Denkmalpflege

Chemiker der Uni Basel arbeiten in uralten Laboren

Die Labors im Institut für Anorganische Chemie wurden seit 1910 nie grundlegend renoviert.

Die Labors im Institut für Anorganische Chemie wurden seit 1910 nie grundlegend renoviert.

Die uralten Chemielabors der Universität Basel müssten wegen Platzmangel und schwindender Konkurrenzfähigkeit ersetzt werden, aber Denkmalschützer blockieren die Neubaupläne

1971 wird das Biozentrum der Universität Basel eröffnet. Nicht weit entfernt stehen die Institute für Organische und Anorganische Chemie. Baujahr: 1952 respektive 1910.

Inzwischen ist das alte Biozentrum abgerissen. Dafür prangt das neue, noch nicht ganz fertig gebaute Biozentrum auf dem Campus Schällemätteli. Nicht weit entfernt stehen – noch immer – die Institute für Organische und Anorganische Chemie. Ginge es nach der Uni und dem Bau- und Verkehrsdepartement (BVD), wären die zwei miteinander verbundenen Gebäude längst weg. Neubaupläne liegen vor, können aber nicht umgesetzt werden. Der Grund: Ein Rekurs der Freiwilligen Denkmalpflege Basel und des Heimatschutzes blockiert die Modernisierung. Am 14. Dezember kommt die Causa nun vor dem Basler Appellationsgericht zur Verhandlung.

Die Verzögerung ist für die Chemiker und Physiker, die in den Gebäuden forschen und Vorlesungen halten, äusserst ärgerlich. Das bestätigt der oberste Physiker der Uni, Dominik Zumbühl: «Die Physik und die Chemie sind dringend auf den neuen Campus Naturwissenschaften angewiesen», sagt der Vorsteher des Departements Physik.

«Kaum mehr konkurrenzfähig»

Probleme bereiten insbesondere die Labors. Seit langem ist klar, dass Physiker und Chemiker auf Dauer nicht in den bestehenden Gebäuden bleiben können. Darum hat man laut Universitäts-Sprecher Matthias Geering die Labors nur soweit erneuert, wie es absolut nötig war. Eine grundlegende Renovation hat nie stattgefunden. Die Labors sind also noch weitgehend original. Als die Anorganische Chemie 1910 eröffnet wurde, brütete Albert Einstein über seiner allgemeinen Relativitätstheorie, die «Titanic» war noch nicht einmal gebaut. Geering sagt: «Viele Schullabors in Gymnasien sind moderner als unsere Labors für Chemiepraktika.» Physik-Vorsteher Zumbühl schildert, was das für den Forschungsalltag bedeutet: «Wir haben bei uns teilweise alte Labors, die kaum mehr konkurrenzfähig sind, und generell akuten Platzmangel.» Die Labors der Anorganischen Chemie sind derart in die Jahre gekommen, dass die Forscher sie nur noch für Praktika mit Studenten benutzen.

Ein Grund, der ebenfalls für einen Umbau spricht, steckt in den Mauern der Gebäude: Asbest. Der Werkstoff sei nicht akut gefährlich, sagt Geering. Die Suva bestätigt, dass solange der verbaute Asbest nicht verwittert oder mechanisch bearbeitet wird, in der Regel keine Gesundheitsgefahr vorliegt. Laut Geering messen Kontrollgeräte permanent die Asbeststaubkonzentration in der Luft. Die Schweiz hat die Verwendung des krebserregenden Stoffes 1989 verboten.

Der Rekurs von Heimatschutz und Freiwilliger Denkmalpflege Basel richtet sich nicht gegen die Modernisierung als solche, sondern gegen den Abriss des Instituts für Organische Chemie. Den Abbruch wollte auch die Kantonale Denkmalpflege verhindern. Sie liess ein externes Gutachten erstellen, das zum Schluss kam, das Gebäude gehöre denkmalgeschützt. Der Regierungsrat lehnte den darauffolgenden Antrag der Denkmalpflege jedoch ab. Er gewichtete die Interessen der Universität höher.

Gegen eine moderne Universität hat Christian Eich nichts einzuwenden. Es sei absolut richtig, beste Rahmenbedingungen für die Forschung zu schaffen, sagt der Präsident der Freiwilligen Denkmalpflege Basel. Was ihn stört, ist das Vorgehen der Planer des BVD. Diese hätten das Gebäude der Organischen Chemie nie wirklich in die Neubaupläne einbezogen. «Die Option Denkmalschutz wurde überhaupt nicht berücksichtigt», sagt Eich.

Des Nobelpreisträgers Haus

Den Rekurs führt die Freiwillige Denkmalpflege gemeinsam mit dem Basler Heimatschutz. Dessen Präsident Christof Wamister sagt, man habe gute Argumente für den Erhalt des Gebäudes. Er verweist auf das Gutachten. Darin steht unter anderem: «Das Bauwerk ist ein hervorragender Bauzeuge der Nachkriegsmoderne.» Weiter preist es die feinteilige Fassade, die Kombination linearer und geschwungener Formen oder auch die kurvenförmig in die Eingangshalle reichende Haupttreppe. Ausserdem sei der Bau eng verknüpft mit einer prominenten Person: Tadeus Reichstein, Professor für organische Chemie und einer von zwei Nobelpreisträgern an der Uni Basel. Für ihn sei der Bau quasi errichtet worden. Eich und Wamister sehen eine Möglichkeit, das Gebäude der Organischen Chemie stehen zu lassen und die Uni trotzdem zu modernisieren. «Man könnte aus den alten Labors eine Kantine, Seminarräume oder Büros machen», sagt Eich. Die Labors könne man in einem anderen Gebäude unterbringen.

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