Voltaplatz
Chaoten hinterlassen auf dem Voltaplatz eine Spur der Gewalt

Riesenfeuer, eingeschlagene Scheiben. Auf dem Voltaplatz wüteten in der Nacht auf Sonntag über 100 Chaoten - meist ungehindert. Polizeidirektor Gass (FDP) fordert Konsequenzen.

Hans-Martin Jermann
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Chaos auf dem Voltaplatz (2)
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Chaoten wüteten auf und neben dem Voltaplatz in Basel
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Chaos auf dem Voltaplatz (2)

Kenneth Nars

In der Nacht auf Sonntag ist am Voltaplatz im Basler St. Johann-Quartier eine illegale Party mit 100 bis 150 Teilnehmern völlig aus dem Ruder gelaufen: Kurz vor 3 Uhr morgens entfachten einige Chaoten aus der links-autonomen Hausbesetzer-Szene mit herumliegendem Baumaterial ein grosses Feuer und warfen brennende Stücke auf die Kreuzung.

Zürich nicht mit Basel vergleichbar

Als die Basler Berufsfeuerwehr anrückte, um das Feuer zu löschen, lösten sich rund 20 Vermummte von der Partygruppe und begannen auf der anderen Seite des Platzes, an der Ecke Elsässerstrasse/Voltastrasse, die Scheiben von Ladengeschäften einzuschlagen. Das Riesenfeuer als Ablenkungsmanöver? Als die Polizei einschritt, die zuvor das Geschehen beobachtet hatte, zerstreuten sich die Randalierer jedenfalls «in alle Himmelsrichtungen», wie Polizeisprecher Klaus Mannhart sagt.

Immerhin gelang es der Polizei, zwei Krawallbrüder dingfest zu machen; die beiden sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, in Basel wohnhaft und der Polizei einschlägig bekannt.
Das Riesenfeuer, die vermummten Chaoten: Das erinnert stark an die Krawallnächte der vergangenen Wochenenden in Zürich. Polizeisprecher Mannhart lässt den Vergleich jedoch nicht gelten: «In Zürich sind die Krawalle klar gegen die Polizei gerichtet - das trifft in Basel nicht zu.»

Bevor die illegale Party eskalierte, erhielt die Polizei etliche Anrufe von Anwohnern wegen Lärmbelästigung. Nach der Gewaltorgie kritisierten am Sonntag gegenüber «OnlineReports» Augenzeugen den Einsatz der Ordnungshüter: «Der schwarze Block ist besser organisiert als unsere zahnlose Polizei», sagt ein Anwohner, der sich als Linker bezeichnet.

Mannhart schüttelt den Kopf: «Das stimmt überhaupt nicht.» Es dürfe nicht sein, dass die Polizei auf den «Grind» kriege, weil die Politik versage. So wird die Voltamatte seit Ende Mai partiell von linken Aktivisten besetzt (siehe Text rechts). Dies werde vom Baudepartement von SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels geduldet, stellt Mannhart klar. Auf der Voltamatte habe praktisch jedes Wochenende eine illegale Party stattgefunden.

Regierung diskutiert morgen

Die Anwohner im St. Johann-Quartier seien zurecht empört, sagt Mannhart und fügt an: Die Polizei sei es auch. Noch deutlicher wird Polizeidirektor Hanspeter Gass (FDP): «Ich habe die Schnauze voll.» Gass hat intern einen Bericht zu den Vorfällen verlangt. Morgen Dienstag will er zudem an der Regierungssitzung grundsätzlich darüber diskutieren, wie sich die Polizei bei illegalen Besetzungen verhalten soll. «Soll sie in Fällen wie am Wochenende mit Nulltoleranz dreinfahren oder soll man die Chaoten an der langen Leine lassen?», skizziert Mannhart Fragestellungen zur Diskussion. Regierungsrat Gass hat sich bereits eine Meinung gemacht: «So kann es sicher nicht mehr weitergehen.»