Der neue Club «Café Singer» veranstaltet während der Fasnacht vom 15. bis 17. Februar einen dreitägigen Rave. Jeweils ab 17 Uhr kann am Marktplatz bis zum unbestimmten Ende gefeiert werden. Auf Facebook werden dafür mehrere DJs angekündigt. Auf der Redaktion der bz ist die Meinung gespalten, wie folgende Pro/Contra-Debatte zeigt.

Contra: «Raver sind Bünzlis»

Drey Dääg. So lange dauert die Fasnacht. Drei Tage, an denen Ladäärne die Gassen erhellen, statt Strobos epileptisch die Netzhaut penetrieren. Drei Tage, an denen die Piccolos und nicht aufgedrehte Hardcore-Lounge-Deephouse-Musik noch im Bett nachpfeifen und der einzige Bass von den Paukenschlägern der Guggen dröhnt. Überhaupt, was in diesen Clubs so aus den Boxen kotzt: Lyrische Ergüsse, wie «Drop the Bass», «Bring it on», «Get down» sind einige Beispiele von Sprüchen, die wie alles in diesen Genres durch endlose Repetition in die Köpfe der Raver geprügelt wird, bis diese brav abnicken und mitblöken.

Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten. Nicht nur Frauen, auch das lächerlichere Geschlecht trägt an solchen Events Kostüme, die zumindest jeder Landfasnacht zur Ehre gereichen würden. Glitzergesichter im Partyrausch, bei vielen wünscht man sich die Umkehr des berühmten Fasnachtsspruchs: «Gäll, I kenn Di nit.» Die Anmachsprüche werden zwar wie von einem Wagen herab dem Myggeli ins Ohr geheisert, doch das Gepose des post-pubertierenden Proletenpacks triebe jedem intrigierenden Waggis die Schamesröte auf die Larve.

Man könnte sagen: Saufen und saufen lassen, doch das stimmt in diesem Fall nicht. Diese Stadt steht mal für drei Tage Kopf und leert mit Hilfe der satirischen Frau Fasnacht ihren Bünzli-Kropf. Da ist es doch weitaus bornierter, für sein right to party zu fighten, welches schon das ganze Jahr über wochenendein und –aus genau gleich wahrgenommen wird. Und Alkohol-Gelage sind sowieso nur etwas für Passive und Faschings-Touristen.

Pro: «Verbieten wäre Schwachsinn»

Die drey scheenste Dääg. So bezeichnet fast ganz Basel die Fasnachtszeit. Aber eben nur fast. Denn es soll durchaus auch Menschen in dieser Stadt geben, die diese nervtötenden Klänge der Piccolos ganz und gar nicht ertragen und leiden können. Keine drei Tage, keine drei Stunden, nicht einmal drei Minuten. Dagegen etwas tun kann man aber nicht. Man ist dieser Horde an Menschen in Goschdyym ausgeliefert, die das auch noch schamlos ausnutzen und hilflose Anti-Fasnächtler mit Räppli stopfen.

Dass sich dagegen irgendwann eine Gegenbewegung formieren würde, war klar. Nun gibt es sie. Wer keinen Bock darauf hat, kann im Café Singer raven. Rund und um die Uhr. Mitten in der Innenstadt. Denn auch wenn all diese ach so elitären Fasnachts-Puritaner das Gefühl haben, die Stadt gehöre ihnen und nur ihnen, dann stimmt das schlicht nicht. Irgendwo müssen auch jene, die nicht dabei sein wollen, weil es für sie die drey schlimmste Dääg im Johr sind, austoben können. Es ausnützen können, dass es keine Polizeistunde gibt, dass niemand sich beschwert, es sei zu laut, zu dreckig und sie zu besoffen.

Ihnen das zu verbieten, wäre Schwachsinn.Wären die Veranstalter des dreitätgigen Raves nicht auf die Idee gekommen, Werbung zu machen, hätte es kaum einFasnächtler je mitbekommen. Viel mehr wären sie selber noch dort abgestürzt, weil der Club so zentral gelegen ist. Wenn sie das nun aus Trotz nicht mehr tun – tja, sollen sie eben. Gefeiert wird dort trotzdem. Denn jeder hat sein Recht zu feiern, und vor allem, diesen unsäglichen Piccolo-Klängen aus dem Weg zu gehen.

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