Bahnhof-Überdeckung
Central-Park-Gegner: «Das Projekt ist keine Vision, sondern reine Illusion»

Das Komitee «Nein zum Centralpark Basel» fährt ihre Geschütze auf: Die Vision einer Bahnhofüberdachung mit Grünfläche mache zwar einen sympathischen Eindruck, aber schon heute sei klar, dass das Projekt nicht machbar sei.

Stefan Schuppli
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Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.
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Der Bahnhof Basel wie ihn Donald Jacob sich vorstellt.
Ein Treffpunkt für Jung und Alt
Der Park soll über den SBB-Geleisen gebaut werden.
Die Züge fahren somit unterirdisch.

Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.

Zur Verfügung gestellt

Fast unisono waren sich die Anwesenden des Komitees «Nein zum Central Park Basel» an der Medienpräsentation einig: «Auf den ersten Blick vermittelt das Projekt einen sympathischen Eindruck. Nur: bei genauerer Betrachtung erweise sich das Vorhaben Central Park als «absolut unrealistisch». Harte Worte. «Es kann so nicht gebaut werden», sagt Komitee-Co-Präsident Heiner Vischer (Grossrat LDP).

In der Öffentlichkeit herrsche die Meinung vor, dass bei einer Annahme der Initiative der Regierungsrat verpflichtet sei, eine Machbarkeitsstudie zum «Centralpark Basel» auszuarbeiten. Dies sei aber falsch, denn bei einer Annahme würde der Grosse Rat die unformuliert eingereichte Initiative ausformulieren müssen und dann dem Stimmvolk nochmals zur Abstimmung vorlegen.

An oberster Stelle der Gegner-Argumente ist das Fakt, dass es sich um Gelände im Eigentum der SBB handelt und diese das Projekt ablehnt, sagte Grossrätin Dominique König-Lüdin (SP). Das sei mit ein Grund, warum sie von Beginn weg gegen das Projekt gewesen sei. Im Westen des Bahnhofs plane die SBB Schienenverschiebungen. Die Stützen eines «Centralpark Basel» würden einer solchen weiteren Entwicklung des Bahnhofs entgegenstehen. Und im Süden kämen zwei Geleise neu dazu. Auch das sogenannte «Herzstück» (unterirdische Verbindung Bahnhof SBB - Badischer Bahnhof) wäre viel schwieriger zu bauen.

«Irreführende Visualisierungen»

Auf den Visualisierungen würde die Meret-Oppenheim-Strasse fehlen, beanstandete Christian Egeler (FDP). «Wird die einfach aufgehoben?» Zudem seien die Niveauunterschiede nicht berücksichtigt. Auf der Seite des Elsässerbahnhofes müsse eine Rampe gebaut werden, die viel zu steil sei, sagte er. Diese Rampe käme genau in die Ausfahrt des Parkhauses zu liegen. Ausserdem sei der geplante Anschluss an den Elsässerbahnhof aus denkmalschützerischen Gründen ausgeschlossen.

Die Baukosten würden sehr hoch, ist Architekt Christoph Gantenbein überzeugt. «Bei den Architekten läuten die Alarmglocken, wenn ein Betrieb aufrecht erhalten werden muss.» Die SBB würden sicher Forderungen stellen, wenn sie sich überhaupt auf Diskussionen einliessen. Die Befürworter operieren mit Baukosten in der Grössenordnung 86 Millionen, die Gegner sprechen von 300 bis 400 Millionen. Egeler: «Bauen kann man alles, aber dann kostet es.»

Egeler sprach auch städtebauliche Probleme an. «Das ist kein Park.» Es sei eine Überdachung acht Meter über den Geleisen, dann käme ein Meter Beton und dann müssten mehrere Meter Humus aufgeschichtet werden. «Sonst haben wir einen Betontrögli-Park.» Die geplanten Sicht-Schlitze müssten mit Gitter versehen werden und so weiter.

Neuer Un-Ort?

All das berge das Risiko eines neuen Un-Ortes, der dann wieder zum Magnet problematischer Personengruppen werden könne. In Paris, bei der Metrostation Les Halles, würde ein solcher künstlicher Park zurückgebaut, wusste Gantenbein.

Interessanterweise outeten sich gestern Engeler und Nein-Komitee-Mitglied Bruno Jagher (SVP) als ehemalige Unterstützer des Projekts. Sie sind jetzt vehemente Gegner. Das sind oft die härtesten.