St. Jakob-Park

Center-Leiter Daniel Zimmermann: «Wir hätten auch gerne eine Surf-Welle»

Sieben Meter über ihm liegt der Penalty-Punkt vor der Muttenzer-Kurve: Daniel Zimmermann posiert in «seinem» Einkaufszentrum St. Jakob-Park.

Wie Daniel Zimmermann die Kundschaft seines Shopping-Centers bei Laune halten will.

In den letzten Tagen war es richtig warm. Warum sollte jemand in ein Einkaufszentrum gehen, wenn er doch auch draussen an der Sonne sein kann?

Daniel Zimmermann: Gerade wenn es schön ist, sollten die Leute zu uns kommen. So können sie das schöne Wetter noch mehr geniessen.

Das müssen Sie erklären.

Einkaufen muss man immer, unabhängig vom Wetter, zumindest Lebensmittel. Bei uns ist das relativ einfach möglich. Wir sind keines dieser riesigen Shopping-Center, in denen man sich verirrt. Die Wege sind kurz – von daher: Man sollte uns erst recht einen Besuch abstatten, wenn die Sonne scheint. Dann spart man Zeit und ist rasch wieder draussen und kann das schöne Wetter geniessen.

Die Umsätze der Einkaufszentren in der Schweiz stagnieren oder sinken sogar. Der Einkaufs-Tourismus ins nahe Ausland gräbt ihnen das Wasser ab, vor allem aber das Online-Shopping. Ist die Zeit der grossen Einkaufszentren vorbei?

Shopping-Center wird es immer geben, davon bin ich überzeugt. Aber wir müssen uns anpassen. Unsere Vision: Die Kunden besuchen ein Einkaufszentrum, weil sie ein gutes Erlebnis haben wollen – das Einkaufen tätigen sie nebenbei. Bei uns können die Kunden alles in einem Zug erledigen. Einkaufen, aber auch einen Kaffee trinken, etwas essen, Freunde treffen, bei einem Gewinnspiel mitmachen, Spass haben. Das alles auf so engem Raum bietet nur ein Shopping-Center.

Die Mall of Switzerland in Ebikon will mit einer künstlichen Surf-Welle die Massen anlocken. Mit mässigem Erfolg, das Center bekundet Mühe. Das Einkaufszentrum St. Jakob-Park bietet über 50 Läden sowie Cafés und Restaurants, aber keine Kinos – und schon gar keine Surf-Welle.

Wir hätten auch gerne eine Surf-Welle. Doch dafür fehlt uns schlicht der Platz. Über uns ist die Seniorenresidenz Tertianum, auf der Rückseite das Stadion, und weiter in den Boden geht es nicht. Aber auch wir haben ein neues Highlight. In Kürze bauen wir eine Rutschbahn ein, vom 1. ins 2. Untergeschoss. Da werden Kindheitserinnerungen wach: Franz-Carl-Weber in der Freien Strasse zum Beispiel hatte solch eine Kinderrutsche. Wir wollen das Bahn-Ende beim Café Da Graziella platzieren. Die Kleinen können rutschen, Mama und Papa geniessen einen Kaffee.

Wie schaut ein Shopping Center in zehn Jahren aus?

Wenn das irgendjemand wüsste! Die entscheidende Frage ist: Werden die Läden überhaupt noch vor Ort Waren anbieten? Oder können die Kunden ihr Produkt zwar im Geschäft auswählen, produziert wird es aber woanders? Das sähe dann so aus: Ich gehe in den Schuhladen und stelle mir meinen eigenen Joggingschuh zusammen – mit meinen Farben, meinem Design und mit meiner Unterschrift an der Ferse.

Die Daten werden an einen 3-D-Drucker übermittelt und sofort produziert. Wenn ich nach Hause komme, ist mein Schuh schon da, von einer Drohne angeliefert.

Das Einkaufszentrum braucht es dazu nicht. Den Schuh nach Hause bestellen kann ich bequem per Smartphone.

Schon heute muss doch niemand mehr sein zu Hause verlassen, um einzukaufen. Ein T-Shirt kann ich online bestellen. Doch der Mensch sucht den Kontakt. Irgendwann sagt man sich doch: Ich will nicht immer zu Hause vor all den Bildschirmen hocken, sondern Freundschaften pflegen. Wir bieten den passenden Rahmen dazu.

Der Stücki-Park, der wie der St. Jakob- Park von Wincasa gemanagt wird, verfolgt eine andere Strategie als der St. Jakob-Park: weg vom reinen Shopping, hin zu einer Mix-Zone, inklusive Fitness, Multiplex-Kino, Praxen, Büros, Coworking-Spaces und so weiter. Warum bleiben Sie beim Schwerpunkt Einkaufen?

Unsere Nachbarschaft entwickelt sich dynamisch. Auf dem Dreispitz und im Gebiet auf dem Wolf entsteht viel Neues. Muttenz plant auf dem Hagnau-Areal nur wenige hundert Meter östlich von uns mehrere Wohntürme. All diese neuen Bewohner wollen wir abholen. Dann ist auch unsere Verkehrslage nicht vergleichbar. An uns kommt man nicht vorbei, wenn man nach Basel fährt. Wir liegen am Autobahn-Kreuz A 2/A 18, sind auch mit Tram und Bus bestens erschlossen. Mit dieser Ausgangslage macht unsere Strategie Sinn.

Sie haben aber auch einen Standortnachteil: Der St. Jakob-Park liegt auf Stadtboden. Wäre er auf der anderen, der Münchensteiner Strassenseite, könnte er länger geöffnet sein.

Das hätte durchaus Vorteile. Dann hätten wir nicht nur unter der Woche, sondern auch am Samstag bis 20 Uhr geöffnet statt nur bis 18 Uhr. Unsere Spiesse wären gleich lang wie jene der Konkurrenz im Baselbiet, aber auch wie jene der Zentren in Deutschland und Frankreich. Das Basler Stimmvolk will von den zwei zusätzlichen Stunden am Samstag aber nichts wissen – die jüngste Vorlage scheiterte im letzten November. Doch ich will nicht jammern. Bei uns läuft es rund. Andere Faktoren machen den Nachteil mehr als wett.

Das Shopping-Center St. Jakob-Park wird in diesem Jahr volljährig. Wird es zum 18. eine Geburtstagsfeier geben?

Nein. Den 20. Geburtstag im 2021 werden wir jedoch zelebrieren.

Meistgesehen

Artboard 1