Strafgericht

Cannabis an Minderjährige vertickt? – Fünf Männer vor Gericht

(Symbolbild)

Fünf Männer stehen vor dem Basler Strafgericht, weil sie Cannabis mit hohem THC-Gehalt vertrieben haben – auch an Minderjährige.

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Fünf Männer stehen vor dem Basler Strafgericht, weil sie während 1,5 Jahren quer durchs Kleinbasel Cannabis mit hohem THC-Gehalt vertrieben haben. Die Telefonüberwachung legt nahe, dass auch an Minderjährige verkauft wurde.

«Ich bin etwas irritiert. Sie haben zu Beginn der Verhandlung gesagt, die Vorwürfe in der Anklageschrift stimmen ungefähr zu 70 Prozent. Und jetzt wollen Sie sich zu konkreten Fragen nicht mehr äussern?», fragte Gerichtspräsident René Ernst den 46-jährigen Angeklagten. «Naja, ich bin schlecht im Schätzen von Prozenten», gab dieser schlagfertig zurück.

Es war nicht der einzige Lacher im Gerichtssaal am Montag Morgen. Der 46-jährige Mann aus Weil am Rhein beteuerte mehrmals, während seiner Zeit als Cannabis-Händler höchstens 1300 Franken im Monat verdient zu haben, damit erübrigten sich bitteschön Fragen nach dem Verbleib des Geldes, er habe ja wohl kein Luxusleben geführt. Als der Gerichtspräsident im vorrechnete, wieviele Kilos an Stoff er vermutlich verkauft hat, schüttelte der Mann bloss den Kopf. «Zwei Kilos wurden mir ja geklaut!», korrigierte er.

Die groben Linien sind zumindest klar: Es ging um den organisierten Vertrieb von Cannabis mit einem THC-Gehalt von rund 17 Prozent (erlaubt sind maximal ein Prozent) in den Jahren 2015 und 2016 im Kleinbasel.

Nicht ganz klar ist allerdings, wie tief die fünf Angeklagten im Handel drin steckten und welche Mengen verkauft worden sind.

Obwohl so manche Bemerkung im Gerichtssaal relativ flappsig hin und her ging, ist die Situation keineswegs gemütlich: Der in Deutschland eingebürgerte 46-jährige Türke sitzt seit Oktober 2016 in Haft, ebenso sein aus der Türkei stammender und in Basel wohnender 42-jährige Mitangeklagte und ein weiterer 41-jähriger Türke aus Bern.

Ebenfalls auf der Anklagebank sitzen auch zwei Schweizer, die vor knapp einem Jahr nach vier Wochen Untersuchungshaft mangels Fluchtgefahr mittlerweile auf freiem Fuss sind und arbeiten. Einer der beiden verdient sein Geld gar mit dem verkauf von legalem Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent. Vier der Angeklagten sind bereits wegen Betruges vorbestraft, einer zusätzlich wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung. Alle sind massiv verschuldet.

Verkauf und Lager dezentral im Kleinbasel verteilt.

Die Vertriebsorganisation jedenfalls war vorbildlich: Ein Verkaufslokal an der Feldbergstrasse, eine unauffällige Abpack- und Auslieferzone an der Schönaustrasse, ein auch bei Ferienabwesenheiten stets bedientes Mobiltelefon zur Bestellaufnahme, ein als Getränkehandel getarntes Lager an der Klingentalstrasse sowie ein winziges Depot in einem Auto in einer Tiefgarage an der Hammerstrasse.

Einzelne Angeklagte erwischte man beim Grenzübertritt mit Cannabis und Geld, diverse Mengen wurden in mehreren Razzien in den Läden sichergestellt. Ein mitgehörtes Telefongespräch zeigt auch deutlich, dass man nach kurzer Rückfrage durchaus auch an 13-jährige Kunden verkauft hat. Die Angeklagten bestritten dies gestern vor Gericht allerdings energisch und betonten, sie hätten nur Erwachsene beliefert.

Staatsanwältin Simone Lustenberger geht davon aus, dass alle fünf Männer mit einer sogenannt qualifizierten Menge gehandelt haben (Umsatz über 100'000 Franken) und banden- wie auch gewerbsmässig vorgegangen sind. Damit eröffnet sich ein Strafrahmen von bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe. Drei der fünf Männer hat sie auch wegen Geldwäscherei angeklagt, weil sie Drogengelder durch Einzahlungen in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeführt oder ins Ausland überwiesen haben. Die drei Richter fällen das Urteil am Freitag.

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