Missglücktes Experiment
Chemieversuch in der Claramatte endet fatal

Im Feriendorf Claramatte sollten die Kinder staunen, indem Katzenstreu Hustenpastillen mit Brennsprit übergossen und angezündet werden. Die Lutschtabletten sollten sich dann zu langen Schlangen aufblähen. Doch alles kam anders.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
Drei Personen erlitten Brandverletzungen bei dem Experiment (Symbolbild)

Drei Personen erlitten Brandverletzungen bei dem Experiment (Symbolbild)

Keystone

Drei Personen erlitten Brandverletzungen, viele sind bestürzt. «Es ist ein Schock», sagt Andreas Hanslin, der als Geschäftsleiter der Robi-Spiel-Aktionen für die Herbstferienveranstaltung verantwortlich ist.

Brennsprit auf Jacke der Frau

Was ist genau passiert? Bei der Demonstration an einem Stand vor 30 Kindern, Mamis und Papis wurden am Sonntag kurz nach 14 Uhr in einer Schüssel Katzenstreu Hustenpastillen mit Brennsprit übergossen und angezündet. Normalerweise blähen sich dabei die zuckerhaltigen Lutschtabletten zu langen schwarzen Schlangen auf – ein verblüffender Augenschmaus. Doch dieses Mal sorgte der Versuch für Angst und Schrecken: «Aus noch nicht geklärten Umständen» entzündete sich laut Basler Staatsanwaltschaft das Experimentierfeld; es gab eine Stichflamme, die auf eine in der Nähe stehende Frau und ihren kleinen Sohn übergriff. Deren Jacke habe sich entzündet, nachdem sie von einem Spritzer Brennsprit getroffen worden war, gibt Robi-Chef Hanslin zu Protokoll.

Die 47-Jährige musste mit Verbrennungen ins Spital gebracht und am Unterarm operiert werden; ihr vierjähriger Sohn sowie der Leiter des Experiments zogen sich leichtere Verbrennungen zu, die mit Salben behandelt werden konnten. Mittlerweile sind alle Verletzten zu Hause. Die kriminaltechnische Untersuchung des Unglücks wurde eingeleitet. Für Kriminalkommissär Markus Melzl ist klar: «Das war kein Vorsatz.» Der Vorfall sei den Verantwortlichen der Kinderferienstadt unangenehm.

«Harmloses, banales Experiment»

«Es ist an sich ein harmloses, banales Experiment», betont Hanslin. Dieses sei von dem zuständigen Spielplatzleiter, einem erfahrenen Sozialpädagogen, schon «x-mal» durchgeführt worden. Markus Melzl bestätigt: Der Versuch sei in Lehrbüchern und im Internet als Pharao-Schlange bekannt – ein Klassiker des Chemieunterrichts. Zu dessen Durchführung sei keine spezielle Genehmigung notwendig, sagt Melzl.

Experiment wurde gestoppt

Trotzdem ist in der Kinderferienstadt das Experiment nach dem tragischen Unfall gestoppt worden. Man müsse nun genau anschauen, was schief gelaufen sei, sagt Hanslin. Sollte sich die Pharao-Schlange als heikel herausstellen, werde künftig auf deren Vorführung verzichtet. «Denn die Gewährleistung der Sicherheit ist bei uns oberstes Gebot.» Hanslin spricht vom schlimmsten Unfall in der Geschichte der nun seit 18 Jahren bestehenden Basler Kinderferienstadt. Das aktuelle Herbstferien-Programm bietet für 3- bis 14-jährige Kinder während der Schulferien unter anderem Geschicklichkeitsspiele, Märchenerzähler, Trampolinspringen und Kalkstein-Behauen – alles kostenlos.