Dieser Tage räumt der Basler CVP-Regierungsrat Carlo Conti nach 14 Jahren sein Büro. Im Januar hatte er seinen Rücktritt bekannt gegeben, weil er Honorare falsch abgerechnet hatte. Conti war der sechste Christdemokrat in der Basler Regierung. Der fünfte CVP-Mann, Christoph Stutz, war 1996 abgewählt worden. Conti-Nachfolger Lukas Engelberger wird die CVP-Tradition diesmal ohne Bruch weiterführen. Damals hätten die Freisinnigen zu Gunsten der CVP auf einen Sitz verzichtet. «Jetzt war es eine Einer-Vakanz. Für uns sollte es ein Sitz der CVP bleiben und das ist erfreulicherweise gelungen», erklärt Conti im Interview mit der bz.

Die grösste Leistung des zurücktretenden Gesundheitsdirektors war die Verselbständigung der Spitäler. Dieser Schritt sei unerlässlich gewesen, «um die Spitäler so zu positionieren, damit sie auch in Zukunft eine gute Leistung erbringen können», meint Conti. Spitäler seien komplexe Organisationseinheiten mit sehr anspruchsvollen Arbeitsabläufen, die nicht nach politischen Kriterien organisiert werden können. «Deshalb ist die operative Eigenständigkeit sehr wichtig für die Spitäler.»

Conti kritisiert, dass in Basel ein Grundsatzentscheid aufgeschoben werde: «Auf der einen Seite streben wir danach, ein grosses Zentrum zu sein, ein Zentrum für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, mit allem was dazugehört. Das impliziert Anziehungskraft und viele Menschen, die hierher kommen. Auf der anderen Seite will man die Beschaulichkeit einer Kleinstadt bewahren. Das geht nicht beides gleichzeitig. Entweder ist man ein Zentrum, dann muss man auch Auswärtige aufnehmen können, oder man will eine Kleinstadt sein. Gerade darum ist eine S-Bahn mit dem Herzstück von zentraler Bedeutung.»

Schädliche Personifizierung der Politik

Conti plädiert für ein grossstädtisches Basel – und für eine offene Region. Öffnung heisse nicht, dass die Schweiz der EU beitreten müsse, «aber dass wir ein offenes Verhältnis gegenüber der EU haben müssen. Wir können nicht isoliert mitten in Europa leben. Die wichtigsten Fragen dürfen wir nicht isoliert für die Schweiz betrachten.»

In seiner Abschiedsrede im Grossen Rat warnte Conti davor, dass der politische Diskurs in Basel sich weg von sachlichen hin zu persönlichen Auseinandersetzungen entwickelt habe. «Ich stelle eine starke Personifizierung in der politischen Diskussion und in der politischen Berichterstattung fest», kritisiert Conti im Interview. «Man diskutiert nicht mehr unterschiedliche Lösungen, man hängt die Lösungen und Entwürfe immer an bestimmten Personen auf. Statt einer sachpolitischen Diskussion führt man dann eine personenspezifische Diskussion, die der Sache nicht gerecht wird. Auch die Medien konzentrieren sich auf einzelne Personen. Das ist eigentlich einer Demokratie wesensfremd. Ein Magistrat ist eingebunden in eine Regierung, in ein System. Die Personifizierung verbunden mit persönlichen Attacken, das ist eine Tendenz, die ich als nicht gut empfinde.»

Quasi-Nachfolge von Bernhard Heusler

Zunächst will Conti vor allem Ferien machen. Per Anfang August tritt er als Konsulent in die Anwaltskanzlei Wenger Plattner ein. «Ich kehre damit zurück zu meinem angestammten Beruf als Anwalt», begründet er den Schritt. Die bekannte Wirtschaftskanzlei gibt ihm den Infrastrukturrahmen für seine künftigen Aktivitäten. Und: «Die Kanzlei hat zudem eine Buchhaltungsabteilung, die dafür sorgt, dass alle Honorare korrekt abgerechnet sind.»

Ausführliche Fassung des Interviews mit Carlo Conti in der gedruckten Ausgabe der bz Basel oder im E-Paper.