Die Ausreden waren sinnlos: Das Basler Strafgericht verurteilte einen 30-Jährigen am Freitag wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und gewerbsmässigem Drogenhandel zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Der Verurteilte hatte im September 2018 in der Pilgerstrasse einen anderen Mann zuerst mit Pfefferspray und dann mit einem Fleischermesser angegriffen. Dabei stach er zehnmal zu, meist im Rückenbereich.

Zur Haftstrafe hinzu kamen noch 15 Tage Gefängnis wegen des verbotenen Besitzes einer Taschenlampe mit eingebautem Taser sowie 300 Franken wegen Hanfkonsums. Nach Absitzen der Strafe wird der Mann für acht Jahre des Landes verwiesen. Er ist deutsch-brasilianischer Doppelbürger und wird wohl zu seiner Mutter nach Deutschland ziehen.

Opfer erzählte zuerst eine andere Geschichte

«Schon ein einzelner Stich hätte den Tod verursachen können», begründete Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone die rechtliche Einstufung der Tat als versuchte vorsätzliche Tötung. Die Hintergründe bleiben unklar: Das Opfer flüchtete in jener Nacht nach Hause und behauptete im Spital zuerst, er sei in den Langen Erlen von einem Unbekannten überfallen worden. Später räumte er ein, er habe in der Pilgerstrasse Kokain kaufen wollen und sich in der Adresse geirrt.

Der Angeklagte hingegen ging von einem Einbruchsversuch aus, weswegen er den anderen Mann attackierte. Der Verteidiger machte Notwehr geltend, das Gericht wollte davon aber nichts wissen. Auch die Geschichte um einen dritten Mann mit einer Schusswaffe bleibt im Dunkeln.

Um einer Verurteilung wegen gewerbsmässigem Handel mit Drogen zu entgehen, hatte der Mann behauptet, er habe einen sehr hohen Eigenkonsum von 300 Gramm Marihuana pro Monat. Entsprechende Tests bei der Festnahme waren allerdings negativ, und das Gericht rechnete ihm vor, dass er trotz gewisser Einkünfte als Barkeeper über einen längeren Zeitraum klar über 10'000 Franken Gewinn aus dem Cannabishandel erzielt hatte.
Die Beweisführung dafür war simpel: Der Mann hatte die Einnahmen jeweils bar auf sein Konto einbezahlt. Das Urteil kann der 30-Jährige noch weiterziehen.