«Kirmes verbannt Pony-Karussell», titelte neulich eine deutsche Zeitung. In Basel macht das Gegenteil Schlagzeilen: «Herbstmesse wieder mit Ponyreiten!» Wieder? Waren die Tierchen je weg? Ja, das waren sie. Und zwar aus tierschützerischen Überlegungen heraus.

In den vergangenen Jahren fanden die Messeverantwortlichen keinen Ponyanbieter mehr, der die Auflagen des Veterinäramtes erfüllt und den Tieren genug Pausen angeboten hätte. Dies sei nun aber wieder der Fall, sagte der Basler Messechef Daniel Arni am Dienstag bei seiner Präsentation der «Mäss»-Neuheiten. Kantonstierarzt Michel Laszlo bestätigt dies auf Anfrage. Das Veterinäramt habe das Pony-Karussell bewilligt und werde vor Ort überprüfen, ob alle Auflagen eingehalten werden. Aus Behördensicht also alles im grünen Bereich.

Nicht so für die Tierschützer um Olivier Bieli. Den Initianten der Aktion «Für eine Basler Herbstmesse ohne Tierleid» reichen Bewilligungen und Auflagen nicht. Sie wollen keine Ponys mehr sehen auf dem Petersplatz und generell an der «Mäss». «Die Tiere leiden unter dem Lärm, unter der Monotonie, der sie ständig ausgesetzt sind und unter jenen Kindern, die einen korrekten Umgang mit Tieren noch nicht kennen», sagt Olivier Bieli. Bereits an der Fasnacht kämpfte der Basler Polizist gegen Chaisen, also Pferdekutschen – dort allerdings erfolglos.

Das hält ihn nicht von einem weiteren Versuch ab, ein Verbot für Tiere an lauten Veranstaltungen mit vielen Menschen zu erzwingen. Immerhin hat er an der Fasnacht einen Teilsieg errungen: Pferde, die am Cortège teilnehmen, werden seit vergangener Fasnacht aus der Route genommen und einem tierärztlichen Schnellcheck unterzogen. Dass Bieli damit nicht zufrieden ist, versteht sich von selbst.

Nachts auf heimischem Hof

Nun wiederholt sich sein Kampf an der Herbstmesse. Die Voraussetzungen sind fast identisch: Das Veterinäramt weicht nicht von seinem Standpunkt ab, Bieli und Co. können jedoch auf viele Unterstützer zählen: Bis gestern Abend haben knapp 1000 Personen die Petition gegen Ponyreiten an der Herbstmesse unterschrieben. Dies innert weniger Tage.

Im Petitionstext ist nebst den bereits erwähnten Punkten auch von Verhaltensstörungen die Rede, welche Tiere bei solchen Veranstaltungen entwickeln können und davon, dass es nicht reicht, ihnen Pausen zu gewährleisten, solange sie dann nicht auch spielen und herumrennen können. Michel Laszlo betont hingegen, dass die Tiere die Nacht auf ihrem heimischen Hof verbringen, wo sie immer Freilauf haben. An der Herbstmesse stehe ihnen zudem ein Pausenzelt zur Verfügung. «Dort können sie sich frei bewegen und sich bei Bedarf am Boden wälzen. Die Vorwürfe können somit nicht im Entferntesten bestätigt werden», sagt der Kantonstierarzt.

Deutsche Eltern sensibilisiert

Der Schweizer Tierschutz schlägt in einer umfangreichen Recherche vor, Pony-Karussell-Anbieter sollen die Tierhaltung mit bebilderten Tafeln vorstellen. Dies, «damit Eltern und Kinder kennenlernen, wie die Tiere zu Hause leben und welche Bedürfnisse sie haben». Das stundenlange im Kreis gehen ohne Richtungswechsel kritisiert der Tierschutz scharf. Auch die Initianten der Herbstmesse-Petition führen dieses Argument an. Doch auch hier entkräftet Kantonstierarzt Laszlo. Er sagt, die Tiere erhielten regelmässige Richtungswechsel.

Was den Pony-Verzicht in Deutschland, namentlich auf der Düsseldorfer Kirmes, betrifft, so gingen diesem ebenfalls Proteste von Tierschützern voraus. Diese haben aber nicht direkt dazu geführt, dass kein Ponyreiten mehr angeboten wird. Grund war das rückläufige Geschäft. Das Publikum sei inzwischen für die tierschützerischen Aspekte sensibilisiert und viele Eltern wollten ihre Kinder nicht mehr auf Ponys reiten lassen. Das Geschäft lohne sich nicht mehr.