft» geben.

Nicolas Drechsler
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Sie kommen einander nah und halten doch immer Abstand: Ein gelbes BLT-Tram und ein grünes BVB-Tram kreuzen sich am Aeschenplatz.

Sie kommen einander nah und halten doch immer Abstand: Ein gelbes BLT-Tram und ein grünes BVB-Tram kreuzen sich am Aeschenplatz.

Kenneth Nars

Es klingt ein wenig wie bei der Debatte um die Wiedervereinigung der beiden Basel: Statt einer echten «Fusion» soll es eine «verstärkte Partnerschaft» werden zwischen den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) und der Baselland Transport AG (BLT). Die Regierungen der beiden Basel hätten sich darauf geeinigt, teilten sie gestern mit. Sie sehen die Zukunft in einem Verkehrsverbund, ähnlich wie es ihn etwa in Luzern und Zürich bereits gibt.

Also eine Art Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) Plus? Nein, sagt der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels. Es gehe um weit mehr als nur um die Tarife: «In einem Verkehrsverbund delegieren die Kantone und die einzelnen Transportunternehmungen Aufgaben und Kompetenzen an eine gemeinsame Organisation, eben den Verkehrsverbund.» Diese Aufgaben können sehr weitreichend sein. Beispielsweise bestellen heute die Kantone die Leistungen bei den SBB, das könnte in Zukunft ein Verkehrsverbund tun. «Es geht aber auch darum, dass gewisse Aufgaben zentral geregelt werden können, etwa das Marketing», sagt Wessels. Heute haben die Transportfirmen jeweils eigene Plakate, entwickeln eigene Smartphone-Apps und so weiter. Im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) regelt das die Zentrale. Ein Verkehrsverbund könnte also für alle angeschlossenen Organisationen werben, verhandeln und planen.

Fusion weniger nützlich

«Wir glauben, ein Verbund mit weiteren Playern, wie etwa der Waldenburgerbahn oder der Autobus AG Liestal bringt wesentlich mehr Nutzen als eine Fusion von BLT und BVB», erklärt Wessels. Ausserdem könne man so den «Risiken einer Fusion» aus dem Weg gehen. Diese sind vor allem politischer Natur. In Gewerkschaftskreisen stiessen die Diskussionen um eine Fusion immer auf grosse Skepsis. Zu gross ist die Angst, dass die am Staat ausgerichteten Arbeitsbedingungen bei den BVB an die schlechteren Konditionen der privatwirtschaftlich aufgestellten BLT angeglichen werden könnten. Das musste auch SP-Fraktionschef Stephan Lüthi erfahren, der im Grossen Rat die Fusion mit einem Vorstoss angeregt hatte: «Es gab Kritik aus eigenen Kreisen, insbesondere wegen der Arbeitsbedingungen, die bei den BVB sicher besser sind als bei den BLT.» Das sei ihm und seinen Mitunterzeichnenden klar gewesen und hier lägen sicher die grössten Schwierigkeiten: «Es sind zwei unterschiedliche Gebilde mit unterschiedlichen Philosophien und Arbeitsbedingungen, das ist sicher zu bedenken.»

Ein ähnlich lautender Vorstoss wurde 2013 auch im Baselbieter Landrat eingebracht. Dort stossen die Fusionspläne eher den Bürgerlichen sauer auf, die befürchten, der Staatsbetrieb BVB könne einen «schlechten Einfluss» auf die BLT haben. Martin Rüegg (SP), der den Vorstoss mitunterzeichnet hat, sieht im nun geplanten Verkehrsverbund «einen Schritt in die richtige Richtung.»

Lockerer oder straffer Verbund?

Mit dem Beschluss, auf eine Fusion zu verzichten, verabschiedet sich die Basler Regierung auch von einem Satz aus der kürzlich publizierten Eignerstrategie der BVB. Hier hiess es noch, es sollten alle Formen einer besseren Zusammenarbeit geprüft werden, «bis hin zu einer Fusion». Der Traum von den gelb-grünen Drämmli ist vorerst ausgeträumt. Wessels sieht darin keine Niederlage, im Gegenteil: «Jetzt geht es darum, im nächsten Jahr zu prüfen, welches Modell eines Verkehrsverbundes man schaffen möchte. Dafür muss man die Transportunternehmen und die anderen drei Kantone einbinden.»

Dann könne man abschätzen, ob es in Richtung eines lockeren Verbundes gehe, wie ihn die Region Luzern kennt, oder aber zu einem Modell wie dem straffer organisierten ZVV. So oder so erhoffen sich sowohl die Regierungen, als auch die SP-Anzugsteller und der Basler Gewerbeverband, der sich positiv äusserte, auf bessere Verbindungen, aufeinander abgestimmte Fahrpläne, günstigere Beschaffungen und weniger Doppelspurigkeiten bei den Akteuren im öffentlichen Verkehr der Region.