Wer in diesen Tagen das Radiostudio Basel besuchen will, braucht ein wenig Geduld – und die Natelnummer eines Mitarbeiters. Sonst bleibt die Tür verschlossen. «Sorry, es geht gerade nicht anders», sagt Dieter Kohler, Leiter des Regionaljournals Basel Baselland, als er die Besucher der bz persönlich am Eingang abholt. «Die Leute von der Porte sind schon diese Woche an den neuen Standort umgezogen. Hier vorne ist niemand mehr da.»

Im Radiostudio Basel ist improvisieren angesagt. Der Betrieb wechselt in diesen Wochen vom Bruderholz an den Bahnhof SBB, ins neue Meret-Oppenheim-Hochhaus, wo SRF die untersten drei Etagen belegt. Doch die über 200 Mitarbeitenden können unmöglich alle gleichzeitig in die Stadt runter zügeln. Der Standortwechsel geht gestaffelt über die Bühne. Sekretariat, Technik und die erwähnten Portenmitarbeitenden haben ihre neuen Arbeitsplätze im 81-Meter-Turm beim Bahnhof grösstenteils schon bezogen. Kommende Woche folgt das 11-köpfige Team des Regionaljournals. Als letzte räumen übernächste Woche die Mitarbeitenden von Radio SRF 2 ihre Büros.

Kein eigenes Büro für den Chef

Es hat sich einiges angesammelt auf dem Bruderholz. Fast 80 Jahre hat das Studio auf dem Buckel. Eröffnet wurde das erste Gebäude an der Novarastrasse 1940, mitten in den Wirren des beginnenden Zweiten Weltkriegs. Seither wurde der Komplex immer wieder erweitert und umgebaut. «Wir wollten schon lange ins Zentrum. Dorthin, wo die Leute sind», sagt Kohler. «Jetzt ist es soweit. Das ist fantastisch.»

Den Ausschlag für den Umzug gab eine anstehende Sanierung. Die Liegenschaft gehörte ursprünglich der Radio- und Fernsehgenossenschaft Basel, heute SRG Region Basel. Später waren die Gebäude ins Eigentum der SRG SSR übergegangen. Da Sanierungen anstanden, zeigte sich die Muttergesellschaft offen gegenüber den Plänen, das Domizil zu verlegen. Im Meret-Oppenheim-Turm ist SRG nur noch Mieterin. Das Bruderholz-Areal wird mit Wohngebäuden überbaut.

Fünf Sendungen produziert das «Regi»-Team pro Tag, sie werden im Schnitt von total rund 100 000 Menschen gehört. Es ist kurz vor zwölf, die Mittagssendung steht an. Redaktorin Martina Inglin geht die Meldungen durch. Riehen hat im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben. «Steuereinnahmen sorgen für einen Überschuss», murmelt Inglin. Kohler schaltet sich ein: «Achtung, Genauigkeit! Bei sorgen schwingt die Sorge mit. Sorgen muss man sich, wenn es nicht gut läuft. Aber ein Überschuss ist doch erfreulich?». Wenige Minuten später, in der Live-Sendung, beginnt Inglin die Meldung mit: «Die Gemeinde Riehen hat bei der Rechnung überraschend einen Überschuss von fast drei Millionen Franken.»

Basel wird Kultur-Hotspot

Am neuen Ort erhofft sich Kohler noch mehr spontanen Austausch dieser Art. Im Meret-Oppenheim-Hochhaus gilt die Open-Space-Philosophie. Nicht mal für die Chefs gibts eigene Büros. Umstellen müssen sich auch rund 100 Mitarbeitende der Abteilung Kultur, Wissenschaft und Religion von SRF, die derzeit in Zürich arbeiten, viele fürs Fernsehen. Ihr Arbeitsort wechselt nach Basel. Die Strategie der SRF-Führung: trimediale Schwerpunkte bilden. Schon länger sind in Zürich Unterhaltung und Sport konzentriert, in Bern Information und Politik. Basel ist Kultur-Hotspot. Gerade in Bern guckt man ein wenig eifersüchtig nach Basel: Hier wird ausgebaut, während ein Teil der Informationssparte von der Bundesstadt nach Zürich wechseln soll.

Kohler kam vor genau 30 Jahren zum Schweizer Radio, arbeitete unter anderem in Bern und Lausanne. «Ich bin ein Ohrenmensch. Ich glaube an die Zukunft dieses Mediums.» Seit zehn Jahren leitet der Geograf das Regionaljournal, damit ist er auch stellvertretender Studioleiter auf dem Bruderholz.

Sein eigenes Büro hat der 58-Jährige noch nicht geräumt. Doch bald gilts ernst. Ab Dienstag ist auch fürs «Regi» Schluss auf dem Bruderholz, nach über 40 Jahren: Das neue Studio ist dann «on air». Am 23. November 1978 ging das erste Regionaljournal Basel über den Äther.

Heimat von «DRS 3»

Der Abschied fällt Kohler nicht leicht. Das Studio Basel hat Tradition. Hier gingen Heidi Abel und Mäni Weber ein und aus, hier wurden Kultformate wie «Spalebärg 77a» produziert, hier war DRS 3 daheim, das später nach Zürich abwanderte und heute SRF 3 heisst.

«Ein bisschen Wehmut ist da», sagt Kohler. «Aber wenn wir in den neuen Büros sind, am wunderbaren neuen Domizil, ist das rasch verflogen.»