Seit Montagabend tickt die Stadt Basel im Takt der Art Basel. Davon künden nicht nur die Plakate und die Verpackung der Messehallen. Aber auch wenn an den ersten Tagen gilt: nur für VIPs, sind Tausende dabei. Die genaue Zahl der Eingeladenen gibt die Messeleitung nicht preis. Zugegeben, es ist eine auserlesene Klientel. Den Reichtum dieser Sammler sieht man an den Kleidern, die Internationalität hört man an den Sprachen.

Die Cüpli-Bar

Diese VIPs brauchen keinen roten Teppich, sie sind keine Stars und die Art Basel kein Glamour-Festival. Was diese Menschen verbindet, ist ihr Interesse an Kunst. Sie wollen Kunst - aber Kunst nicht nur sehen, sondern Kunst haben. Ein bisschen besondere Behandlung darf also schon sein.

Zuallererst sind die First Choice VIPs am Dienstagmorgen zum Champagne Breakfast im Rundhof geladen. Ein schöner, animierter und vor allem animierender Anlass. Man spürt, wie die Spannung steigt.

Wer kurz vor elf Uhr noch keinen Schlachtplan hat, muss schnell noch den Lageplan studieren, festlegen in welche Galerie zuerst - und ob ins Erdgeschoss mit den Klassikern oder ins Obergeschoss mit der aktuelleren Kunst. Wir lassen uns vom Zufall treiben, landen zuerst bei White Cube, der vor Jahren hippsten Londoner Galerie, die heute bereits zu den Klassikern gehört. Dort springt uns der Apothekerschrank des einst gefeierten Young British Artist, Damien Hirst, ins Auge. Der Titel «Nothing is a Problem for me» verströmt Optimismus. Er ist gut zwanzig Jahre alt, stamme aber direkt vom Künstler, versichert man - und nennt auf Anfrage den Preis: 3,5 Millionen Pfund. Hoppla.

Der Handelsplatz

285 international renommierte Galerien aus 34 Ländern und fünf Kontinenten wurden vom Comittee, der Galeristen-Jury, zur 45. Ausgabe zugelassen. 232 davon bestreiten die eigentliche Messe. Sie investieren viel Geld und Energie in ihren Auftritt: für die Miete und Einrichtung des Standes, für Transport und Versicherung, für Reise und Personal. Ihn koste der Auftritt rund 100'000 Franken, sagte ein Schweizer Galerist, die Personalkosten nicht eingerechnet. Die Einladungen und Partys wohl auch nicht. All diese Kosten müssen wieder eingespielt werden, also müssen die Galerien Umsatz generieren.

Wie viel? Das ist ihr Geheimnis. Die Galeristen müssen weder der Messeleitung noch irgendwem - ausser vielleicht dem Steueramt in ihrer Heimat - Rechenschaft ablegen. Die beiden Preview-Tage mit den VIPs gelten als die stärksten Umsatz-Tage. Dass ganze Stände danach leer gekauft seien, ist allerdings eher Legende als Wahrheit. Nach einer halben Stunde war gestern aber tatsächlich schon einiges verkauft, in der Preisklasse 100'000 plus.

Wer nicht einkaufen will, kann die Art Basel als gehobene Vergnügungsmeile betrachten. Man kann hier essen (die legendären Käseküchlein für Fr. 6.50), Performances schauen (bei den 14 Rooms) oder täglich Vorträge und Podiumsdiskussionen hören - letzteres gar gratis. Auch gratis ist die Kunst draussen: Der Art Parcours ist in diesem Jahr im Kleinbasel, in der Rheingasse, angelegt.

Der Gemischtwarenladen

Doch zurück in die Messe. Dicht an dicht gebaut - und jeder Stand ein vollbepackter Gemischtwarenladen: Das ist die despektierliche Definition. Die Art Basel bietet das Beste aus dem globalen Kunstmarkt auf kleinstem Raum, sagen die Enthusiasten. Die Art ist aber doch primär eine westliche Messe mit einem starken Arm nach Fernost. Wobei der Boom der chinesischen Kunst deutlich abgeflacht ist.

Was ist angesagt? Alles, was einigermassen Rang und Namen hat. Jede Galerie hat ihre Künstler, manche Künstler haben aber mehrere Galerien. Das führt dazu, dass einige besonders angesagte gleich an mehreren Ständen hängen. Giuseppe Penone etwa, der 67-jährige italienische Star der Arte Povera. In der Galerie Tomas Zander gibts nun für 170'000 Euro ein schönes, mittelformatiges mit Akaziendornen gespicktes Wandbild zu kaufen.

Teurer und sperriger ist ein der Länge nach geschnittener 80-jähriger Baum, im Kern mit Harz gefüllt und auf einem Teppich aus Lederhäuten gelagert. Das rund 46 Meter lange Werk hat natürlich an keinem Stand Platz. Dafür gibt es die Art Unlimited. Die Halle 1 für das Monumentale. Dort ist Penones Baum für zwei Millionen Euro zu haben.

Grösser als ein Museum

Ähnlich animierend wie ein Cüpli im Rundhof ist die Art Unlimited in Halle 1. Hier ist Kunst verschwenderischer als in jedem herkömmlichen Museum inszeniert. Man habe die Ausstellung wie eine Stadt geplant, sagt der Kurator Gianni Jetzer. Die 78 monumentalen Kunstwerke bildeten eine City of Art. Da gibt es ein dichtes Netz aus rechtwinkligen Gassen, die Häuser sind weisse Kojen - und als diagonaler Schnitt durch die Ordnung ist ein Band aus 300 Stahlplatten gelegt. Das ist ein bereits 40-jähriges Werk vom Altmeister der Minimal Kunst, Carl Andre.

Retro ist also nicht nur in der Mode und in der Messe, sondern auch hier angesagt. Grundsätzlich lassen sich die 78 Werke dieses Jahr in zwei Hauptkategorien einteilen. In gute alte Bekannte wie Hague Yangs raumgreifende Arbeiten aus Rafflamellen oder Zhang Huans Gemälde nach einem historischen Foto oder in künstlerische Leichtgewichte. Nicht verpassen sollte man Christian Marclay's Installation aus 16 Fernsehern. Hier machen die Bilder Musik - und sind grosse Kunst. Nicht nur für VIPs.