Carsharing-Dienst
«Catch a Car» ist eine Blackbox

Der Carsharing-Dienst «Catch a Car» spricht von einem erfolgreichen Pilotversuch in Basel. Ob und wie häufig die Basler Carsharing nutzen, sagt der Anbieter nach Abschluss des Pilotprojekts aber nicht.

Samuel Hufschmid
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Die «Catch a Car»-Zone wurde während des Pilotversuchs mehrfach erweitert. Wie viele Autos an den Randzonen abgestellt und von Mitarbeitern umparkiert werden müssen, ist «Geschäftsgeheimnis». Screenshot Catchacar.ch am 13. April 2016

Die «Catch a Car»-Zone wurde während des Pilotversuchs mehrfach erweitert. Wie viele Autos an den Randzonen abgestellt und von Mitarbeitern umparkiert werden müssen, ist «Geschäftsgeheimnis». Screenshot Catchacar.ch am 13. April 2016

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Die Mobility-Tochter «Catch a Car» hat gestern Bilanz gezogen über den knapp zweijährigen Pilotversuch in Basel und bekannt gegeben, dass das Angebot nahtlos weitergeführt wird. Gleichzeitig wurde kommuniziert, dass im Sommer mit dem VW-Importeur Amag und dem Versicherungskonzern Allianz zwei finanzkräftige Partner als Investoren einsteigen. Der angebliche Erfolg des Pilotversuchs wurde jedoch nicht mit konkreten Zahlen, sondern lediglich mit einer durch die ETH realisierten Studie (siehe Box) belegt – Fragen zur tatsächlichen Nutzung der Autos und zu deren Verteilung wurden nicht beantwortet, weil es sich dabei um ein «Geschäftsgeheimnis» handle, sagte Leiterin Silena Medici. Sie könne lediglich sagen, dass sich bereits über 5000 Nutzer registriert haben und dass die durchschnittlich gefahrene Strecke pro Fahrt sieben Kilometer betrage.

Angst vor Konkurrenz

Hintergrund dieser Kommunikationsverweigerung ist die Angst vor ausländischen Konkurrenten, die meist in der Hand von grossen Autoherstellern sind und bereits in vielen europäischen Städten funktionierende Sharing-Angebote aufgebaut haben. Diese könnten ihre Konzepte jederzeit auf weitere Städte erweitern und auch in die Schweiz expandieren. «Wir haben mit dem Pilotprojekt viele spezifische Erkenntnisse über Carsharing in der Schweiz gewonnen, die wir aus verständlichen Gründen nicht mit der internationalen Konkurrenz teilen wollen», sagt Mobility-Geschäftsführer Adamo Bonorva. «Dabei hat sich gezeigt, dass Städte in der Schweiz mit ihrer überschaubaren Grösse und dem hervorragenden öV-Angebot nicht mit einer Stadt wie Berlin verglichen werden können.» Entsprechend spannend sei es gewesen, zu überprüfen, ob stationsungebundenes Carsharing in einer Schweizer Stadt überhaupt funktioniere. «So gesehen sind wir sehr zufrieden mit dem Pilotversuch, das Angebot wurde gut aufgenommen und wird gut genutzt, insbesondere bei jungen, urbanen Personen», sagt Bonorva.

363 Autos weniger auf Basels Strassen

Eine Begleitstudie der ETH zum «Catch a Car»-Pilotprojekt in Basel bescheinigt gemäss einer «qualifizierten Schätzung», dass sich die Privatfahrzeugnutzung um jährlich 560 000 Kilometer verringert hat. Das entspricht 363 Autos. Dadurch seien 45'000 Liter Treibstoff pro Jahr respektive 104 Tonnen CO2 eingespart worden. Die Zahlen beruhen auf insgesamt 2500 Interviews sowie rund 400 Mobilitätstagebüchern, die das Mobilitätsverhalten der Studienteilnehmer während einer Woche via Smartphone-App aufzeichnete. «Die App hätte benutzerfreundlicher sein können», gestand ETH-Forscher Francesco Ciari auf Nachfrage ein.

Ein Blick auf Berlin zeigt, dass die Angst vor Konkurrenz durchaus verständlich ist. Nicht weniger als fünf Anbieter kämpfen in der Deutschen Hauptstadt um Marktanteile, darunter Angebote von Schwergewichten der Automobilbranche wie Mercedes, BMW/Sixt und Opel.

Gleiches Recht für alle Anbieter

Die Basler Regierung, deren «Erwartungen um einiges übertroffen worden sind», wie Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels an der Medienorientierung sagte, hat denn auch bereits entschlossen, die für das Pilotprojekt erarbeitete Sonderlösung fürs Parkieren in der blauen Zone in die Parkierungsverordnung zu schreiben. Damit gilt diese Regelung künftig für alle Freefloating-Anbieter, wie Wessels auf Nachfrage bestätigt. «Für den dreifachen Preis einer Anwohner-Parkkarte erhalten alle interessierten Carsharing-Anbieter die Möglichkeit, dass ihre Fahrzeuge in allen Zonen unbeschränkt abgestellt werden können – was für den Kanton sogar zusätzliche Einnahmen generiert.»

Keine Expansion in Basel

Eine Ausweitung des Angebots in der Region ist seitens «Catch a Car» derzeit nicht geplant. Bereits während der Pilotphase wurde die Carsharing-Zone um die Gemeinden Allschwil, Binningen, Riehen, Birsfelden und Muttenz ergänzt, gleichzeitig wurde die Anzahl Fahrzeuge um 20 auf 120 erhöht. «Wir sind eigentlich mit zu vielen Autos in einer zu kleinen Zone gestartet, sodass nicht bei jeder Erweiterung zusätzliche Fahrzeuge bereitgestellt werden mussten», sagt Medici. Wenn es aber zu einer erneuten Vergrösserung des Gebiets komme, dann würde auch das Aufstocken des Fuhrparks erneut überprüft. Geplant sei hingegen eine Expansion in andere Schweizer Städte.

«Pilotversuch kostet Basel-Stadt keinen Rappen»

Hans-Peter Wessels, hat die Regierung die genauen Nutzungszahlen gekannt, als die Anpassung der Parkierungsverordnung beschlossen wurde?

Hans-Peter Wessels: Nein, wir respektieren, dass diese Zahlen von «Catch a Car» nicht herausgegeben werden. Das ist auch gar nicht nötig, denn sowohl das Pilotprojekt wie auch die Weiterführung kostet Basel-Stadt keinen Rappen.

Das erstaunt schon fast, wenn man sieht, was der Kanton sonst in nachhaltige Mobilität investiert, etwa beim öffentlichen Verkehr.

Wir sind der Überzeugung, dass private Anbieter das besser können. Carsharing bedeutet vor allem auch eine funktionierende und benutzerfreundliche IT-Infrastruktur. Das können Anbieter wie Mobility mit jahrelanger Erfahrung sicher besser als die Behörden. Zudem glaube ich nicht, dass die Bereitstellung von Carsharing zu den Aufgaben des Kantons gehört.

Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen des Pilotversuchs und was bedeutet es für Basel, dass das Angebot nun fortgesetzt wird?

Unsere Erwartungen wurden übertroffen, «Catch a Car» hat sich zu einem selbstverständlichen Teil der urbanen Mobilität in Basel entwickelt und wird von den Einwohnern geschätzt. Da das Angebot auto- und verkehrsreduzierend wirkt, führen wird die Zusammenarbeit sehr gerne fort. Bei der Auswahl der Pilot-Stadt waren wir schon fast ein wenig stolz, dass wir berücksichtigt worden sind, und das sind wir weiterhin.

Dennoch haben Sie die Parkierungsverordnung bewusst offen formuliert und nicht etwa eine «Lex Catch-a-Car» eingeführt.

Das ist so. Jeder Anbieter soll in Basel von denselben Rahmenbedingungen profitieren können, wie dies aktuell «Catch a Car» tut.

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