Das Blutbad hatte Basel erschüttert. Zwei Männer sind tot. Einer wurde schwer verletzt. Drei Monate sind vergangen seit der Schiesserei im Kleinbasler «Café 56». Der mutmassliche Täter, der zusammen mit einem Komplizen die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, muss weiter in Untersuchungshaft bleiben. Das hat soeben das Bundesgericht entschieden.

Bei diesem kaltblütigen Verbrechen soll es um eine beklaute Gang und um Drogengeschäfte in der Basler City gegangen sein. Am Donnerstag, 9. März 2017, hatten zwei Männer um 20.10 Uhr die Quartierbeiz der albanischen Community betreten. Kaltblütig erschossen die beiden zwei albanische Männer, 28 und 39 Jahre alt. Ein dritter Albaner wurde durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Bei einem der schwersten Tötungsdelikte in Basel der vergangenen Jahre gehen die Ermittler von einer Abrechnung unter Drogenhändlern aus.

Die drei Opfer sollen sich eine Wohnung in der Nähe des Tatorts geteilt haben. Diese habe ihnen auch als Lagerort für Drogen wie Heroin und Kokain gedient. Gemeinsam sollen sie sich im «Café 56», oder in einem anderen Lokal, getroffen haben, um von dort aus ihre Ware in der Stadt zu verkaufen. Während der Ausübung ihrer dubiosen Machenschaften hatten sich die Männer offenbar auch mit einer Verbrecherbande angelegt. Seither sollen sich die drei Männer vor dem albanischen Clan versteckt haben, bis sie im «Café 56» erwischt worden seien.

Verdächtiger stellt sich selbst

Am Tag nach dem Tat-Abend sprach einer der mutmasslichen Täter in Basel eine Polizeipatrouille an. Der Albaner bezichtigte sich selber der Täterschaft, worauf die Polizisten den Mann festnahmen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Fünf Tage nach der Tat führte das Zwangsmassnahmengericht eine Verhandlung durch. Dabei widerrief der Albaner seine zuvor gemachten Aussagen. Er behauptete, er habe sich fälschlicherweise selber belastet, um einem Freund die Flucht zu ermöglichen. Daraufhin verfügte das Zwangsmassnahmengericht, der Albaner sei unverzüglich zu entlassen. Es fehle am dringenden Tatverdacht.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft beim Appellationsgericht Beschwerde erhoben und erreichte vorerst, dass der Albaner für zwölf Wochen in Untersuchungshaft versetzt wurde. Das Gericht bejahte nicht nur den dringenden Tatverdacht. Es ging auch davon aus, dass Fluchtgefahr besteht, und der Albaner bei einer Freilassung Beweismittel vernichten oder Zeugen und Mitbeschuldigte beeinflussen könnte. Eine gegen diesen Entscheid eingereichte Beschwerde hat das Bundesgericht nun aber abgewiesen.

Für die Richter in Lausanne gibt es konkrete, ernsthafte Indizien und Hinweise dafür, dass der Albaner an der Tat beteiligt gewesen ist – obwohl «verschiedene Zeugen und Auskunftspersonen von der Sache nichts Wesentliches mitbekommen haben wollen». Die Bundesrichter gehen davon aus, dass sie sich vor Repressalien fürchten.

Verhafteter hat Täterwissen

In Anwesenheit seines Verteidigers hatte der mutmassliche Mörder zwei Tage nach der Tat Aussagen gemacht, die auf ein Täterwissen hindeuten. Er konnte beispielsweise angeben, dass mit der Munition des Kalibers neun Millimeter geschossen wurde. Auch vermochte er eine detaillierte Skizze des Tatorts zu erstellen. Auf Vorlage von Fotos konnte er zudem das Opfer bezeichnen, welches einen Bauch- und Kopfschuss erlitten hatte. Gleichzeitig stimmt das Alter des mutmasslichen Täters mit den Angaben des überlebenden Opfers zur Täterschaft überein.

Die Angabe des Albaners, er habe sich der Polizei gestellt, um einem Freund die Flucht zu ermöglichen, überzeugte das Bundesgericht nicht – zumal er nicht annehmen konnte, dass die Fahndung eingestellt wird, weil an der tödlichen Schiesserei ja zwei Täter beteiligt waren. Verdächtig ist für das Bundesgericht auch, dass sich der Albaner nach der Schiesserei die Haare im Nacken und an den Seiten des Kopfes rasiert hatte, um seine Identifizierung zu erschweren.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass der Albaner kein unbeschriebenes Blatt ist. Unter einem Aliasnamen ist der Mann in Deutschland wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von dreissig Monaten verurteilt worden. Auch dort hatte er in einem Lokal mit einer Schusswaffe auf Menschen gezielt – und auch abgedrückt. Damals war es aber nicht zur Schussabgabe gekommen, weil zuvor das Magazin aus der Waffe herausgefallen war.

Ausserdem sass der Mann in Deutschland wegen Drogendelikten sechs Jahre hinter Gittern. All dies deutet für das Bundesgericht darauf hin, dass der Albaner im Drogenmilieu zu Hause ist und auch vor massiver Gewalt nicht zurückschreckt. Die Bundesrichter in Lausanne schliessen deshalb ebenso wenig aus, dass es bei der Schiesserei im März um eine Abrechnung im Drogenmilieu ging.