Einfach und bequem: In die Niederflurtrams der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) lässt es sich ohne mühsames Treppenklettern einsteigen. Die modernen Drämmli bringen aber einen Nachteil mit sich: Sie sind wahre Schienenfresser.

Was das bedeutet, zeigte sich dieses Jahr zwischen Barfüsserplatz und Hauptpost. Die Schienen in der Falknerstrasse waren nach 17 Jahren abgenutzt, die BVB mussten sie im Juli ersetzen. Im Durchschnitt halten Schienen jedoch rund 35 Jahre, also doppelt so lange. Das Problem: Bei den Niederflurtrams sind es unter anderem das höhere Gewicht und die kleineren Räder, die die Schienen stärker beanspruchen. Dadurch verkürzt sich deren Lebensdauer.

Das Problem hätte sich längst beheben lassen. Davon ist Marcel Hanekop überzeugt. Er war bis 2012 technischer Einkäufer bei den BVB. Er sagt, die BVB verbauten nicht gehärtete Schienen – obwohl schon längst härtere Varianten existierten, die viel widerstandsfähiger seien.

Als Einkäufer habe er diese Information intern weitergegeben, aber nie auch nur eine Rückmeldung erhalten. «Dabei haben gehärtete Schienen einen längeren Lebenszyklus», sagt Hanekop. Er sieht zwei konkrete Vorteile: Man müsste zum einen weniger oft Schienen ersetzen und sparte dadurch Geld. Zum anderen gäbe es weniger Baustellen, die die Stadt in Lärm und Staub hüllen und Verkehrswege versperren.

Nachteil harter Schienen

BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid schreibt auf Anfrage, es sei korrekt, dass man nicht die härtesten Schienen verbaue, die erhältlich seien. Der Grund: «Sind die Schienen zu hart, werden die Räder der Trams beschädigt», erklärt er. Dennoch haben die BVB ein Projekt lanciert, um zu prüfen, ob sie künftig auf einen härteren Schienentyp setzen sollen. Laut Schmid steht man derzeit mit externen Experten und unterschiedlichen Verkehrsunternehmen in Europa in Kontakt. Mit dem aktuell bestehenden Nachholbedarf beim Gleisersatz habe das aber nichts zu tun.

Schwäche lag im Verborgenen

Das stimme, sagt Hanekop. Den Hauptgrund für den Erneuerungsstau sieht er anderswo: Die Schienen, die man vor 20, 30 Jahren verbaut hat, weisen eine Schwäche auf, die sich erst jetzt offenbart. Früher war es üblich, eine gehärtete Stahlschicht auf die Schienen zu schweissen. Man glaubte, damit die Lebensdauer der Schienen zu erhöhen. Nur: Temperaturschwankungen und die Belastung durch die Trams führten über die Zeit dazu, dass diese Schicht zerbrach. Hanekop sagt: «Den BVB blieb gar nichts anderes übrig, als die Schienen abzuschleifen, um den Trambetrieb halbwegs sicher aufrechthalten zu können.» Nur wurde damit auch viel Lebensdauer weggeraspelt.

Mediensprecher Schmid bestätigt die Schwäche der alten Schienen: «Die BVB haben in der Vergangenheit – wie andere Städte auch – auf eine Technologie gesetzt, die sich im Nachhinein als nicht sinnvoll erwiesen hat.» Das sei jedoch nicht der Hauptgrund, sondern nur einer von vielen, die zum jetzigen Zustand des Gleisnetzes beigetragen haben.

Über einen anderen Grund berichtete die bz vergangene Woche: Tiefbauamt-Leiter Roger Reinauer sagte, die ehemalige Führung um Direktor Jürg Baumgartner und Infrastrukturchef Michael Bont habe die Versäumnisse im Gleisbau nicht ernst genommen.