Victor Valderrabano, der Leiter der Orthopädie am Basler Universitätsspital (USB) ist ab sofort arbeitslos. Das Spital hat seinen Star-Orthopäden entlassen und freigestellt. Ersetzt wird er vorläufig durch den Leiter der Traumatologie, Marcel Jakob, der interimistisch beide Abteilungen leiten wird. Grund für die Entlassung Valderrabanos ist gemäss USB, dass «der Chefarzt Spesen und Honorare zu seinem Vorteil falsch abgerechnet und seine Pflichten in der Führung der ihm anvertrauten Klinik verletzt hat».

Klartext redet Spitaldirektor Werner Kübler: «Bei den Honorarabrechnungen wurden offensichtlich Operationen abgerechnet, bei denen der Leiter der Orthopädie gar nicht am Operationstisch stand.» Daraus ist ein Schaden in unbekannter Höhe entstanden. Kübler sagt dazu vorerst nur: «Da eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung im Gange ist, können wir zu der Schadenshöhe keine Auskunft geben.»

Eine Strafanzeige läuft

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil das USB nach eigenen monatelangen Nachforschungen Anzeige gegen Valderrabano erstattet hat. Die Vorwürfe der Klinikleitung gehen aber über den Betrug hinaus. So bemängelt Kübler, Valderrabano habe die Orthopädie sozusagen um sich herum aufgebaut: «In organisatorischen Fragen gab es offensichtlich Fehler. Die OP-Organisation und die Sprechstundenorganisation waren zu sehr auf ihn ausgerichtet, das führte teilweise zu Wartezeiten und sogar Operationsverschiebungen.»

Dabei sei niemand zu Schaden gekommen, betont Kübler: «Nach unserem Wissen ist keinem Patienten ein Schaden entstanden, es wurden keine medizinischen Fehler gemacht.» Unter Valderrabanos Patienten sind auch Sportstars wie Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna oder die Fussballprofis Fabian Schär und Ricardo Rodriguez. Valderrabano war nicht gerade das, was man sich unter einem stillen Schaffer vorstellt. Er gab gern und oft in den verschiedensten Medien Auskunft über Probleme in seinem Spezialgebiet der Behandlung von Fuss- und Knöchelproblemen. Hier ist er auch in etlichen Organisationen Mitglied. Auch im Zusammenhang mit Verletzungen von Profisportlern war er gerne zu einer Äusserung bereit.

2009 wurde der damals 37-jährige Professor zum Leiter der Orthopädie ernannt. Dass er diese Position bereits in verhältnismässig jungen Jahren erreichte, war der Höhepunkt einer steilen Karriere. Valderrabano ist nicht nur Professor der Medizin, er hält auch einen Doktortitel in Biomechanik der kanadischen Universität von Calgary. Kein Wunder erklärt Spitaldirektor Kübler: «Ich bedaure diese Vorgänge enorm, wir haben grosse Stücke auf Professor Valderrabano gehalten. Sowohl seine medizinische Arbeit als auch auf seine Forschungstätigkeit.»

Stilwechsel in der Führung

In der Basler Orthopädie entstehe durch die Freistellung keine Versorgungslücke, beeilt sich Kübler klarzustellen: «Ein Berufungsverfahren kann Monate oder auch ein bis zwei Jahre dauern. Aber wir stehen nicht mit leeren Händen da, sondern haben ein sehr gutes Team und mit Marcel Jakob auch einen Top-Mann an der Spitze.»

Einen Mann, der deutlich leiser auftritt, als sein geschasster Vorgänger. Er habe aber in den letzten Jahren immer wieder Publikationen in der Fachwelt auf sich aufmerksam gemacht. Auch wenn an anderen Schweizer Spitälern derzeit über eine Zusammenlegung von Orthopädie und Traumatologie nachgedacht wird, die Einsetzung von Jakob als Interims-Chef der Orthopädie sei keine vorweggenommene Entscheidung zu diesem Thema, erklärt Kübler. «Die gemeinsame Führung von Orthopädie und Traumatologie ist kein Präjudiz für eine engere Zusammenführung. Aber Professor Jakob hat die Anweisung, Synergien zu prüfen und zu nutzen.»

So könnte der unschöne Abgang Valderrabanos auch für die künftige Organisation des Unispitals Folgen haben. Er trat an, um der Klinik seinen Stempel aufzudrücken. Vorgestellt hat er sich das aber wohl anders.