Nähkästchen
Caroline Rasser: «Man muss an das Glück glauben»

Caroline Rasser, Leiterin des Theaters Fauteuil am Spalenberg und Schauspielerin, plaudert aus unserem Nähkästchen. Über Gratwanderungen, New York und das politische Kabarett.

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Im Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Caroline Rasser «Paradies».

Im Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Caroline Rasser «Paradies».

Nicole Nars-Zimmer

Caroline Rasser, worüber reden wir?

Über das Paradies. Viele Menschen assoziieren dieses Wort mit einem Ort, träumen von einem weissen Sandstrand unter Palmen. Bei mir ist das ein wenig anders.

Wie denn?

Das Paradies hat für mich nicht zwingend mit einem ästhetischen Umfeld zu tun. Eher mit einem positiven Gefühlszustand, jenem des Glücks.

Was ist für Sie Glück?

Absolute Entspannung. Harmonische Momente mit der Familie, insbesondere meiner 21-jährigen Tochter. Wir sind ein eingeschworenes Team.

Und wo sind Sie am glücklichsten?

Immer wieder in New York. Ich liebe schon alleine den einzigartigen Duft dieser Stadt, und die Power der Menschen, die dort wohnen. Auch deren Einstellung, dass sich alles erreichen lässt, wenn man es nur will. Und natürlich erlebe ich viele Momente des Glücks, wenn ich noch unbekannte Künstler entdecke – meist in kleineren Off-Broadway-Theatern. Solche Produktionen sind eine tolle Inspiration für mich und meine Arbeit.

Das hört sich doch wie ein kleines Paradies an. Was inspiriert Sie konkret und wie setzen Sie das in Basel um?

In den kleinen Theatern erlebe ich immer wieder, wie im Schatten der räumlichen Not die Fantasie erblüht. Etwa bei den Bühnenbildern. Davon schneide ich mir jeweils ein grosses Stück für die eigenen Produktionen am Spalenberg ab. Auch, indem ich es den Theatern in New York gleichtue und unbekannte Künstler engagiere. Das ist zwar mit einem gewissen Risiko verbunden. Aber man muss an das Glück glauben.

Woher nehmen Sie diese Gelassenheit? Immerhin tragen Sie die Last des Erbes Ihres Grossvaters Alfred und Vaters Roland, der das Fauteuil vor 60 Jahren eröffnete.

Ein Privileg des Älterwerdens ist, dass ich entspannter bin. Dass ich nicht versuche, am Glück festzuhalten. Sondern es geniesse, wenn es da ist, es aber auch wieder ziehen lasse und durch unbequeme Phasen gehe. Denn ich weiss: Am Ende des Tunnels wartet wieder ein kleines Paradies. Humor und Selbstironie helfen in solchen Situationen am meisten.

Heute gibt es allerdings nicht mehr viel zu lachen auf dieser Welt. Wie spiegelt sich das im Fauteuil wider?

Das politische Kabarett spielte im Fauteuil schon immer eine zentrale Rolle. Das Weltgeschehen lassen wir in verschiedene Produktionen einfliessen, auch in unsere Vorfasnachtsveranstaltung «Pfyfferli». Momentan arbeite ich am Konzept und der Dramaturgie der nächsten Ausgabe.

Wollen die Leute nicht einfach abschalten können? Momente der Leichtigkeit erleben? Ohne ein «Aber»?

Auch. Aber nicht nur. Uns ist es wichtig, eine Balance im Programm zu finden, damit jeder das findet, wonach ihm ist. So ist die Comedy-Sparte von der Ernsthaftigkeit des Lebens und der Weltlage ziemlich befreit. Das Publikumsinteresse am politischen Kabarett ist aber mindestens so gross. Da gibt es zwar viel zu lachen, aber richtig gute Kabarettisten regen auch nachhaltig zum Denken an.

Das ist sehr anspruchsvoll. Es besteht immerhin die Gefahr, dass man ernsthafte Themen ins Lächerliche zieht.

Ja, das sind Gratwanderungen für die ganz grossen Könner des Fachs. Gerade das Thema Religion bedarf heute einer grossen Achtsamkeit.

Wohin geht das Theater derzeit? Was konkret will das Publikum sehen?

In den vergangenen Jahrzehnten wurden technische Effekte bis zum Äussersten ausgereizt. Heute spüre ich einen Trend zur Reduktion auf der Bühne, der Schauspieler steht wieder im Zentrum. Das kommt mir im Fauteuil und im Tabourettli sehr entgegen.

Das Theater ist – anders als das Kino – nicht tot?

Nein. Das Publikum sucht nach diesem direkten, fassbaren Erlebnis, dem Live-Moment, den ihnen das Fernsehen, der Computer oder das Smartphone nicht geben können. Dass sie sich 90 Minuten lang auf eine Darbietung konzentrieren, ohne die Möglichkeit zu haben, wegzuzappen.

Im Fauteuil treten Jahr für Jahr verschiedenste Kabarettisten, Sprechvirtuosen und Schauspieler auf. Wie schwierig ist es, an grosse Namen heranzukommen?

Mit gewissen Künstlern pflegen wir jahrzehntelange Beziehungen. Sie kehren immer wieder auf unsere Bühnen zurück. Bei anderen dauert es. Gerhard Polt etwa haben wir über zehn Jahre immer wieder angefragt, bis er endlich hier auftrat. Das war ein paradiesischer Moment, als er auf unserer Bühne stand und lospolterte!

Und wen wünschen Sie sich heute auf Ihrer Bühne?

Den Liedermacher Konstantin Wecker: Mir schwebt ein kleines, sehr intimes Konzert im Tabourettli vor. Das wird wahrscheinlich nie zustande kommen. Aber träumen darf man ja noch.