Öffentlicher Verkehr

Centralbahnplatz: Bauarbeiten doch schon ab Ende Woche – Bewilligung fehlt aber noch immer

Am Basler Centralbahnplatz soll doch schon Ende März gebaut werden. Alt Grossrat Urs Müller will seine Beschwerde zurückziehen, vorbehältlich dessen, dass auch Inclusion Handicap die ihrige aufgibt. Dafür soll das «Euler-Gleis» gebaut werden.

Plötzlich soll nun alles ganz schnell gehen. Bereits ab Donnerstag wird der Centralbahnplatz zur Grossbaustelle. Bis Mitte Mai soll die westliche Hälfte des Platzes generalsaniert werden, mit massiven Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr. Später soll die zweite Hälfte folgen.

Am Donnerstag beginnen die Vorbereitungsarbeiten, nächste Woche sollen dann die Bagger auffahren. Allerdings liegt auch wenige Tage vor dem Start des Grossprojektes noch keine Baubewilligung vom Bundesamt für Verkehr (BAV) vor.

Noch immer blockieren zwei Einsprachen das Verfahren. Der Behindertenverband Inclusion Handicap hatte beim BAV moniert, dass die Pläne des Bau- und Verkehrsdepartements und der BVB gravierende Mängel punkto Gleichstellung hätten. Und auch der frühere Basta-Grossrat Urs Müller hat beim Bund interveniert, weil die Planer nur die alten Gleise ersetzen wollen und die Sicherheit nicht verbessert werde. «Wir sind zuversichtlich, dass die Baubewilligung demnächst kommt», sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements.

An der offiziellen Medienorientierung wurde noch einmal betont, dass aufgrund der späten Einreichung des Baugesuchs das Baubewilligungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Vorbehältlich dieser Bewilligung starten die eigentlichen Bauarbeiten in der ersten Aprilwoche. Die erste Bauphase dauert bis zum 12. Mai. 

Tatsächlich sieht es so aus, als ob bei den Einsprachen eine Lösung gefunden wurde. Am Montag verkündete das Bau- und Verkehrsdepartement, dass man sich geeinigt habe. «Die Anliegen der Behindertenorganisationen konnten praktisch vollumfänglich berücksichtigt werden», sagt Sprecher Marc Keller. Geplant ist die Erhöhung der Tramperrons, sodass künftig stufenloses Ein- und Aussteigen möglich ist und bessere Orientierungshilfen für sehbehinderte Menschen.

Stand Montagabend hat Inclusion Handicap seine Einsprache aber noch nicht zurückgezogen. Offenbar will der Verband im Laufe der Woche entscheiden. Davon macht auch Müller den Rückzug seiner Einsprache abhängig.

Auf ganzer Linie durchgesetzt

Damit Müller einlenkte, musste Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) in einem entscheidenden Punkt nachgeben: dem sogenannten Euler-Gleis. Auf diesem neuen Gleisabschnitt soll das 8er-Tram künftig in Richtung Aeschenplatz abbiegen (Grafik oben). So würde die Linie nicht mehr vor dem Bahnhofseingang den Platz queren.

Müller hatte seinen Vorschlag, den er gemeinsam mit Fachpersonen ausgearbeitet hatte, Anfang Jahr öffentlich gemacht hat. Die Pläne stiessen allerseits auf Wohlwollen. Politiker von links bis rechts forderten, das Euler-Gleis möglichst schnell zu planen. Eine entsprechende Motion wurde vergangene Woche im Parlament ohne Gegenstimme an die Regierung überwiesen.

Wessels und seine Verkehrsplaner allerdings stemmten sich seit Beginn der Debatte konsequent gegen das Eulergleis. Es sei baulich komplex und hätte erhebliche Nachteile für alle Verkehrsteilnehmenden.

Der Sinneswandel kam offenbar anfangs vergangene Woche. Die bz hatte aufgezeigt, dass Müller mit seiner Einsprache zwar nicht allzu grosse Chancen haben dürfte, aber das Grossprojekt um Monate verzögern könnte. Für das Tiefbauamt und die BVB eine Katastrophe.

Seit Monaten hatten sie das Grossprojekt geplant und mit anderen Baustellen koordiniert. Dass dabei allerdings nicht nur die Baubewilligung erst auf den letzten Drücker organisiert wurde, zeigte sich am Montag erneut. Erst jetzt wurde im Kantonsblatt der Zuschlag für die Sicherheitsfirma, die den Verkehr regeln soll, publiziert.

Offenbar erwies sich Müllers Einsprache kombiniert mit dem klaren Signal aus dem Parlament als derart gutes Pfand bei den Verhandlungen, dass Wessels auf der ganzen Linie nachgeben musste.

Im Gegenzug zum Rückzug der Einsprache werde das Bau- und Verkehrsdepartement ein Projekt für das Euler-Gleis ausarbeiten und noch dieses Jahr dem Grossen Rat unterbreiten, so die Medienmitteilung. Dieses Zugeständnis ist mehr als bemerkenswert, zumal noch nicht einmal der Gesamtregierungsrat diese Pläne abgesegnet hat. Bisher hatte Wessels immer argumentiert, dass die Planung des neues Gleises lange dauern werde. Nun wird dem Projekt im Departement «höchste zeitliche Priorität» eingeräumt.

«Glücklich und skeptisch»

Müller hofft darauf, dass das Euler-Gleis vielleicht schon nächstes Jahr gebaut werden könnte, zumal auch das Bundesamt für Verkehr die Bereitschaft signalisiert habe, das Projekt zu beschleunigen. «Ich bin sehr glücklich, dass es offenbar gelingt, noch dieses Jahr ein pfannenfertiges Projekt zu erstellen», sagt Müller.

«Aufgrund meiner Erfahrung mit dem Departementsvorsteher bin ich aber immer noch skeptisch, dass das Ganze am Ende wirklich so umgesetzt wird.» Er werde deshalb an dem Thema dran bleiben, so Müller.

Meistgesehen

Artboard 1