Klybeckquartier

Chemiemüll im Klybeck? Quartierbewohner machen ihrem Ärger Luft

Blick auf das Areal von Klybeck plus.

Blick auf das Areal von Klybeck plus.

Ein Zusammenschluss von Umwelt- und Quartierorganisationen lud am Dienstagabend zu einer Infoveranstaltung über Chemiemüll im Klybeckquartier. Manche zeigten sich am Ende empört über die Behörden.

«Mehr ist nicht bekannt», sagt Altlastenexperte Martin Forter an diesem Abend im Quartiertreffpunkt Klybeck-Kleinhüningen oft. Der Geschäftsführer der Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz AefU präsentierte sein umfangreiches Gutachtens über Chemiemüll im Klybeck am Dienstag der interessierten Quartierbevölkerung.

Der Saal ist voll, gut 50 Leute. Mangels Stühlen machen es sich drei Zuhörer auf Tischkanten bequem. Eingeladen haben neben der AefU die beiden Quartierinitiativen Zukunft Klybeck und IG Klybeckinsel sowie die regionalen Ableger von WWF und Greenpeace. Die beiden BastA!-Politikerinnen Heidi Mück und Tonja Zürcher erklären eingangs die Absicht des Abends: Am Ende sollen die Zuhörerinnen und Zuhörer «Bedenken, Forderungen und Anliegen» auf einem der drei im Raum verteilten Poster niederschreiben. Das Gesammelte soll Diskussionsgrundlage einer Folgeveranstaltung mit den Behörden werden. «Wir wollen einen echten Dialog mit den Verantwortlichen», so Mück.

Während Forters Vortrag herrscht angespannte Stille. Nur manchmal hört man kritisches Räuspern, etwa als er erläutert, dass das krebserregende Benzidin bis 1952 eingesetzt wurde und dass nie systematisch nach allen möglicherweise vorhandenen chemischen Stoffen gesucht worden sei. Bei Bohrungen habe man das Vergrabene «mit Augen, Nase, aber eher selten mit einer Stoffanalyse» untersucht.

Forter betont: Akute Gefahr besteht keine

«Der heikelste Punkt bleibt der öffentliche Grund», so Forter. Drei Chemiemülldeponien sind in einem Ciba-Geigy-Plan von 1988 zwischen Dreirosenbrücke und Spielplatz Ackermätteli eingetragen. «Die Markierung ist breiter als die Strasse, reicht wahrscheinlich unter das Trottoir und womöglich unter den Spielplatz.» Forter erinnert daran, dass Matthias Nabholz vom Amt für Umwelt und Energie gegenüber der «bz» zunächst sagte, Grund unter dem Spielplatz sei 2012 drei Meter tief abgetragen worden – nur um wenig später zurückzurudern. Auch über Nabholz’ Äusserung, es wäre für die Umwelt das beste, das ganze Quartier abzutragen, lässt sich Forter aus: «Das ist falscher Fatalismus.» Zunächst gehe es ja darum, die historisch bekannten Belastungsschwerpunkte zu sanieren. Forter spart nicht an Kritik, aber macht klar, dass keine akute Gefahr besteht.

Trotzdem häuft sich das kritische Geräusper, je länger der Vortrag dauert. In der Fragerunde ist die Empörung im Publikum dann greifbar. Nach einer Pause verlagert sich das Geschehen zu den Postern. An je einem moderieren Mück und Zürcher. Eine Besucherin marschiert zum Dritten, dem Unbeaufsichtigten, und fordert als Erstes die sofortige Freistellung von Nabholz. Später kommt eine Rücktrittsforderung an den verantwortlichen Regierungsrat Brutschin hinzu. Ist das die Basis für Dialog? Mück sagt, man wolle gegen niemanden schiessen, sondern endlich ernstgenommen werden: «Unser Ziel ist wirklich ein Dialog.» «Die Altlastenverordnung besteht seit 20 Jahren», pflichtet ihr Forter bei. «Seither gab es einige Wechsel in der Regierung. Es ist keine persönliche Frage. Man muss Kritik so lange anbringen, bis sich etwas ändert.» Tatsächlich waren die meisten Forderungen auf den Postern konstruktiv, so wurde unter anderem die sofortige Untersuchung des Ackermätteli und die Veröffentlichung aller existierenden Untersuchungsberichte gefordert. Auf Anfrage will sich Christoph Brutschin noch nicht festlegen, ob er oder sein Amtsleiter Nabholz einer Einladung zur geplanten Folgeveranstaltung nachkommen würden.

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