An der Idee einer parkähnlichen Überdachung der Geleise am Bahnhof SBB scheiden sich in Basel die Geister. Und für einmal verlaufen die politischen Trennlinien vor der Abstimmung am 22. September nicht entlang des gewohnten Links-Rechts-Schemas, sondern quer durch die Parteien.

Dies hat mehrere Gründe: Die Volksinitiative des Landschaftsarchitekten Donald Jacob ruft in jeder Partei Realisten und Visionäre auf den Plan.

Eine Rolle spielt ferner der Wohnort der Politiker: Im Gundeldinger Quartier, das seit Jahren für eine bessere Anbindung an die Stadt kämpft, ist die Zustimmung zur Idee eines Parks zwischen Bahnhofpasserelle und Margarethenbrücke besonders gross.

An der Delegiertenversammlung der SP am Montagabend zeigte sich noch eine weitere interessante Konfliktlinie: Jene zwischen Stadtentwicklung und Ausbau des Öffentlichen Verkehrs.

SBB-Widerstand kein Grund für Nein

Die Sozialdemokraten fassten letztlich keine Parole, nachdem in der Abstimmung zuvor mit 34 gegen 33 Stimmen bei 13 Enthaltungen ein hauchdünnes Mehr für die Initiative zustande kam.

Zuvor lieferten sich die beiden SP-Schwergewichte Beat Jans (Nationalrat) und Hans-Peter Wessels (Regierungsrat) ein unterhaltendes Wortgefecht. Dabei präsentierte sich Jans als der Visionär, der mit Argumenten zur Stadtentwicklung für die Idee warb.

Als Ausgleich zur begrüssenswerten Verdichtung mit Hochhäusern benötige Basel neue Grünflächen. Das rund 40 000 Quadratmeter grosse Gleisvorfeld am Bahnhof SBB böte eine einmalige Gelegenheit, mitten in der Stadt eine grosse Grünfläche zu schaffen.

Dass sich die SBB gegen das Projekt stemmen würden, sei deren gutes Recht; dies dürfe aber politisch kein Argument für ein Nein zur Initiative sein: «Die SP ist die letzte Partei, welche die Stadtentwicklung den privaten Landeigentümern überlässt», nahm Jans die Genossinnen und Genossen in die Pflicht. Er zeigte sich überzeugt, dass sich die SBB bewegen würden, sollte das Basler Stimmvolk am 22. September ein klares Signal senden.

Andere Grün-Projekte sinnvoller

Ganz anders argumentierte der zuständige Baudirektor Wessels, der in dieser Frage die Rolle des Realisten einnahm: «Die Initianten streuen den Stimmbürgern Sand in die Augen.» Der Vorschlag sei weder juristisch noch bautechnisch realisierbar.

Wessels verwies zudem auf die hohen Kosten: Egal, ob man wie die Initianten 90 Millionen oder wie der Kanton mehrere Hundert Millionen Franken für die Überdeckung der Geleise veranschlage - mit diesem Geld liessen sich anderswo in der Stadt mehrere, wenn nicht Dutzende Grünflächen aufwerten oder neu realisieren.

Als Vergleich nannte Wessels den Elisabethenpark beim Bahnhof SBB, dessen Umgestaltung 3,5 Millionen Franken gekostet habe. Wessels ist ferner davon überzeugt, dass eine Überdeckung die Entwicklung des Bahnhofs massiv erschwere.

So sehe die von den Basler Bundesparlamentariern befürwortete Vorlage zur Finanzierung und zum Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) zwei neue Geleise am Bahnhof SBB vor. «Mit einem Dach ist das unmöglich», stellte Wessels klar.

In diesem Punkt regte sich Widerspruch: Grossrätin Dominique König sekundierte Wessels und betonte, dass mit einem Central Park das Herzstück der Regio-S-Bahn gefährdet sei. Demgegenüber meinte alt Regierungsrat Remo Gysin, der Bahnhofausbau sei technisch auch mit Überdachung locker machbar.
Unverschämte Forderungen

Die angeregte Debatte förderte schliesslich noch ein weiteres Argument zutage, weshalb sich zur Park-Idee, die grundsätzlich alle sympathisch finden, auch bei der SP grosser Widerstand regte: Grossrat Philippe Macherel verwies darauf, dass die Vertreter der Initiativkomitees bei der Beratung in den zuständigen Kommissionen unverschämte Forderungen gestellt hätten.

Demnach müsste der Kanton auf einen Wettbewerb und ein Varianz-Verfahren verzichten. «Nur ihr Projekt dürfte realisiert werden. Das ist nicht akzeptabel», ärgerte sich Macherel.

Auch Regierungsrat Wessels sprach davon, dass sich das Komitee in den Hearings «unmöglich positioniert habe.» Komitee-Mitglied Remo Gysin verwies demgegenüber darauf, dass der Name «Central Park» nicht geschützt sei. «Es darf bei einem Ja selbstverständlich auch ein anderes, dem vorliegenden Vorschlag ähnliches Projekt realisiert werden.»