Tödliche Irrfahrt
Chefarzt: Flucht stand für den Amokfahrer im Vordergrund

Der psychisch kranke Straftäter, der in Basel bei seiner Amokfahrt acht Menschen überfahren hatte, wollte einfach aus den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) abhauen. Davon geht der Forensik-Chefarzt der UPK, Marc Graf, aus.

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Er habe am Morgen mit dem 27-Jährigen gesprochen, sagte Graf am Mittwoch vor den Medien. Dem Mann gehe es nicht gut.

Laut dem Chefarzt der Forensisch-Psychiatrischen Klinik der UPK gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der in der Schweiz geborene Mazedonier Menschen verletzen oder gar töten wollte. Bei der Irrfahrt vom Dienstagabend kam eine Frau ums Leben. Sieben Menschen wurden teils schwer verletzt.

Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
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Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
Blumen wurden zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt.
Die Mittlere Brücke war die ganze Nacht gesperrt.
Auf der Mittleren Brücke und Schifflände ereignete sich ein schwerer Unfall. Hier an der Schifflände.
Der Schock sitzt tief nach der Amokfahrt auf der Mittleren Brücke.

Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.

Moritz Kaufmann

Keine Hinweise auf Fluchtgedanken

Im Gespräch sei der Mann über das Vorgefallene sehr betroffen und erschüttert gewesen, sagte Graf. Der Chefarzt geht aufgrund der bisherigen Erkenntnisse davon aus, dass der Mann einfach abhauen wollte.

Er habe sich dahingehend geäussert, dass er nach Mazedonien wollte, obwohl er dort keinen familiären Bezug mehr habe. Hinweise auf Fluchtgedanken habe es bei dem Mann bisher nicht gegeben.

Wegen einfacher Körperverletzung in Haft

Das Motiv für die Flucht sieht Graf in erster Linie in der psychischen Erkrankung des Mannes, der an paranoider Schizophrenie und einer Persönlichkeitsstörung leidet. Möglicherweise habe ihn auch das Wissen um eine bevorstehende Verlängerung des Aufenthalts in der Klinik zum Ausbruch getrieben, sagte Graf weiter.

Der Mann war 2007 vom Baselbieter Strafgericht wegen einfacher Körperverletzung zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Wegen seiner schweren psychischen Störung wird er jedoch seit 2008 in der geschlossenen Forensik-Abteilung der UPK stationär behandelt. Diese Massnahme hätte nach Angaben Grafs demnächst verlängert werden sollen.