Zollfahndung
Chef der Zollfahndung: «Fleisch wird meistens ungekühlt geschmuggelt»

Jährlich werden tonnenweise Lebensmittel in die Schweiz geschmuggelt. Hauptgrund dafür sind die hohen Schutzzölle. Im Interview mit der bz erklärt Paul Zuber, Chef der Zollfahndung, was mit den konfiszierten Lebensmitteln geschieht.

Moritz Kaufmann
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Ein unappetitlicher Anblick: Geschmuggeltes Fleisch

Ein unappetitlicher Anblick: Geschmuggeltes Fleisch

Zur Verfügung gestellt

Herr Zuber, wie viele Lebensmittel werden in die Schweiz geschmuggelt?

Paul Zuber: Wir führen relativ genau Statistik. Letztes Jahr wurden rund 970 Tonnen Lebensmittel sichergestellt. Ein Jahr zuvor waren es 827 Tonnen. Wobei man vorsichtig sein muss: Ins Jahr 2011 sind Fälle eingeflossen, die wir 2010 aufgedeckt haben.

Welche Lebensmittel werden denn am meisten unverzollt über die Grenze gebracht?

Von den sichergestellten 970 Tonnen letztes Jahr waren 818 Tonnen Früchte und Gemüse. Beliebt sind aus ausserdem Speiseöl, Getreide und Fleischwaren.

Hauptaufgabe kontrollieren: Paul Zuber (links) Chef der Zollfahndung und Heinz Engi, Chef des Zollkreises Basel.

Hauptaufgabe kontrollieren: Paul Zuber (links) Chef der Zollfahndung und Heinz Engi, Chef des Zollkreises Basel.

Den Schmuggel von Lebensmittel gibt es seit Jahrzehnten und er ist relativ konstant. Was es wegen des steigenden Frankens mehr gibt, sind Kleinschmuggler, die beispielsweise in Lörrach einkaufen und nur ein halbes Kilo, anstatt vielleicht fünf Kilo Fleisch anmelden. Wir von der Zollfahndung werden aber erst aktiv bei einer Busse von 1000 Franken – also beim gewerbsmässigen oder organisierten Schmuggel. Der lohnt sich insbesondere, weil wir in der Schweiz hohe Zölle etwa auf Landwirtschaftsprodukte haben. Der starke Franken beschert den organisierten Schmugglern vielleicht einen Kursgewinn, doch dies ist nicht der Grund, weshalb sie ihr Geschäft betreiben. Mit unserer Arbeit in diesem Bereich schützen wir deshalb vor allem auch die Schweizer Wirtschaft.

Kann man von einer «Lebensmittelmafia» sprechen?

Mafia ist ein Schlagwort, das hier nicht zutrifft. Es handelt sich beispielsweise nicht um eine Drogenmafia. Aber es sind organisierte, teilweise familiäre Strukturen mit dem Ziel, Gewinn zu erwirtschaften. Und: Es gibt alle Nationalitäten bei unserer Kundschaft, auch Schweizer.

Was passiert eigentlich mit den sichergestellten Lebensmitteln?

Da nehmen wir Rücksprache mit den kantonalen Laboratorien. Illegal und ungekühlt eingeführtes Fleisch wird beispielsweise direkt eingezogen und unter amtlicher Aufsicht in der Kehrichtverbrennung Basel-Stadt verbrannt. Bei den Lebensmitteln, die man noch verwerten kann, hat der Schmuggler die Möglichkeit, die allfälligen Bussen und Abgaben zu zahlen und sie mitzunehmen. Sonst nehmen wir die Ware ab und versuchen sie zu verwerten.

Lesen Sie das ganze Interview in der heutigen bz