Tourismus
Carlo Conti wünscht sich einen zusätzlichen Top-Event in Basel

Seit einem halben Jahr ist Alt Regierungsrat Carlo Conti Präsident von Basel Tourismus. Er sagt, noch fehle der Stadt etwas Essentielles. Ein weiterer Top-Event muss her.

Céline Feller
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Carlo Conti, Präsident von Basel Tourismus, wünscht sich einen zusätzlichen Top-Event im Jahres-Kalender.

Carlo Conti, Präsident von Basel Tourismus, wünscht sich einen zusätzlichen Top-Event im Jahres-Kalender.

Juri Junkov

Herr Conti, Sie sind seit gut einem halben Jahr Präsident von Basel Tourismus. Was für eine Bilanz ziehen Sie?

Carlo Conti: Ich stelle mit Freude fest, dass bei Basel Tourismus ein äusserst engagiertes Team am Werk ist, mit vielen Ideen und einer aufgestellten Art zu arbeiten. Das ist der erste spürbare Eindruck.

Sie haben vor Ihrem Antritt betont, dass es sich bei diesem Amt mehr um repräsentative Aufgaben dreht. Hat sich dies bewahrheitet?

Es ist ähnlich wie in anderen Organisationen: Der Vorstand hat eine Aufsichtsfunktion und vor allem geht es darum, Ausrichtung und Strategie für Basel Tourismus zu definieren. Das ist die Hauptaufgabe.

Wie viel Zeit nehmen diese Aufgaben in Anspruch?

Zur Person

Der 62-jährige Carlo Conti ist seit 1978, als er Geschäftsführer der CVP Basel-Stadt wurde, politisch aktiv. Zwischen 2000 und 2014 war er Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt und Vorsteher des Gesundheitsdepartements. Wegen Unkorrektheiten bei der Abrechnung seiner Honorare erklärte er 2014 seinen Rücktritt. Seither arbeitet er als Rechtsanwalt und ist Partner bei der Anwaltskanzlei Wenger Plattner.

Bis jetzt musste ich sicher mehr Zeit aufwenden als dies in Zukunft der Fall sein wird. Ich war viel im Haus, habe alle Abteilungen besucht, mir ein Bild gemacht und mehrere Gespräche mit Persönlichkeiten und Vertretern von Schweizer Institutionen geführt, die im Tourismus tätig sind. Das gehört zur Einarbeitungsphase, um richtig zu verstehen, wie das für mich neue Umfeld funktioniert. Deshalb ist es schwierig zu sagen, wie gross der Zeitaufwand nach dieser ersten Zeit sein wird.

Sie wurden damals angefragt für diese Position, obwohl Sie bislang wenig mit der Tourismus-Branche zu tun hatten. Können Sie sich vorstellen, wieso man ausgerechnet Sie wollte? Und wieso haben Sie ja gesagt?

Ich bin kein Tourismus-Fachmann und war nie in diesem Bereich tätig. Aber es ist für mich reizvoll, eine Aufgabe in einem Bereich zu übernehmen, in dem ich bisher nicht tätig war. Ich kenne die politischen Abläufe, weiss, wie man in der Öffentlichkeit kommuniziert und habe ein breites Netzwerk. Wichtig ist, dass im Vorstand Personen mit unterschiedlichen Kenntnissen aus unterschiedlichen Bereichen Einsitz nehmen. Für eine Organisation wie Basel Tourismus ist es entscheidend, dass sie breit abgestützt ist.

Konnten Sie Ihr Netzwerk denn schon nutzen?

Ja, ich denke schon. Meine Kontakte auf nationaler Ebene waren mir schon mehrfach von Nutzen in meiner Funktion als Präsident. Die wichtigsten Netzwerke und die wichtigsten Kunden von Basel Tourismus – das wird oft vergessen – sind ausserhalb von Basel, dort wo die Tourismusstadt Basel beworben werden soll. Und da hat die Organisation Basel Tourismus bereits sehr gut etablierte Kontakte.

Sie haben selber gesagt, dass Sie nicht viele Kenntnisse in der Tourismus-Branche haben. Dennoch arbeiten Sie nun an der Ausrichtung von Basel Tourismus mit. Wie geht man da vor?

Manchmal ist es gut, wenn jemand mit einem neutralen Blick an so eine Fragestellung herangeht – der stellt vielleicht am Anfang ein paar dumme Fragen, aber genau diese zwingen einen dazu, Bestehendes zu hinterfragen.

Welchen Eindruck haben Sie vom Tourismus in Basel nach einem halben Jahr?

Unsere Hauptsegmente sind der Business- sowie der Messe- und Kongresstourismus, der dritte Pfeiler ist der Freizeittourismus. Man muss sich fragen, was unsere Gäste brauchen, was ihre Bedürfnisse sind, wenn sie zu uns kommen. Natürlich auch, wie es uns gelingt, Basel als Standort für Kongresse noch besser zu vermarkten. Veranstalter brauchen attraktive Rahmenbedingungen, um einen grossen Kongress durchzuführen, bei dem viele Leute kommen, übernachten, zu Abend essen, in die Läden gehen und Geld ausgeben. Der Freizeittourismus hat sich sehr gut entwickelt. Dennoch gibt es noch Handlungsbedarf. Die Auslastung unserer Hotels am Wochenende könnte ruhig höher sein.

Ist dies das Hauptziel? Oder gibt es noch andere Dinge, die drängen?

Ich würde es so sagen: Verglichen mit dem Tourismus in den alpinen Destinationen steht der Städtetourismus nicht mit dem Rücken zur Wand, speziell in Basel nicht. Was uns im Vorstand primär interessiert, sind folgende Fragen: Was müssen wir machen, dass Basel auch in zehn Jahren noch eine attraktive Tourismusdestination ist? Was ist zu tun, um attraktiv zu bleiben für den Businesstourismus? Können wir zusätzliche Kongresse nach Basel holen? Wie entwickelt sich das Freizeitverhalten und was bedeutet das für den Tourismusstandort Basel? Das sind einige Überlegungen, die wir uns machen.

Wenn wir aber das Heute und das Morgen anschauen: Gibt es da Bereiche, in denen Basel absolut top ist?

Der Businesstourismus läuft rund. Im Messe- und Kongresstourismus lautet die Frage: Gelingt es uns, in diesem Bereich neben den grossen bestehenden Events wie der Art Basel und der Baselworld auf dem Markt zusätzlich etwas Grösseres zu akquirieren? In Bezug auf den Freizeittourismus wäre es gut, wenn eine zusätzliche attraktive Grossveranstaltung entstehen könnte, ähnlich wie das Tattoo. Kulturelle Veranstaltungen also, die unsere Hotels auslasten.

Wie definieren Sie denn Kultur?

Kultur ist für mich breit zu verstehen. Sport zähle ich auch dazu. Auch grössere sportliche Veranstaltungen gehören dazu.

Ein Europa League-Final also auch?

Zum Beispiel, ja. Die grossen Sonderausstellungen unserer Museen sind äusserst attraktiv. Sie haben eine grosse Anziehungskraft für den Tourismus und helfen uns dabei, die Stadt in aller Welt bekannt zu machen. Aber auch, wenn der FC Basel in der Europa League oder in der Champions League spielt, ist das wegen den entsprechenden Einschaltquoten eine direkte Standort- und Namenswerbung für Basel. Das ist nicht zu unterschätzen.

Sie haben Basel mit Mailand verglichen. Ist Basel wirklich auf dem Niveau einer solchen Weltstadt?

Ein Freizeittourist geht mit Vorliebe nach Paris, London oder Mailand. Diese Städte haben eine eigene Ausstrahlung, die für sich spricht. Man geht einfach hin. Das kann man von Basel nicht sagen. Wieso reist jemand nach Basel? Was uns auszeichnet, ist das kulturelle Angebot, das ist unser Markenzeichen. Man kommt nach Basel, weil man hier auf engem Raum eine grosse kulturelle Vielfalt und äusserst attraktive Veranstaltungen vorfindet.

Wo geht denn der Freizeittourist Carlo Conti in die Ferien?

Ich ergründe gerne fremde Kulturen. Natürlich bin ich auch viel im Tessin, in meinem anderen Heimatkanton.

Sie haben heute sicher auch mehr Zeit für Ferien als früher, als Sie noch Regierungsrat waren.

Ich bin selbstständiger Rechtsanwalt. Anders als früher sind die Wochenenden in der Regel frei von Verpflichtungen.

Und das geniessen Sie.

Ja.

Das heisst, Ihre Zeit in der Politik ist definitiv vorbei?

Ich bin selbstständiger Rechtsanwalt.

Aber Sie verfolgen die Politik immer noch?

Natürlich, ich bin Einwohner unseres Kantons und verfolge als Einwohner das politische Geschehen mit grossem Interesse.

Nicht mehr und nicht weniger?

Nicht mehr und nicht weniger.

Zurück zu Ihrer Aufgabe bei Basel Tourismus. Welche neuen Erkenntnisse dieser Ihnen nicht so bekannten Branche konnten Sie gewinnen?

Es ist keine einfache Situation. Viele Restaurants haben Mühe. Der starke Franken bereitet ihnen Sorgen. Die Hotellerie hat etwas weniger Mühe, aber die Hochpreisinsel Schweiz ist auch für sie ein Problem.

Glauben Sie, dass sich das in den nächsten Monaten einpendeln wird?

Die Hotellerie und die Gastronomie müssen sich überlegen, wie sie mit den veränderten Bedingungen umgehen wollen – anders geht es nicht. Viele Betriebe haben das getan, andere, vor allem in den alpinen Tourismusregionen, haben immer noch das gleiche Angebot wie vor zehn Jahren. Um in Zukunft bestehen zu können, braucht es aber innovative Ideen.

Dieses Problem sehen sie in Basel aber nicht?

Auch in Basel gibt es Veränderungen. Die Bedürfnisse der Kunden beim Mittagessen beispielsweise sind komplett anders als vor zehn Jahren. Wer isst heute schon ein dreigängiges Mittagsmenü? Wer sich nicht anpasst, plant am Markt vorbei.

Aber Sie sehen nicht schwarz für die Basler Gastro-Szene?

Nein, aber die Betriebe müssen sich den neuen Bedürfnissen anpassen. Dabei sollte man ihnen nicht zusätzliche unnötige Steine in den Weg legen. Wenn man schaut, was es für die Gastronomie alles an neuen Verordnungen zum Lebensmittelgesetz geben soll, dann würde das ausgedruckt einen so hohen Stapel geben (deutet einen Stapel in der Höhe von 20 bis 30 Zentimetern an). Wenn man die Gastrobetreiber mit solchen Auflagen noch zusätzlich belastet, dann macht man es ihnen noch schwerer, als sie es ohnehin schon haben.

Also können Sie diese vielen Auflagen überhaupt nicht verstehen?

Jeder Markt braucht Regeln, damit er richtig funktioniert. Aber die Frage ist, wie detailliert und bürokratisch man diese Regeln macht, oder ob man nicht besser einen Rahmen definiert. Das, was der Bund macht, ist deutlich mehr als notwendig.

Gibt es denn in Ihren Augen einen Weg, um diese Regeln auszudünnen?

Viele reden davon. Ich bin gespannt, ob sich wirklich etwas verändert.

Was soll sich in Basel als nächstes verändern? Was wünschen Sie sich?

Dass wir einen zusätzlichen, grösseren Event bekommen, der die Ausstrahlungskraft dieser Stadt verstärkt. Das würde uns mit Sicherheit helfen, die Stadt und die Region weiterhin gut bewerben zu können.

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