Ich konnte als Deutscher kaum glauben, dass das Aufgebot von der Motorfahrzeugkontrolle automatisch kommt, ohne dass ich mich darum kümmern muss – selbst wenn das Schreiben acht Monate nach dem fälligen Termin kam. In Deutschland gibt die TÜV-Plakette – TÜV bedeutet Technischer Überwachungsverein – den Zeitpunkt an, wann man mit dem Auto zur Kontrolle muss. Überzieht man diesen oder vergisst ihn, gibt es empfindliche Strafen.

Obwohl ich Organisationschaos normalerweise eher mit Frankreich verbinde, ich habe dort ja lange gelebt, hat mir neulich die Swisscom bewiesen, dass sie durchaus begabt ist darin, ein Durcheinander zu schaffen. Die Swisscom digitalisiert und hatte mir deshalb angekündigt, einen neuen Router zu schicken. Dazu gebe es eine TV-Box 2.0 light. Ich habe keinen Fernseher und habe deshalb der Swisscom mitgeteilt, dass ich darauf verzichte. Den Router musste ich ja anscheinend in Kauf nehmen.

Im Juli kam dann ein grosses Paket. Anstatt eines Routers war darin eine TV-Box, die ich nicht bestellt hatte. Ausserdem stellte sich heraus, dass mein alter Router weiter funktioniert. Ich musste nur das Telefon umstöpseln. Super organisiert hat mir die Swisscom den Kleber zum Zurückschicken gleich beigelegt. Im Internet informierte sie mich zudem, dass ich das Paket auch unkompliziert bei einem Kiosk abgeben kann, der als Päckli-Punkt ausgezeichnet ist. Der für mich nächste war demnach in der Klybeckstrasse. Als ich dort ankam, hat ein netter Herr mir eröffnet, dass er keine Swisscom-Pakete annehmen darf.

Ich bin dann zur Post. Ich glaube, am gleichen Tag kam ein Brief der Swisscom, in dem sie sich für die fehlerhafte Information zum Router und die Zusendung der TV-Box entschuldigt hat. Ich fand das gut und habe mich abgeregt. Drei Tage später erhielt ich eine Mail, die mir erklärte, wie ich meine TV-Box nutzen kann. Wenn das kein Durcheinander ist? Aber ich räume ein, wirklich unangenehm war das alles nicht.

Schlimmer hat es Freunde von mir getroffen. Als sie aus den Ferien kamen, war die Digitalisierung vollzogen, und weder TV noch Telefon funktionieren mehr. Die Geräte waren zu alt. Einen ersten Informationsbrief der Swisscom hatten sie nie erhalten, den zweiten während der Ferien, als sie nicht reagieren konnten. Neuer Fernseher, neues Telefon und eine Menge Ärger; ich erspare Ihnen die Einzelheiten.

Chaos kann also auch schweizerisch sein. Genau die gegenteilige Erfahrung habe ich kürzlich in Frankreich gemacht. Ich muss dort wegen einer Eigentumswohnung noch Steuern zahlen. Der Steuerbescheid war mir nicht ganz klar. Ich habe eine Einzugsermächtigung und muss deshalb nichts unternehmen, wie auch auf dem Bescheid stand. Daneben war in kleiner Schrift vermerkt, die Bankverbindung mitzuteilen, die dem Amt aber schon bekannt war. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich lieber in einer Mail an die Steuerverwaltung nachgefragt. Ehrlich gesagt, habe ich nicht mit einer Antwort gerechnet. Sie werden es nicht glauben: Am Samstag ging meine Mail raus, am Montag um 13.37 Uhr bekam ich schon die Antwort, dass alles in Ordnung sei.