Ärgernis

Centralbahnplatz: Zwanzig Meter Gleis sollen die gefährlichste Haltestelle der Schweiz entwirren

Statt nur die Gleise zu erneuern, soll der Centralbahnplatz von Grund auf überdenkt werden, fordert Urs Müller. Und macht selber einen konkreten Vorschlag.

Seit der Centralbahnplatz vor fast zwei Jahrzehnten umgestaltet wurde, ist die Situation vor dem Bahnhof SBB ein Dauerthema. Der Spiessrutenlauf zwischen Trams, Bussen und Velos ist auch für geübte Pendler eine Herausforderung. Zwischen 2010 und 2016 wurden mindestens zehn Fussgänger von einem Tram angefahren, zwei dabei schwer verletzt. Damit gilt der Centralbahnplatz als die gefährlichste Haltestelle der Schweiz.

Nun startet der frühere Basta-Grossrat Urs Müller einen neuen Versuch. «Ich bin politisch im Ruhestand und wollte zuerst eigentlich nichts machen», sagt er. Aber obwohl in den letzten Jahren eine Reihe von politischen Vorstössen zur Verbesserung der Situation eingereicht wurde, habe sich bisher kaum etwas getan. «Dabei könnte die Situation mit einer eigentlich kleinen Massnahme deutlich verbessert werden», sagt Müller, der seine Idee mit Fachleuten entwickelt hat.

Die Linienführung auf dem Centralbahnplatz soll grundlegend vereinfacht werden. Eine Reduzierung der Gleise und eine Entflechtung der Tramlinien sollen eine bessere Übersichtlichkeit des Platzes und mehr Sicherheit für die rund 100 000 Personen bewirken, die täglich über den Platz gehen.

«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt»

Der Kern des Vorschlags: Die Tramlinien 1 und 8, die von der Markthalle herkommend direkt vor dem Bahnhofseingang den Platz queren, sollen umgeleitet werden. Dadurch würde für die Fussgänger, die aus dem Bahnhof auf den Platz strömen, eine grosse verkehrsfreie Fläche entstehen. Bei der Linie 1 ginge dies relativ einfach. Statt zu wenden, könnte diese einfach via Kirschgarten, Wettsteinbrücke zum Badischen Bahnhof weitergeführt werden, wie dies bereits zu den Stosszeiten gemacht wird.

Ein bisschen komplizierter ist es bei der Linie 8. Diese soll den Centralbahnplatz in Richtung Aeschenplatz künftig auf einem kurzen neuen Gleis am unbelebten nördlichen Ende queren – parallel zum 8er aus der Gegenrichtung. «Zwanzig Meter Gleis würden ausreichen, um die Situation deutlich zu verbessern», sagt Müller.

Ein weiterer Vorteil: Die separate Haltestelle für die Linien 1 fiele weg. Das würde auch die brenzlige Situation auf dem engen, oft überfüllten Perron der Linie 10 und 11 entschärfen. Unter dem Strich würde ein erheblicher Teil der bisherigen Gleise überflüssig (Karte rechts). Der Centralbahnplatz würde deutlich aufgeräumter und übersichtlicher. Der Nachteil für die BVB sei weniger Flexibilität. Die Vorteile würden aber klar überwiegen, ist sich Müller sicher.

Dass er seine Idee gerade jetzt publik macht, hängt damit zusammen, dass die BVB ab kommenden März den Centralbahnplatz ohnehin während Monaten in eine Grossbaustelle verwandeln. Alle Gleise sollen ausgetauscht und die Tramperrons erhöht werden. Doch auch wenn sein Vorschlag für die bevorstehenden Bauarbeiten zu kurzfristig sein sollte, könne die Idee auch später noch umgesetzt werden, betont Müller.

Michael Wüthrich, Präsident der Kommission für Umwelt, Verkehr und Energie, sagt: «Die Bauarbeiten wären genau der richtige Zeitpunkt, um den ganzen Platz neu zu denken.» Stattdessen würden die Verwaltung und die BVB einfach eine Bestandserneuerung vollziehen. «Man macht eine Feuerwehrübung statt seriöser Arbeit.» Der grüne Verkehrspolitiker ist von der Idee Müllers begeistert: «Das ist ein super Vorschlag, und es wäre sehr schade, wenn diese Chance verpasst wird.»

«Wendeschlaufen sind nötig»

Daniel Hofer vom Bau- und Verkehrsdepartement sagt in einer ersten Einschätzung: «Ein solcher Vorschlag ist seit der letzten Umgestaltung des Centralbahnplatzes vor bald 19 Jahren nicht in Betracht gezogen worden.» Das Ziel – eine Entflechtung der Tramlinien auf dem Centralbahnplatz zur besseren Übersichtlichkeit für Fussgänger – sei aber durchaus ein Thema. So gebe es Pläne, die Linie 8 via Elisabethenstrasse direkter ins Kleinbasel zu führen zugunsten einer schnelleren Verbindung zwischen Klybeck und Bahnhof SBB sowie einer Entlastung der Achse Barfüsserplatz–Schifflände. Damit müsste die Linie 8 nicht mehr quer über den Centralbahnplatz fahren.

Auch soll der Bahnhof SBB einen weiteren Perronzugang auf der Westseite erhalten. Dazu werde ein neuer öV-Umsteigeknoten mit einem direkten Bahnhofszugang geschaffen. Dies diene auch der Entlastung des Centralbahnplatzes. «Und auch wenn Wendeschlaufen im täglichen Betrieb nicht oft genutzt werden, sind sie dennoch notwendig und sinnvoll, zum Beispiel wenn Tramlinien während der Fasnacht, bei Baustellen oder Streckenblockierungen umgeleitet werden müssen», sagt Hofer.

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