Coronamassnahmen
Chaos auf Basler Baustellen: Unia kritisiert Regierung – und erntet selbst Kritik

Die Umsetzung der Corona-Massnahmen des Bundes auf Basler Baustellen sorgt für Gesprächsstoff. Die hygienischen Bedingungen seien zwar verbessert, der Sicherheitsabstand werde kaum eingehalten, kritisiert die Gewerkschaft Unia.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
«Werden die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten, darf eine Baustelle offenbleiben.» Thomas Leuzinger, Leiter Kommunikation UNIA (Im Bild: eine UNIA-Kontrolle in Fribourg)

«Werden die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten, darf eine Baustelle offenbleiben.» Thomas Leuzinger, Leiter Kommunikation UNIA (Im Bild: eine UNIA-Kontrolle in Fribourg)

Keystone

Im Streit zwischen Gewerkschaften und Baumeistern um die Einhaltung der Coronavorschriften liegen die Nerven blank. Vor allem auf Baustellen in Basel-Stadt würden die Vorgaben des Bundes auch drei Wochen nach Inkraftsetzen nicht konsequent umgesetzt, sagt Thomas Leuzinger, Bereichsleiter Politik und Kommunikation bei der Unia Region Aargau Nordwestschweiz.

«Der Abstand von zwei Metern wird meistens nicht eingehalten», sagt Leuzinger. Zwar seien die hygienischen Verhältnisse vielerorts besser geworden. Dies sei grösstenteils dem Engagement der Unia zu verdanken. Die Gewerkschaft weist denn auch die Kritik an den Baustellenbesuchen zurück. Die Arbeitgeber hätten es selbst in der Hand, die Vorgaben des Bundesrates umzusetzen, schreibt Unia-Regionalleiterin Sanja Pesic in einem Brief an den Verband der Bauunternehmer der Region Basel (BRB). Der Brief liegt der bz vor und ist die Antwort auf ein Schreiben des BRB von letzter Woche.

Unia-Baustellenkontrollen als Sicherheitsrisiko?

Die Unia-Mitarbeitenden würden sich bei ihren Besuchen an keinerlei Ordnung und Disziplin halten; sie unterminierten damit die von den Unternehmern umgesetzten Massnahmen zum Schutz der Bauarbeiter, kritisiert der BRB. Die «Basler Zeitung» zitierte den Geschäftsführer der Knecht Bauunternehmung AG, wonach die unangemeldeten und rücksichtslosen Besuche in Baucontainern ein Corona­sicherheitsrisiko darstellten.

Unia-Sprecher Leuzinger schüttelt den Kopf: «Da versuchen die Baumeister, den Bock zum Gärtner zu machen.» Nähmen sie ihre Verantwortung wahr, dann bräuchte es keine Besuche der Unia. Leuzinger sagt zudem: «Wir gehen bei unseren Kontrollen sorgfältig vor und halten die Regeln ein.» Er weist den Vorwurf zurück, die Gewerkschaft wolle nun partout Baustellen lahmlegen: Die Unia stehe voll hinter den Entscheiden des Bundesrates. «Werden die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten, darf eine Baustelle offenbleiben.»

«Basler Regierung schaut tatenlos zu»

Offenbar läuft die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Unternehmern nicht überall so schlecht. Leuzinger verweist auf den Kanton Baselland, wo die Regierung gleich nach dem Lockdown-Beschluss die Arbeitsmarktkontrolle für das Baugewerbe (AMKB) mit den Coronakontrollen beauftragt habe. «Das hat Wirkung gezeigt. Die meisten Baufirmen kooperieren. So ist eine gewisse Entspannung eingetreten», findet Leuzinger. Die AMKB wird von den Sozialpartnern gemeinsam getragen und ist in gewöhnlichen Zeiten für die Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge und für Schwarzarbeitskontrollen zuständig. Auch im Aargau wachen die Sozialpartner gemeinsam über die Coronamassnahmen.

Nicht so in Basel: Zwar ist seit Anfang Jahr auf dem Papier auch hier die AMKB zuständig. Doch greift das neue Regime in der Krise (noch) nicht: «In Basel-Stadt schaut die Regierung mehr oder weniger tatenlos zu», kritisiert Leuzinger. Baumeister und Kanton würden sich die Verantwortung zuschieben. Auch fehlten die Ressourcen: «Mit dem aktuellen Rhythmus würde es bis sechs Wochen dauern, um alle Baustellen zu kontrollieren.»