Basler Verkehrs-Betriebe
BVB untersuchen nun auch die Rolle des Vizedirektors Franz Brunner

Nach den zutage getretenen Missständen und Abgängen in der Führung haben die BVB eine disziplinarische Untersuchung im Falle ihres Vizedirektors Franz Brunner eingeleitet. Diese soll klären, ob Verstösse in seinem Verantwortungsbereich "personalrechtliche Relevanz haben".

Matthias Zehnder und Moritz Kaufmann
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BVB-Vizedirektor Franz Brunner geriet auch ins Visier der kantonalen Finanzkontrolle.

BVB-Vizedirektor Franz Brunner geriet auch ins Visier der kantonalen Finanzkontrolle.

ros/zvg

Die BVB-Affäre ist für Vizedirektor Franz Brunner noch nicht ausgestanden. Nach den Abgängen von VR-Präsident Martin Gudenrath und Direktor Jürg Baumgartner war die Nummer drei im Unternehmen in den Fokus gerückt. Auch Brunner hat Verwandte als Praktikanten in die BVB eingeschleust, sich selbst Überstunden auszahlen lassen und fuhr einen Firmenwagen.

Am Dienstagabend brachte die «Tageswoche» neue Vorwürfe ins Spiel. Brunner habe sich auf einer Geschäftsreise über Gebühr von einer IT-Firma einladen lassen. Dennoch will der neue VR-Präsident Paul Blumenthal an ihm festhalten - zumindest vorerst.

Wie die BVB am Dienstag mitteilten, wurde eine disziplinarische Untersuchung eingeleitet. Konkret soll geprüft werden, ob die Verstösse Brunners «personalrechtliche Relevanz» hätten. Ausgedeutscht: Ob disziplinarische Massnahmen gegen ihn ergriffen werden - oder ob er das Unternehmen gar verlassen muss. Auf Nachfrage der bz erklärt BVB-Sprecher Stephan Appenzeller, dass die BVB nicht auf politischen Druck gegen Brunner reagiere. Die BVB als Unternehmen, und auch Brunner als Person hätten, das Recht auf Klarheit.

Wachhund für Betriebsleiterin

Wie die BVB weiter mitteilten, will die Firma ein sogenanntes «Sounding Board» einsetzen. Das ist nichts anderes als ein Expertengremium, bestehend aus Fachleuten in den Bereichen Personalrecht, Submissionsrecht, Governance und Führungsrecht, das den Verwaltungsrat beraten und unterstützen soll. Die personelle Zusammensetzung dieses Sounding Boards ist noch offen. Laut BVB-Sprecher Appenzeller würden derzeit unabhängige Experten gesucht.

Als erste konkrete Massnahme aufgrund des Fiko-Berichts stellen die BVB Béatrice Thomet, die Leiterin Betrieb, einen Co-Leiter zur Seite. René Messmer, Leiter Unternehmensentwicklung, soll dafür sorgen, dass die laufenden Veränderungen im Betrieb enger mit den betroffenen Angestellten abgesprochen werden. Damit dürfte die BVB-Führung einem Anliegen der Basis nachkommen: Béatrice Thomet, die von Ex-Direktor Jürg Baumgartner zu den BVB geholt wurde, war für einige unpopuläre Entscheide verantwortlich - beispielsweise das Radiohör-Verbot im Führerstand oder die rigiden Uniform-Vorschriften.

Eher überraschend haben die BVB entschieden, künftig Medienanfragen nach der Publikation der entsprechenden Artikel im Wortlaut ins Internet zu stellen. Diese Massnahme haben die BVB den SBB abgeschaut. Die BVB wollen sich so gegen «unvollständige und tendenziöse» Berichterstattung wehren und dem Publikum die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild zu machen.

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